Die Kronen Zeitung ist nicht nur die reichweitenstärkste Zeitung Österreichs, der dahinterstehende Krone-Kurier-Verlag Mediaprint gehört zu den größten Medienunternehmen des Landes. 1987 hatte die deutsche WAZ-Mediengruppe aus Essen 50 Prozent der Anteile von Mitgründer Kurt Falk übernommen. Seit 2013 firmiert die WAZ unter dem Namen der im Unternehmen verbliebenen Gründerfamilie Funke.
Durch den Einstieg von Signa in die WAZ Auslandsholding unterhielt René Benko ab 2018 zwischenzeitlich 24,5 Prozent der Anteile. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahrzehnten Streitigkeiten um Kontrolle und Gewinnverteilung. Mehr als ein Dutzend Schiedsverfahren fochten die beiden Eigentümer Funke Mediengruppe und die Familie Dichand bis 2023 untereinander aus.
Vorläufiges Ende jahrzehntelanger Auseinandersetzungen
Auch innerhalb der jeweiligen Eigentümerfamilien flogen die Fetzen. Insbesondere nach dem Tod von Helga Dichand 2024 führte die Aufteilung der Anteile an der Kronen Zeitung zu Spannungen zwischen den Geschwistern Christoph, Michael und Johanna Dichand. Medienberichten zufolge werden nur Herausgeber Christoph Dichand und sein älterer Bruder Michael die Anteile der Funke-Gruppe übernehmen. Die Brüder gründeten zu Jahresbeginn eigens eine Gesellschaft namens MJD Enterprises für die Verwaltung der Krone-Anteile.
Nachdem man nun eine Einigung für die Übernahme erzielt hat, wird der von der Funke Mediengruppe bei der „Krone“ entsandte Geschäftsführer Michael Tillian auch weiterhin gemeinsam mit dem von der Familie Dichand eingesetzten Geschäftsführer Gerhard Valeskini die Geschicke des Medienhauses lenken. Klaus Herrmann, langjähriger geschäftsführender Chefredakteur der „Krone“, bildet gemeinsam mit Christoph Dichand die Chefredaktion.
Die Transaktion steht noch unter Vorbehalt behördlicher Freigaben. Neben der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden bedarf es aufseiten von Funke aufgrund der Beteiligung einer insolventen Signa Gesellschaft noch der konkursgerichtlichen Genehmigung.
Die Berater im Überblick
Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.
Berater Familie Dichand
Gheneff Rami Sommer Sauerschnig (Wien): Huberta Gheneff
b-legal (Wien): Dr. Georg Blumauer; Associate: Dr. Isabella Lechner (beide Corporate/M&A)
Schima Mayer Starlinger (Wien): Christian Mayer, Moritz Am Ende (beide Kartellrecht)
Noerr (Berlin): Anne-Kristin Schiller (Corporate; Aktien- und Kapitalmarktrecht), Felix Blobel (Private Equity/Venture Capital), Peter Stauber (Kartellrecht), Ralph Schilha, Dominique Wunderlich (beide Corporate/Aktien- und Kapitalmarktrecht)
Berater Christoph Dichand
Waechter (Wien): Dr. Otto Wächter (Bank- und Finanzrecht)
Berater Funke Mediengruppe
Inhouse Recht (Essen): Dr. Eva Heneweer (Head of Legal und M&A)
Heuking (Düsseldorf): Dr. Andreas Urban, Dr. Michael Sörgel (beide Corporate/M&A)
Schönherr (Wien): Markus Piuk (Corporate/M&A), Franz Urlesberger (Kartellrecht), Stephan Rödler (Corporate/M&A)
Berater Krone Gesellschaften/Mediaprint
Frotz Riedl (Wien): Dr. Clemens Spitznagel (Corporate/M&A)
Inhouse Recht (Wien): Dr. Anja Schmidt (Leiterin Rechtsabteilung)
Hintergrund: Gheneff berät die Verlegerfamilie Dichand schon seit Jahren und führte zahlreiche Schiedsverfahren für diese. Als Vertrauensanwältin und Kennerin der maßgeblichen Verträge lag die Gesamtkoordination der Transaktion bei ihr. Für die rechtliche Umsetzung war Blumauer verantwortlich. Für einige Spezialfragestellungen der höchst komplexen deutsch-österreichischen Transaktion, wie bspw. Kapitalerhaltungsvorschriften, zog dieser die Berliner Noerr-Partner Schiller und Blobel hinzu.
Christoph Dichand setzt auf Stammberater Waechter
An der Seite von Christoph Dichand war auch dessen Vertrauensanwalt Wächter beteiligt. Der langjährige Graf Isola-Partner hatte sich Anfang 2023 selbstständig gemacht.
Funke setze, wie schon in zahlreichen Verfahren sowie Zu- und Verkäufen, auf die Teams von Heuking und Schönherr. Beide Kanzleien kennen Funke und die hinter der Mediengruppe stehende Familie Grotkamp gut. So berieten Urban und Urlesberger Grotkamp bereits 2021 bei der Übernahme der Anteile der Familienstämme Schubries und Holthoff-Pförtner. Auch in den Schiedsverfahren gegen die Dichands hatte Funke auf Schönherr bzw. ihren erfahrenen Litigator Christoph Lindinger gesetzt.
Neben der Käuferfamilie und der Funke Mediengruppe waren auch die Krone Gesellschaften und deren Berater Spitznagel an den Verhandlungen um Gewinnverwendung, Liquidität und Bilanzierung beteiligt.
Notariell beurkundet wurde der Deal von Dr. Carsten Angersbach von Greenfort.