Juve Plus EU-Kartellverfahren

Baker McKenzie wehrt für Ruag Millionenbußgeld ab

Der Rüstungshersteller Diehl muss wegen Verstößen gegen das EU-Wettbewerbsrecht eine Millionenstrafe zahlen. Das Schweizer Rüstungsunternehmen Ruag kommt als Kronzeuge hingegen ohne Strafe davon.

Teilen Sie unseren Beitrag

Bei dem Fall handelt es sich um das erste Kartell, das die EU-Kommission im Verteidigungsbereich verfolgt hat. Die Geldbuße von 1,2 Millionen Euro verhängte die EU-Kommission nach einem Vergleichsverfahren. Dabei berücksichtigten die Kartellwächter die Kooperationsbereitschaft des Nürnberger Konzerns und reduzierten dessen Bußgeld um 50 Prozent.

Langjährige Absprachen

Der Schweizer Raumfahrt- und Rüstungskonzern Ruag legte die Absprachen vor etwa anderthalb Jahren offen und löste damit Untersuchungen der europäischen Wettbewerbsbehörde im Verteidigungssektor aus, bei denen es auch zu Durchsuchungen kam.

Nicolas Kredel

Zwischen 2007 und 2021 sollen Diehl und Ruag demnach den Markt für militärische Handgranaten in europäischen Ländern unter sich aufgeteilt haben. Ihre Handgranaten durften die Unternehmen demnach nur in den Gebieten verkaufen, die ihnen zugewiesen waren, es sei denn, es gab eine ausdrückliche Zustimmung der anderen Partei.

Zuletzt mehr Umsatz für Diehl Defence

Der familiengeführte Nürnberger Konzern Diehl beschäftigt weltweit über 16.000 Mitarbeitende. Die Rüstungssparte der Gruppe, Diehl Defence, stand 2020 für rund 20 Prozent des Umsatzes der Gruppe. Die Sparte, die zuletzt deutlich mehr umsetzen konnte, stellt auch das Luftabwehrsystem Iris-T her, das Deutschland an die Ukraine als Unterstützung im Krieg gegen Russland liefert. Diehl Defence gehört zu den größten deutschen Rüstungsherstellern.

Vertreter Ruag International
Inhouse Recht (Zürich): Remigius Fent (General Counsel), Alexander Harte (Vice President Compliance)
Baker McKenzie
(Düsseldorf): Dr. Nicolas Kredel (Federführung), Dr. Anika Schürmann (beide Kartellrecht), Dr. Katharina Weiner (Öffentliches Wirtschaftsrecht); Associates: Pia König, Markus Mossmann (beide Kartellrecht)

Marco Hartmann-Rüppel

Vertreter Diehl
Taylor Wessing (Hamburg): Dr. Marco Hartmann-Rüppel (Federführung), Stephan Nagel (Düsseldorf), Dr. Stefan Horn; Associates: Lara Skotki, Niklas Melzer, Lena Rindsfus (alle Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

EU-Kommission, Generaldirektion Wettbewerb
Claudia de Cesaris (Leiterin Kartellreferat G2)

Hintergrund: Beide Kanzleien sind unter anderem mit ihren starken Standbeinen im Vergaberecht regelmäßig für Rüstungshersteller aktiv.

Taylor Wessing wurde in der Vergangenheit bereits an der Seite der Diehl Gruppe gesehen. Etwa als der Münchner Finanzinvestor Deutsche Invest Mittelstand das Geschäftsfeld Walzfabrikate erwarb.

Auch Baker McKenzie berät ihre Mandantin Ruag schon seit mehreren Jahren. Zuletzt war ein Team aus Zürich für den Luft- und Raumfahrtkonzern tätig, als dieser im vergangenen Jahr seine Anteile an der Kleinkaliber-Munitionssparte Ruag Ammotec an den italienischen Waffen- und Fernglashersteller Beretta übertrug. Das deutsche Kartellrechtsteam um Partner Kredel berät Ruag erstmals. (mit Material von dpa) 

Artikel teilen

Gerne dürfen Sie unseren Artikel auf Ihrer Website und/oder auf Social Media zitieren und mit unserem Originaltext verlinken. Der Teaser auf Ihrer Seite darf die Überschrift und einen Absatz des Haupttextes enthalten. Weitere Rahmenbedingungen der Nutzung unserer Inhalte auf Ihrer Website entnehmen Sie bitte unseren Bedingungen für Nachdrucke und Lizenzierung.

Für die Übernahme von Artikeln in Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Nutzungsrechte über die PMG Presse-Monitor GmbH, Berlin.
www.pressemonitor.de

Lesen sie mehr zum Thema