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28.02.2020

Eigenverwaltung: Greenberg zieht ins Management von Pluradent

Pluradent, der größte deutsche Dentalhändler in Familienbesitz, hat Ende Februar Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Rund 800 Mitarbeiter sind betroffen. Neben dem Verfahren in Offenbach wurde für die GLS Logistik, eine der Tochtergesellschaften, ein weiteres Verfahren am Amtsgericht Kassel eingeleitet. 

Gordon Geiser

Gordon Geiser

Pluradent entstand 2001 aus dem Zusammenschluss mehrerer regionaler Dentalhändler. Die Gruppe erwirtschaftet mit gut 1.000 Mitarbeitern einen Umsatz von über 300 Millionen Euro in Europa. In der Eigenverwaltung will das Unternehmen eine drohende Zahlungsunfähigkeit abwenden. Als Auslöser des Antrags nennt es das Auslaufen von Kreditlinien. Ein Preisverfall im Dentalhandel und eine zögerliche Digitalisierung hätten die Krise verschärft. Zudem hatten im Januar zwei regionale Vertriebsleiter mit insgesamt 70 Mitarbeitern gekündigt. Aus dem jüngsten Geschäftsbericht ging eine gesunde Eigenkapitalquote von 27 Prozent hervor.

Auch die zur Pluradent-Gruppe gehörende GLS Logistik mit etwa 100 Mitarbeitern wird in Eigenverwaltung fortgeführt. Anfang März wurde zudem bekannt, dass die Bauer & Reif Dental beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt hat. Das Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern war durch die Insolvenz der Alleingesellschafterin Pluradent, mit der bis dato eine Cash-Pooling-Vereinbarung bestand, in einen Liquiditätsengpass geraten.

Dr. Gordon Geiser aus der Restrukturierungseinheit von Greenberg Traurig trat Ende Februar in den Vorstand von Pluradent ein. Sein Berliner Partner Christian Köhler-Ma ließ sich zum Geschäftsführer von GLS Logistik bestellen.

Julia Kappel-Gnirs

Julia Kappel-Gnirs

Greenberg Traurig kam offenbar bereits vor dem Antrag in das Restrukturierungsmandat. Anwälte auf Gläubigerseite traten bisher noch nicht in Erscheinung. Einer der größten Kreditgeber ist die Deutsche Apotheker- und Ärztebank. Auf die Beantragung einer Konzerninsolvenz verzichteten die Greenberg-Anwälte offenbar bewusst. Inwiefern weitere Teams aus den beteiligten Kanzleien hinzugezogen werden, lässt sich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht absehen. 

Das erfahrene Duo Köhler-Ma und Geiser war beispielsweise auch 2018 bei der Papierfabrik Zanders in die Sanierungsgeschäftsführung gegangen. Geiser beriet vergangenen Sommer ebenfalls den Automobilzulieferer IFA, als der sich mit seinen Gläubigern und Geschäftspartnern auf eine Sanierungsvereinbarung geeinigt hat. IFA war das bislang wohl größte und intensivste Restrukturierungsmandat für die Kanzlei in Deutschland.

Der Frankfurter Wellensiek-Partner Alfred Hagebusch berät nach Marktinformationen bei Pluradent den Aufsichtsrat. Als vorläufige Sachwalterinnen benannten die beiden Gerichte bei Pluradent Julia Kappel-Gnirs von hww Hermann Wienberg Wilhelm, die vom Partner Frank Bassermann unterstützt wird, und bei GLS Logistik Jutta Rüdlin von BRRS Rechtsanwälte in Melsungen. Vorläufiger Insolvenzverwalter bei Bauer & Reif ist Dr. Michael Jaffé aus der Münchner Insolvenzrechtskanzlei Jaffé.

Kappel-Gnirs verwaltete im Herbst 2019 unter anderem Bucher Reisen & Öger Tours in der Großinsolvenz bei Thomas Cook. In dieser Rolle verhandelte sie etwa mit der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die einen Großteil der Reisebüros der Thomas Cook-Gruppe und deren E-Commerce-Plattform ‚Golden Gate‘ übernimmt.

BRRS war Anfang 2018 entstanden, als mehrere bekannte Verwalter die Kanzlei Henningsmeier verließen und die Kanzlei gründeten. Rüdlin ist seitdem mit Joachim Büttner, Ulrich Rosenkranz und Dr. Stephan Schlegel unter eigener Adresse tätig. (Ludger Steckelbach)

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