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25.06.2020

Pilotprojekt: Kunz Wallentin, Huppmann Poindl und Buwog setzen digitalen Immobiliendeal um

Digitale Methoden gewinnen bei Transaktionen weiter an Fahrt: In einem Pilotprojekt ging ein Motorradstellplatz von der Buwog an eine private Käuferin über. Dabei erfolgten sämtliche Transaktionsschritte papierlos bis hin zur Besicherung im Grundbuch.

Thomas Seeber

Möglich gemacht hat die digitale Umsetzung die Wiener Covid-19-Gesetzgebung und der im April in Kraft getretene §90a der Notariatsordnung. Dieser erlaubt es, für Notariatsakte und Urkunden die nötigen notariellen Amtshandlungen über elektronische Kommunikationswege abzuwickeln. Damit entfiel ein Hemmschuh, der komplett digitale Transaktionen im Immobilienbereich zuvor verhinderte.

Die Kunz Wallentin-Partner Dr. Thomas Seeber und Dr. Peter Kunz nutzten diese Öffnung, um ihre Plattform für digitale Immobilientransaktionen, Realest8 Technologies, bei einem Liegenschaftskauf einzusetzen. Bei diesem Test liefen neben dem Kaufvertrag auch ein Kreditvertrag und eine Vereinbarung über ein Pfandrecht über die Plattform. Daraus ergab sich unter anderem, dass an der Plattform noch technische Nacharbeiten zu leisten sind, die den elektronischen Datenraum und die Kamerafunktion besser verknüpfen. An Realest8 sind außer den beiden Anwälten auch der Softwareingenieur und IT-Consultant Emmanuel Ruez und die Bankexpertin Lena Brunner beteiligt. 

Einfacher und schneller

Die Buwog erwartet sich von digitalen Immobilientransaktionen, dass sie einfacher und schneller abzuwickeln sind und die Kosten abseits des Notarshonorars niedriger ausfallen. Ob und wie die Buwog die Technologie tatsächlich einsetzen wird, entscheidet sich unter anderem auf der Basis des jetzigen Pilotprojekts. Aktuell verwaltet das Unternehmen einen Bestand von 22.500 Wohnungen in Österreich, 6.300 Einheiten sind derzeit in Bau. Seit Frühjahr 2018 ist die Buwog eine Tochter des deutschen, börsennotierten Immobilienkonzerns Vonovia. 

Notariell begleitete Dr. Philipp Nierlich vom Notariat Huppmann Poindl Pfaffenberger Nierlich das Pilotprojekt. Er beurkundete im Herbst 2019 bereits die erste digitale GmbH-Gründung, die auf der Basis des Elektronischen Notariatsform-Gründungsgesetzes (ENG) von 2018 ablief. Inzwischen hat Nierlich Erfahrung aus mehreren elektronisch abgewickelten Transaktionen und hält es für richtig, dieses Vorgehen als Alternative beizubehalten.

Bedenken bei der Sicherheit

Aktuell ist die Öffnung für Immobilientransaktionen allerdings bis Ende des Jahres befristet – und unter Beratern durchaus umstritten. So hatte Prof. Dr. Michael Enzinger, Präsident der Wiener Rechtsanwaltskammer und Partner bei Lattenmayer Luks & Enzinger, bei der Future-Law-Konferenz im November 2019 Bedenken geäußert, weil die Sicherheit für Privatleute beim Erwerb einer Immobilie sehr wichtig sei. Er verwies dabei insbesondere auf die Abwicklung von Transaktionen und die Besicherung von Krediten.

Berater Käufer
Kunz Wallentin (Wien): Dr. Thomas Seeber, Dr. Peter Kunz; Associate: Martin Fink (Rechtsanwaltsanwärter; alle Immobilien-/Gesellschaftsrecht)

Berater Buwog
Inhouse Recht (Wien): Thomas Huber-Starlinger (Abteilungsleiter Recht & Compliance Officer), Dr. Romana Wanko

Hintergrund: Kunz Wallentin war im Herbst 2018 aus der früheren Wiener Kanzlei Kunz Schima Wallentin hervorgegangen. Sie berät immer wieder in Immobilien- und Unternehmenstransaktionen, so etwa im Sommer 2019 das Start-up Has-to-be beim Einstieg von Volkswagen.

Für die Buwog war Huber-Starlinger in die Testtransaktion eingebunden. Er ist seit Anfang 2018 bei der Buwog und leitet die Rechtsabteilung dort seit August des selben Jahres. Vor seinem Wechsel zu dem Immobilienunternehmen war er unter anderem als Inhousejurist bei der PayLife Bank sowie als Rechtsberater bei den Kanzleien Brandstetter Baurecht Pritz & Partner, Müller Partner und Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche tätig. (Raphael Arnold)

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