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29.01.2015

Sal. Oppenheim: Gericht verkündet möglichen Strafrahmen für Ex-Bankiers

Die frühere Führungsriege der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim hat sich nach vorläufiger Würdigung der Beweise der schweren Untreue schuldig gemacht. Der mit angeklagte Immobilienentwickler Josef Esch kann dagegen mit einem Freispruch rechnen.  Dies verkündete heute Vormittag das Landgericht Köln nach knapp zwei Jahren Verfahrensdauer und über 100 Prozesstagen in einem sogenannten Rechtsgespräch.

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Daniel Krause

Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker blieb aber mit ihren anvisierten Strafmaßen klar hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Lediglich dem früheren Sprecher der Geschäftsführung, Matthias Graf von Krockow, droht Gefängnis, sein Strafmaß könnte sich zwischen zwei und drei Jahren Haft bewegen. Für die beiden ehemals persönlich haftenden Gesellschafter Dieter Pfundt und Christopher Freiherr von Oppenheim stehen Bewährungsstrafen im Raum. Bei Pfundt geht das Gericht von einer Haftstrafe zwischen 20 bis 32 Monaten aus, für von Oppenheim könnte sich diese zwischen 22 bis 34 Monaten bewegen. Die angedachten Strafen gelten aber nur, wenn beide Angeklagten ein umfassendes Geständnis ablegen.

Die angeklagten Manager sollen über Jahre ihre eigenen Interessen mit denen der Bank vermischt haben, so das Gericht. Kontrollmechanismen hätten sie nachlässig ausgeübt, Risiken nicht abgewägt, führte Richterin Grobecker aus. So sollen im Jahr 2008 Kredite an den Arcandor-Konzern ohne Sicherheiten vergeben worden sein.

Der mit der Bank eng verbundene Troisdorfer Immobilienentwickler Josef Esch kann mit einem Freispruch rechnen. Er ist wegen Beihilfe zur Untreue angeklagt. Er sei zwar die graue Eminenz gewesen, so Grobecker, strafrechtlich sei dies aber unerheblich. Ebenfalls mit angeklagt ist der ehemalige Sal. Oppenheim-Spitzenbanker Friedrich Carl Janssen. Seine Verteidigung hatte erst kürzlich ein Interesse an dem sogenannten Rechtsgespräch abgelehnt, als Angeklagter war Janssen jedoch heute im Gerichtssaal anwesend.

Sal. Oppenheim, einst die größte europäische Privatbank, war als Großaktionär des inzwischen insolventen KarstadtQuelle-Mutterkonzerns Arcandor im Sommer 2009 mit in finanzielle Schieflage geraten. 2010 übernahm die Deutsche Bank dann Sal. Oppenheim in stark verkleinerter Form.

Vertreter Matthias Graf von Krockow
Krause & Kollegen (Berlin): Dr. Daniel Krause, Dr. Philipp Gehrmann
Strafverteidigerbüro (Köln): Christof Püschel

Vertreter Christopher Freiherr von Oppenheim
Prof. Dr. Klaus Volk (München)
Grub Brugger & Partner (München): Dr. Norbert Scharf
Dr. Maximilian Heiß (München)

Vertreter Dieter Pfundt
Dr. Dörr & Partner (Frankfurt): Dr. Felix Dörr, Dr. Johannes Corsten
Baker & McKenzie (Düsseldorf): Dr. Anika Yomere

Vertreter Friedrich Janssen
Prof. Dr. Franz Salditt (Neuwied)
Gercke & Wollschläger (Köln): Dr. Ulrich Leimenstoll

Vertreter Josef Esch (wegen Beihilfe)
Kempf & Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf, Dr. Friederike Goltsche
Redeker Sellner Dahs (Bonn): Dr. Heiko Lesch

Staatsanwaltschaft Köln
Gunnar Greier, Torsten Elschenbroich

Landgericht Köln, 16. Große Strafkammer
Sabine Grobecker (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund:  Der Prozess sorgt seit seinem Start Ende Februar 2013 für eine Fülle an Schlagzeilen. Dies begann damit, dass er bereits kurz nach Beginn ausgesetzt wurde und ein neuer Ergänzungsrichter gefunden werden musste. Eschs Verteidiger Lesch hatte zuvor die Besetzung des Gerichts gerügt, die anderen Verteidiger hatten sich dem angeschlossen. Das LG Köln entschied sich in der Folge auch dafür, die Verfahren gegen alle Angeklagten in einem Prozess zu bündeln.

Im Sommer 2013 startete der Prozess neu. Im vergangenen Oktober hatte die Staatsanwaltschaft in einer Zwischenbilanz ihre Vorstellung der Strafmaße mitgeteilt, die deutlich höher lagen als die, die nun von Richterin Grobecker angepeilt werden. Von Oppenheim-Verteidiger Klaus Volk hatte auf das Plädoyer überrascht reagiert. Seinem Mandanten sei eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt worden, so Volk.

Auch Anwälte diverser Fondsinvestoren verfolgten den Prozess gespannt, denn um den Sal. Oppenheim-Untreuekomplex herum laufen auch etliche zivilrechtliche Verfahren. (René Bender)

 

 

 

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