Die Verbindlichkeiten von Kresta belaufen sich auf knapp 102 Millionen Euro, die erste Gläubigerversammlung ist für den 5.September angesetzt. Allein aus dem monatelangen Konflikt mit dem Auftraggeber von zwei Projekten in Uruguay und Chile seien etwa 38 Millionen Euro offen, so das Unternehmen. Auf Grund der ungeklärten Forderungen steht für den Geschäftsführer und Gesellschafter Franz Kreuzer ein internationales Schiedsverfahren ins Haus.
Aus den Kresta-Geschäftsberichten der vergangenen Jahre geht hervor, dass es sich bei den südamerikanischen Engagements wohl um Andritz-Aufträge handelt: die Filteranlage eines Braunkohlekraftwerk in Chile und Bauteile für die Zellstofffabrik Montes del Plata in Uruguay. Die Fabrik war für Andritz zunächst mit 750 Millionen Euro der größte Auftrag der Firmengeschichte, schmälerte den Gewinn des Konzerns 2014 jedoch erheblich. Betreiber der Anlage Montes del Plata ist ein Konsortium aus dem börsenotierten finnisch-schwedischen Konzern Stora Enso und dem ebenfalls börsenotierten Konkurrenten Arauco mit Sitz in Chile.
Finanzielle Probleme bei der Schweizer Tochterfirma Buss ChemTech verschärften die Krise, da sie die Liquidität von Kresta weiter schwächten. Das Tochterunternehmen beschäftigte in Pratteln im vergangenen Jahr 57 Mitarbeiter.
Betroffen von der Insolvenz von Kresta mit Sitz in St. Andrä im Lavanttal sind 237 Mitarbeiter. Die Schutzverband KSV1871 geht von 670 Gläubigern des Unternehmens aus. Ziel des Verfahrens ist es aus Firmensicht, das Geschäft mit Anlagen für die Papier-, die Chemieindustrie oder die Energieversorgung fortzusetzen. Entsprechende Gespräche mit Investoren liefen bereits.
Insgesamt beschäftigt die Kresta-Gruppe weltweit 1.000 Mitarbeiter an 39 Standorten. Für das Geschäftsjahr 2014 wies sie einen Umsatz von 180 Millionen Euro aus, der sich auf insgesamt sieben Tochtergesellschaften verteilte und zu 80% auf Auslandsaktivitäten beruhte. Zu den Gesellschaftern gehört neben dem Geschäftsführer Franz Kreuzer aktuell hälftig die GAW Group Pildner-Steinburg Holding, die der Grazer Unternehmerfamilie Pildner-Steinburg gehört.
Insolvenzverwalter Gerhard Brandl ist streitige Causen gewöhnt. Zuletzt trat er als Masseverwalter des Finanzkonglomerates AvW in Erscheinung, das in einen Betrugsskandal verwickelt war. Bis hin zum Obersten Gerichtshof verteidigte der Insolvenzrechtler die Konkursmasse, auch um die rund 12.500 AvW-Anleger nicht ganz mit leeren Händen stehen zu lassen. Jenes Konkursverfahren des Landesgerichts Klagenfurt hatte er mit seinem Kanzleipartner, dem Wirtschaftsprüfer Ernst Malleg zusammen übernommen, mit dem er 2002 die Insolvenzverwaltungsgesellschaft gründete.