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05.02.2021

VfB-Affäre: Selbst über Kanzleimandatierung gibt es Streit

Eine Datenaffäre und der Kampf um das Sagen in den Führungsetagen belasten seit Monaten den VfB Stuttgart. Inzwischen muss sich der Fußball-Bundesligist nicht nur mit einem Bußgeldverfahren des Landesbeauftragten für den Datenschutz, Stefan Brink, auseinandersetzen. Wie gestern bekannt wurde, hat Präsident Claus Vogt außerdem die Staatsanwaltschaft informiert – über möglichen „Geheimnisverrat“. Auch die Rolle von Gleiss Lutz wird im Zuge der Affäre hinterfragt.

Die seit Monaten andauernden Auseinandersetzungen in der Führungsetage des VfB Stuttgart können inzwischen mit allen Facetten der Compliance-Beratung aufwarten – bis hin zur strafrechtlichen Dimension. Nach Enthüllungen des Sportmagazins Kicker im vergangenen September untersuchte die Kanzlei Esecon mögliche Datenschutzverstöße von erheblichem Ausmaß. Zwischen 2016 und 2018 sollen vom VfB wiederholt Zehntausende Mitgliederdaten an Dritte weitergereicht worden sein – unter anderem, um die im Sommer 2017 beschlossene Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben. Die Datenaffäre belastet den schwäbischen Traditionsverein seit Monaten.

Inzwischen hat der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Baden-Württemberg, Brink, mitgeteilt, dass er gegen die AG des VfB ein Bußgeldverfahren eröffnet hat. „Die Datenschutz-Grundverordnung sieht in solchen Bußgeldverfahren ein erhebliches Bußgeld vor, das bis zu 20 Millionen Euro betragen kann“, sagt Brink. Nach JUVE-Informationen haben AG und e.V. zur datenschutzrechtlichen Beratung Haver Mailänder beauftragt. Die Kanzlei, die langjährige Verbindungen zum Verein hat, wollte gegenüber JUVE diese Information aber nicht bestätigen.

Geheimnisverrat beim VfB?

Björn Gercke

Björn Gercke

Gestern abend teilte Club-Präsident Claus Vogt außerdem mit, dass er die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe. Es stehe der Verdacht eines Geheimnisverrats im Raum. Worum es dabei genau geht, ließ Vogt offen. Medienanfragen hätten ihn zu dem Schritt veranlasst, schrieb er, ohne Details zu nennen. Für diesen Schritt hat der Verein Prof. Dr. Björn Gercke von Gercke Wollschläger beauftragt. Es wird spektuliert, dass es um Details aus dem Esecon-Bericht geht, die an die Presse gelangt sind. In presse- und äußerungsrechtlichen Fragen stützt sich der e.V. auf Gernot Lehr von Redeker Sellner Dahs.

„Unabhängig von der leider nun notwendig gewordenen Einschaltung der Staatsanwaltschaft, sollte im Mittelpunkt nach wie vor die Aufklärung der Datenaffäre stehen“, erklärte Vogt.

Der Umgang mit der Datenaffäre gilt als ein zentrales Thema des Machtkampfes, der seit Wochen in der Vereinsführung tobt. Medienberichten zufolge steht auf der einen Seite Vogt, aktuell Präsident des Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Er genießt großen Rückhalt bei der Fanbasis. Seine Kontrahenten kommen aus dem Lager um den aktuellen Vorstandsvorsitzenden der AG, Thomas Hitzlsperger, der Vogt wiederholt scharf kritisiert hatte.

Gleiss gilt als ‚Daimler-Kanzlei‘

Gernot Lehr

Gernot Lehr

Im Zuge dessen ist sogar die Mandatierung von Kanzleien zum Zankapfel geworden. Verein und AG hatten Esecon auf Empfehlung des DFB mit einer internen Ermittlung zur Aufklärung der Datenaffäre beauftragt. Dieser Bericht soll den Gremien seit gestern vorliegen. Allerdings war noch unklar, welche Kanzlei die rechtliche Bewertung der Ermittlungsergebnisse übernehmen sollte.

Medienberichten zufolge sollen Teile des Aufsichtsrates für diesen Auftrag Gleiss Lutz ins Spiel gebracht haben. Die Kanzlei genießt einen exzellenten Ruf für ihre Compliance-Beratung. Wirecard, Volkswagen und Bilfinger sind nur drei der prominenten Namen, die die Mandatslisten der Praxisgruppe zieren. Auch VfB-Aktionärin Daimler ist eine wichtige Mandantin der Kanzlei, beispielsweise im Kartellrecht, im Arbeitsrecht und in Litigationfragen.

Präsident Vogt habe eine Mandatierung von Daimler-Beraterin Gleiss allerdings für unglücklich gehalten, heißt es. Um Interessensverquickungen zu vermeiden, wollte er lieber eine neutrale Kanzlei beauftragen. Doch das Daimler-Lager habe auf die Gleiss-Mandatierung bestanden. Derzeit ist nicht klar, ob und wenn ja, seit wann Gleiss Lutz schon an dem Fall arbeitet. Die Kanzlei wollte dazu nichts sagen. (Christiane Schiffer; mit Material von dpa)

Aktualisierung vom 08.02.2021: Nach JUVE-Informationen hat der Verein (e.V.) inzwischen die Kanzlei Seitz beauftragt, das Esecon-Gutachten rechtlich zu bewerten. Dies soll im Präsidium beschlossen und vom Aufsichtsrat abgesegnet worden sein. Die Kanzlei ist bekannt für ihre Beziehungen in die Sportbranche und ist mit einem 5-köpfigen Team um Namenspartner Dr. Stefan Seitz angetreten: Dr Maximilian Schmidt (Arbeitsrecht/ Sportrecht), Dr Johannes Traut (Arbeitsrecht/Datenschutzrecht), Dr. Florian Lauscher (Corporate), Miriam Binger (Datenschutz)

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