Therme in neuen Händen

Steirische Bieter sichern sich mit Dorda Thermenresort Loipersdorf

Ein Konsortium aus Merkur Versicherung, Granit Holding und der SHR Thermen & Hotel Beteiligung hat das südoststeirische Thermenresort Loipersdorf erworben. Der Kaufpreis belief sich auf rund 10,2 Millionen Euro.

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Die Käufer erhielten sämtliche Anteile an der Therme einschließlich aller Tochtergesellschaften. Damit erwarben sie neben der Thermalquelle auch das Hotel Sonnreich sowie ein Kongresszentrum. Vorausgegangen war ein Bieterverfahren, in dem sich die steirischen Unternehmen durchsetzten – auch mit gerichtlichen Mitteln.

Hohe Wellen geschlagen

Die Transaktion hatte mehrere Hürden zu nehmen. Zum einen erwies sich die bestehende Eigentümerstruktur als äußerst komplex: Sie setzte sich aus fünf Gemeinden, dem Land Steiermark, den Stadtwerken Fürstenfeld sowie mehreren Banken und Hotels zusammen. Der Verkaufs- und Transaktionsprozess musste dadurch in mehreren Schritten erfolgen.

Zum anderen versuchte die Stuttgarter Interspa-Gruppe auf gerichtlichem Weg zu verhindern, dass das Thermenresort an die neuen Eigentümer geht. Zuvor war sie im Bieterverfahren nicht zum Zug gekommen. Die Interessentin legte deshalb Beschwerde bei den Wettbewerbshütern der Europäischen Kommission ein. Sie begründete den Schritt damit, dass die Therme unter dem Marktpreis verkauft worden sei und kein diskriminierungsfreies Bieterverfahren stattgefunden habe.

Felix Hörlsberger

Weiters brachte Interspa eine Unterlassungsklage verbunden mit einem Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung gegen die Thermalquelle Loipersdorf und das Land Steiermark ein. Das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz wies die einstweilige Verfügung jedoch mit Beschluss ab. Zuvor hatte bereits der Landtag in Graz seine Zustimmung zu der Abtretung der Landesanteile an der Thermalquelle Loipersdorf erteilt. Die Transaktion fand in der Folge statt, auch wenn letzte gerichtliche Schritte noch ausstehen.

Sanierung steht an

In einem schriftlichen Bericht wies der Ausschuss für Wirtschaft und Wissenschaft des steirischen Landtags auf einen „erheblichen Instandhaltungs- und Investitionsstau“ hin, mit dem sich die Therme konfrontiert sieht. Das erfolgreiche Käuferkonsortium hat daher ein umfassendes Investitions- und Wartungsprogramm in Höhe von etwa 15 Millionen Euro zugesichert. So soll die Marktposition als führende öffentliche Therme wiederhergestellt werden.

Das Thermenresort in Bad Loipersdorf öffnete 1981 als modernes Thermenbad mit Innen- und Außenbecken. Mit einem Marktanteil von 30 Prozent in der Steiermark ist Loipersdorf heute die größte steirische Therme. Das Resort erstreckt sich über eine Gesamtfläche von rund 55.000 Quadratmetern und umfasst 35 Becken. Etwa 560.000 Gäste besuchen die Therme jährlich. Die Anlage beschäftigt rund 300 Mitarbeitende und ist damit laut eigenen Angaben größter Arbeitgeber der Region.

