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20.06.2013

Sanierung gescheitert: Österreichs Top-Kanzleien können Insolvenz von Alpine nicht verhindern

Österreichs zweitgrößter Baukonzern Alpine hat gestern Insolvenz angemeldet. Damit sind nach monatelangem Tauziehen alle Bemühungen gescheitert, das Unternehmen außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu retten.

Markus Fellner

Markus Fellner

Am Mittwoch stellte die wichtigste operative Tochter der Alpine Holding, die Alpine Bau GmbH, beim Handelsgericht Wien einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Sie beschäftigt knapp 6.500 Mitarbeiter, die gesamte Alpine-Gruppe rund 15.000 im In- und Ausland.

Zum Masseverwalter wurde am Mittwoch der Wiener Anwalt Stephan Riel ernannt.

Noch am Montag hatte es danach ausgesehen, als könnten sich sowohl die Banken als auch der spanische Eigentümer von Alpine, der Mischkonzern FCC, auf weitere finanzielle Schritte einigen. Bereits im März hatte FCC 250 Millionen Euro nachgeschossen und die Banken unter Führung von Unicredit Bank Austria und Erste Bank auf Forderungen von rund 150 Millionen Euro verzichtet.

Weitere Zugeständnisse waren seitens FCC nun nicht mehr möglich. Zwar hätten sich die im sogenannten Sounding Board versammelten Alpine-Gläubigerbanken dem Vernehmen nach geeinigt, nun abermals 20 Prozent ihrer Ansprüche gegen Alpine abzuschreiben, doch bei FCC spielten die heimischen spanischen Banken nicht mehr mit. Sie drehten der ihrerseits verschuldeten FCC angeblich den Hahn zu. Insgesamt ist die Rede von einem Kapitalbedarf von 400 Millionen Euro, den es aufzubringen galt.

Von dem Konkurs sind nicht nur die 50 österreichischen und internationalen Gläubigerbanken beziehungsweise Kredit- und Warenversicherer – mit offenen Krediten im Ausmaß von 450 Millionen Euro – betroffen. Auch der Republik droht ein Schaden in Höhe von 150 Millionen Euro, denn sie haftet für Kredite.

Aber vor allem jene Anleger, die Unternehmensanleihen der Alpine Holding in Höhe von 290 Millionen Euro gezeichnet haben, müssen um ihr Geld bangen. Alpine hat drei Unternehmensanleihen im Volumen von 290 Millionen Euro auf dem Markt. Die letzte in Höhe von 100 Millionen Euro wurde im Mai 2012 aufgelegt.

Im Falle einer außergerichtlichen Sanierung hätten auch die Anleihegläubiger extreme Einschnitte hinnehmen müssen. Noch am Montag teilte Alpine ad hoc mit, dass eine nachhaltige Sanierung der Gruppe ohne eine Beteiligung der Anleihegläubiger kaum vorstellbar sei. Hinter den Kulissen war die Rede von einem Abschlag von bis zu 80 Prozent.

Im Insolvenzantrag spricht Alpine von einem Wertverfall bei den Aktiva, die zuletzt bei rund 660 Millionen Euro gelegen hätten. Demgegenüber hätten Passiva von knapp 2,6 Milliarden Euro gestanden, so dass die rechnerische Überschuldung 1,9 Milliarden Euro beträgt. Damit ist die Pleite die größte in Österreichs Nachkriegsgeschichte.

Noch am Tag des Insolvenzantrags meldeten mehrere Konkurrenten von Alpine Interesse an Teilen des Unternehmens an, darunter Österreichs drittgrößter Baukonzern Porr.

Friedrich Jergitsch

Friedrich Jergitsch

Berater Alpine Bau GmbH
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Friedrich Jergitsch, Dr. Florian Klimscha (beide Bankrecht)
Graf & Pitkowitz (Graz): Dr. Alexander Isola (Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater FCC
Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche (Wien): Dr. Gerhard Hermann (Gesellschaftsrecht)

Berater Unicredit, Erste Bank, Sounding Board
Fellner Wratzfeld & Partner (Wien): Dr. Markus Fellner (Bankrecht, Restrukturierung), Johannes Schmutzer (Gesellschaftsrecht)

Berater Alpine Holding
Schulyok Unger & Partner (Wien): Dr. Georg Unger (Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

Masseverwalter Alpine
Jaksch Schoeller & Riel (Wien): Dr. Stephan Riel

Hintergrund: Die beiden in der aktuellen Krise zentralen Kanzleien Freshfields und Fellner Wratzfeld waren seit Monaten mit der Restrukturierung von Alpine befasst. Freshfields berät Alpine seit einigen Jahren in Finanzierungsangelegenheiten. Auch Markus Fellner ist für Unicredit – eine seiner Stammklientinnen – immer wieder im Einsatz. Fellner gilt als einer der bekannteste Anwälte Österreichs im Zusammenhang mit Restrukturierungsfragen für Banken.

Baker-Partner Hermann ist seit September 2012 in dem Mandat für die spanischen Alpine-Mutter FCC tätig. Unter anderem war er auch bei der für die Sanierungsbemühungen wichtigen Einigung von Gläubigerbanken und der Republik Österreich im Frühjahr beteiligt (mehr…), wobei die Finanzverhandlungen allein auf Ebene der Alpine Bau GmbH mit den Banken stattfanden.

FCC zählt insgesamt zu den langjährigen Mandanten von Baker. Verschiedene Partner des Madrider Büros sind immer wieder für den spanischen Baukonzern tätig gewesen, und selbst in Österreich beriet Baker das Unternehmen bereits mehrmals (mehr…), u.a. auch beim Einstieg bei Alpine.

Im Hintergrund waren auf Bankenseite noch weitere Kanzleien aktiv, unter anderem hatte die Bankboutique Rautner Huber das im März geschlossene Stillhalteabkommen für die VTB begutachtet.

Die jüngste Anleihe von Alpine hatte Dr. Thomas Zivny von CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati als Transaction Counsel begleitet. In die aktuellen Krisenverhandlungen war er jedoch nicht involviert.

Als Stammberater von Porr-Chef Karl-Heinz Strauss, der angekündigt hatte, Alpine übernehmen zu wollen, gilt der Rechtsanwalt und Porr-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Karl Pistotnik aus der Wiener Kanzlei Pistotnik & Krilyszyn. (Jörn Poppelbaum)

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