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20.12.2016

Adlon-Streit: Aderhold-Mandantin Signal Iduna lehnt Vergleich ab

Der Immobilienunternehmer Anno Jagdfeld verlangt von dem Versicherer Signal Iduna Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe. Sein Vorwurf: Der Versicherer habe Rufmord betrieben und damit die Geschäfte des Immobilienmannes nachhaltig geschädigt. Vor dem Landgericht Dortmund begann in der vergangenen Woche der Prozess.

Mario Wegner

Mario Wegner

Jagdfeld spricht von einer „beispiellosen Rufmordkampagne“ gegen ihn und seine Familie. Daraufhin sei der Wert der Beteiligungen an Projekten der Jagdfeld-Gruppe massiv gesunken.

1994 hatte Jagdfeld einen Fonds zur Finanzierung des historischen Berliner Luxushotels Adlon über 223 Millionen Euro aufgelegt. Signal Iduna ist an diesem Fonds mit fünf Millionen Euro beteiligt. Als es in der Finanzkrise keine Ausschüttungen mehr gab, schloss sich der Dortmunder Versicherer mit anderen 2009 zur „Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger“ zusammen, die von dem Berliner Rechtsanwalt Thomas Frisch vertreten wurde. Dieser kritisierte Jagdfeld scharf und zeigte ihn später im Auftrag der Signal Iduna sogar wegen Untreue an.

Aufgrund von Frischs öffentlichen Äußerungen sei es Jagdfeld dann nicht mehr gelungen, neue Investoren zu finden, so die Argumentation des Klägers. Auch wenn sich der Adlon-Fonds mittlerweile erholt hat, seien ihm dadurch Geschäfte entgangen. Dafür fordert Jagdfeld Schadensersatz in Höhe von 536 Millionen Euro.

Signal Iduna bestreitet die Vorwürfe. Auch der Vorsitzende Richter äußerte in der Verhandlung Zweifel an einer Rufmordkampagne und schlug den Parteien einen Vergleich vor: Signal Iduna solle dem Immobilienentwickler 20 Millionen Euro zahlen und sich von seinen Anteilen an dem Hotelfonds trennen. Der Versicherungskonzern lehnte den Vergleich jedoch vehement ab.

Nun droht ein jahrelanger Rechtsstreit, denn die Jagdfeld-Seite kündigte für den Fall einer Niederlage in erster Instanz Berufung an. Mitte 2017 soll der Prozess weitergehen.

Vertreter Jagdfeld
Wegnerpartner (Berlin): Mario Wegner (Litigation), Adrian Müller-Helle, Dr. Fabian Rief-Drewes (beide Gesellschaftsrecht); Associates: Franziska Hahn, Martin Giest (beide Litigation)

Vertreter Signal Iduna
Aderhold (Dortmund): Prof. Dr. Lutz Aderhold, Dr. Gunther Lehleiter, Dr. Christian Hoppe
Inhouse Recht (Dortmund): Hanno Weiberg (Leiter Konzernrecht)
 
Landgericht Dortmund, 2. Zivilkammer
Willi Pawel (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Aderhold ist häufig für Signal Iduna tätig und betreute das Verfahren von Beginn an.

Jagdfeld wandte sich bereits vor knapp eineinhalb Jahren mit den Immobilienexperten von Wegnerpartner gegen den Versicherer. Wegnerpatner berät die Unternehmen der Jagdfeld-Gruppe laufend. Im Strafprozess, in dem 2014 die Untreuevorwürfe gegen Jagfeld abgewiesen wurden, vertrat ihn die Kanzlei Unger. (Ulrike Barth)

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