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07.06.2018

Prozessfinanzierer Burford: „Die Kritik an uns wird schnell verebben“

Seit knapp zwei Jahren ist Craig Arnott Managing Director bei Burford Capital. Der 51-Jährige verantwortet bei dem weltgrößten Prozessfinanzierer das ­Geschäft in Europa, Australien und Teilen Asiens. JUVE sprach mit ihm über die Deutschlandpläne von Burford und die deutsche Skepsis gegenüber Prozessfinanzierung.

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Craig Arnott

JUVE: In Deutschland gibt es viele Vorbehalte gegen Ihr Geschäftsmodell, weil Rechtsstreitigkeiten zu Investitions­objekten gemacht werden. Können Sie das nachvollziehen?
Craig Arnott: Nein. Prozessfinanzierung ist letztlich Unternehmensfinanzierung in Rechtsfragen. Vereinfacht gesagt, geht es darum, dass Unternehmen Finanzierungslösungen für einen Vermögensgegenstand benötigen, der in diesem Fall eben eine Rechtsstreitigkeit ist. Als Prozessfinanzierer sind wir ein passiver, externer Investor, der sich in keiner Weise in das Verhältnis zwischen Anwalt und Mandant einmischt.

Aber Burford ist ein Wirtschaftsunternehmen, das mit einer hohen Rendite um Investorengelder wirbt – es kann Ihnen doch nicht egal sein, wenn sich der Mandant zum Beispiel auf einen ungünstigen Vergleich einlässt.
Die Kontrolle über einen möglichen Vergleich verbleibt stets bei unserem Kunden als Anspruchsteller. Wir stellen sicher, dass die vertraglich vereinbarten Investitionen ausreichen, damit unser Kunde die betreffende Rechtsstreitigkeit einer Lösung zuführen kann. Eine Grundvoraussetzung dafür ist ein realistisches Prozessbudget, das insbesondere nicht von einer vorzeitigen Beilegung der Streitigkeit ausgeht. Eine darüber hinausgehende Finanzierung ist dann wiederum Verhandlungssache.

Kassenhit oder B-Movie

Mehr über Sammelklagen und Prozessfinanzierung im Spezialheft JUVE Rechtsmarkt 6/2018.

Warum sind in Deutschland trotzdem viele skeptisch, was Ihr Geschäfts­modell angeht?
Letztlich ist es nicht verwunderlich, dass innovative Instrumente wie die Prozess­finanzierung zunächst auch kritische Fragen aufwerfen. Aber diese Kritik verebbt schnell, das zeigt die Erfahrung in Märkten, wo Prozessfinanzierung schon länger weit verbreitet ist. Untersuchungen in den USA, Großbritannien und Australien zeigen beispielsweise, dass „ethische Bedenken“ die geringste Rolle spielen, wenn Unternehmen oder Anwälte bestehende Angebote der Prozessfinanzierung letztlich nicht in Anspruch nehmen.

Wie entscheidet Burford, ob es sich lohnt, einen Fall zu finanzieren?
Burford finanziert fast immer ohne Regressmöglichkeit, das heißt: Ist ein Fall nicht erfolgreich, verlieren wir unsere Investition. Daher prüfen wir Finanzierungsfragen extrem sorgfältig. Aktuell beschäftigen wir in unseren Büros in London, New York, Chicago und Singapur knapp 50 erfahrene Anwälte, die jeden einzelnen Fall aus verschiedenen Blickwinkeln prüfen. In erster Linie bewerten wir die Erfolgsaussichten der konkreten Streitigkeit und stellen sicher, dass sie zu unserem Investitionsprofil passt. Zudem analysieren wir im Einzelfall auch allfällige Durchsetzungs- und Vollstreckungsrisiken, wer sinnvollerweise die Prozessführung übernehmen sollte, und wir planen ein realistisches Budget für die gesamte planmäßige Dauer der Verfahrensführung.

Welche Rolle spielt Deutschland für Sie?
Seit seiner Gründung im Jahr 2009 hatte Burford stets einen Schwerpunkt auf Handelssachen vor englischen staatlichen Gerichten sowie internationalen Schiedsgerichten. Seit vielen Jahren spielt auch Deutschland eine Schlüsselrolle in Burfords Strategie, aber auch die Niederlande und andere europäische Jurisdiktionen sind für uns ein wichtiges Wachstumsfeld. Besonders interessiert uns dabei die Zusammenarbeit mit Unternehmen in Deutschland. Denn viele Unternehmen verfügen vor allem, aber nicht nur, im Bereich Kartellschadensersatz über sehr aussichtsreiche Ansprüche. Sie haben aber – anders als viele ihrer Wettbewerber etwa in den USA und Großbritannien – keine Möglichkeit, Kanzleien auf Erfolgshonorarbasis zu engagieren. Auch deshalb haben wir in den vergangenen Jahren unsere Kapazitäten zur Begleitung deutscher Kunden stetig ausgebaut und mit Philipp Leibfried und Dr. Jörn Eschment seit Kurzem auch zwei erfahrene deutschsprachige Anwälte im Team.

Mit wem arbeiten Sie in Deutschland zusammen?
In Deutschland unterhält Burford vielfältige Beziehungen zu den lokalen Büros internationaler Anwaltskanzleien sowie zu führenden deutschen Kanzleien. Direkte Kontakte bestehen ferner auch zu Unternehmen sowie zu forensischen Beratungsdienstleistern wie Wettbewerbsökonomen im Rahmen von Kartellschadensersatzverfahren. Wir können uns auch durchaus vorstellen, mit Verbraucherorganisationen zusammenzuarbeiten, denn diese dürften künftig noch häufiger interessante Fälle mit einer Vielzahl von Geschädigten haben.

Das Gespräch führte Marc Chmielewski.

Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt 6/18. Die Konfliktlösung-Spezialausgabe widmet sich ausführlich dem Thema Sammelklagen und dem wachsenden Markt für Prozessfinanzierung.

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