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19.12.2017

Erotikhändler in der Krise: Beate Uhse meldet Insolvenz an

Die Holding des Erotikhändlers Beate Uhse hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Das Amtsgericht Flensburg bestellte Dr. Sven-Holger Undritz von White & Case zum Sachwalter, als Generalbevollmächtigte des Unternehmens in der Sanierung fungieren Dr. Georg Bernsau und Justus von Buchwaldt, beide Partner bei BBL Bernsau Brockdorff & Partner. Die operativen Konzerngesellschaften sind von der Insolvenz nicht betroffen.

Bernsau_Georg

Georg Bernsau

Der Erotikhändler setzte mit rund 350 Mitarbeitern zuletzt noch gut 100 Millionen Euro um. Er befindet sich seit Jahren in der Krise. Eine 2014 platzierte Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit ist seit langem ein Spekulationsobjekt und trägt wegen der hohen Verzinsung von 7,75 Prozent zu den Schwierigkeiten bei. Presseberichten zufolge war es nicht gelungen, die Anleihe zu restrukturieren, das heißt, die Anleihegläubiger von Zugeständnissen zu überzeugen. Ihr gemeinsamer Vertreter nach Schuldverschreibungsgesetz ist die auf solche Fälle spezialisierte Beratungsgesellschaft One Square Advisors.

Berater Beate Uhse
BBL Bernsau Brockdorff & Partner (Frankfurt): Dr. Georg Bernsau, Justus von Buchwaldt; Associates: Dr. Rouven Quick (beide Hamburg), Nicole Stephan, Hans Beyer (alle Insolvenzrecht)
Heuking Kühn Lüer Wojtek: Dr. Thorsten Kuthe (Köln), Dr. Johan Schneider (Hamburg; beide Kapitalmarktrecht/Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Undritz_Sven-Holger

Sven-Holger Undritz

Sachwaltung
White & Case (Hamburg): Dr. Sven-Holger Undritz (Sachwalter), Dr. Ellen Meyer-Sommer; Associates: Sven Hentschel, Béla Knof (alle Insolvenzrecht).

Hintergrund: Sachwalter Undritz ist einer der führenden Köpfe des Insolvenzzweigs von White & Case und Managing Partner der Gesamtkanzlei in Deutschland. Er war unter anderem Verwalter des Solarunternehmens Conergy oder der Charterfluggesellschaft Hamburg Airways. Seine Bestellung als Sachwalter von Beate Uhse ist kein Zufall – Undritz wird vom Flensburger Insolvenzgericht auch regulär mit dortigen Insolvenzverfahren betraut. Auch BBL-Berater von Buchwaldt ist im Flensburger Bezirk als Insolvenzverwalter tätig. Als Sanierungsgeschäftsführer verantwortete er dort außerdem die Eigenverwaltung des Sicherheitsdienstes Nordwacht. Das Thema Anleihen hat BBL unter anderem im Schutzschirmverfahren der Deutschen Forfait intensiv bearbeitet.

Dem Vernehmen nach war früher die Hamburger Kanzlei Schulz Noack Bärwinkel von Beate Uhse für verschiedene Bereiche mandatiert worden. Zu der Beratung gehörte auch die Restrukturierung. In dem vom Flensburger Gericht veröffentlichten Beschluss zum Insolvenzantrag ist nachzulesen, dass Schulz Noack Bärwinkel nun im Gläubigerausschuss vertreten ist.

Aus dem Markt bekannt ist, dass Heuking die versuchte Restrukturierung der Beate Uhse AG vor allem unter kapitalmarktrechtlichen Aspekten begleitet hat. Der Hamburger Partner Schneider ist allerdings zudem ein erfahrener Insolvenzrechtler, der vor Ort auch verschiedene Insolvenzverwalter zu gesellschaftsrechtlichen Fragen sowie Haftungs- und Anfechtungsthemen berät. (Markus Lembeck)

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