Transaktion Thermenresort Loipersdorf

Berater Käuferkonsortium
Dorda (Wien): Dr. Felix Hörlsberger (Federführung; Versicherungsrecht), Dr. Christian Ritschka, Dr. Bernhard Rieder, Dr. Christoph Brogyányi (alle Corporate/M&A), Dr. Heinrich Kühnert (Kartellrecht), Magdalena Brandstetter (Immobilienrecht), Dr. Tibor Varga (Bank- und Finanzrecht), Dr. Veit Öhlberger (Vertriebs-/Vertragsrecht), Thomas Angermair (Arbeitsrecht), Dr. Bernhard Müller (Öffentliches Recht), Dr. Andreas Seling (IP-/IT-Recht), Michael Gruber (Corporate/M&A); Associates: Dr. Georg Durstberger, Ulrich Weinstich (beide Corporate/M&A), Florina Thenmayer (Arbeitsrecht), Katrin Antl (Bank- und Finanzrecht), Magdalena Nitsche (Zivilprozessrecht), Dr. Stanislav Nekrasov (Steuerrecht), Julia Haumer-Mörzinger, Alexander Capka (beide Immobilienrecht), Emina Dedic (Corporate/M&A), Mirko Marjanovic (Kartellrecht), Sabine Hedl (IP-/IT-Recht), Safiye Ünüvar (Bank- und Finanzrecht; letztere fünf Rechtsanwaltsanwärter)
KPMG (Wien): Eugen Strimitzer, Rainer Götz (beide M&A Steuern)

Mario Leistentritt

Berater Thermenresort Loipersdorf
Jaufer (Graz): Dr. Mario Leistentritt (Federführung; Corporate/M&A und Öffentliches Recht); Associates: Alexander Painsi (Corporate/M&A und Gemeinderecht), Markus Bachler (Corporate/M&A und Wettbewerbsrecht; beide Rechtsanwaltsanwärter)

Gerichtsverfahren um Bieterprozess

Vertreter Thermenresort Loipersdorf
Jaufer (Graz): Dr. Mario Leistentritt (Federführung; Zivilprozessrecht); Associate: Markus Bachler (Wettbewerbsrecht; Rechtsanwaltsanwärter)
Dorda (Wien): Dr. Felix Hörlsberger (Federführung; Zivilprozessrecht), Dr. Bernhard Müller (Öffentliches Recht/Beihilferecht), Dr. Heinrich Kühnert (Kartellrecht); Associates: Magdalena Nitsche, Alexander Karl (beide Konfliktlösung)

Vertreter Land Steiermark
Thyri (Wien): Dr. Peter Thyri (Beihilferecht)

Holger Bielesz

Vertreter Interspa
Cerha Hempel (Wien): Dr. Holger Bielesz (Federführung; Konfliktlösung und Beihilferecht), Dr. Hans Kristoferitsch (Beihilferecht); Associate: Dr. Alexandra Stoffl (Konfliktlösung)
Bühner & Partner (Nürnberg): Arnd Bühner (Federführung); Associate: Antonia Loer (beide Beihilferecht)

Hintergrund: Die Käuferseite vertraute auf ein Team um Dorda-Partner Hörlsberger. Die Kanzlei berät die Merkur Versicherung seit Jahren in versicherungs- und versicherungsaufsichtsrechtlichen Angelegenheiten. Bereits bei der Übernahme der Nürnberger Versicherung Österreich (NVÖ) im Dezember vergangenen Jahres setzte Merkur auf Dorda. Der Kontakt zu den übrigen Parteien des Konsortiums kam über den Versicherer zustande.

Die steuerrechtliche Beratung der Käufer lag bei einem KPMG-Team um Strimitzer und Götz. Die Deal Advisory übernahmen Hermann Kammerlander und Alexander Aschl aus dem Bereich Transaction Services.

Die rechtliche Beratung des Themenresorts erfolgte seit dem Bieterverfahren durch Jaufer. Die Kanzlei hatte sich 2020 als Ausgründung von Scherbaum Seebacher gebildet und ist auf Insolvenzen und Restrukturierungen spezialisiert. Hier war Partner Leistentritt federführend, der ebenso wie der Namenspartner Dr. Clemens Jaufer einen starken Ruf im Markt hat.

Deloitte stellte mit Dr. Thomas Göritzer den M&A-Berater und hatte den Bieterprozess sowohl aufgesetzt als auch abgewickelt.

Daneben waren laut Marktangaben auch die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Rabel & Partner sowie die Tricom Steuerberatung für das Thermenresort tätig.

Ein Team von Cerha Hempel um Dr. Holger Bielesz übernahm die Verfahrensvertretung für die Interspa-Gruppe und zog für die Beihilfebeschwerde bei der EU-Kommission die auf Vergaberecht spezialisierte Nürnberger Kanzlei Bühner & Partner hinzu. 

Aktualisiert am 24. Oktober 2022.

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