Beraterhonorare

Hengeler zur Millionenrückzahlung verurteilt

Hengeler Mueller muss 4,5 Millionen Euro an Henning Schorisch, Insolvenzverwalter des Solarzellenherstellers Q-Cells, zurückzahlen. Dies hat das Landgericht Frankfurt (LG) in der vergangenen Woche entschieden. Die Kanzlei hat Berufung eingelegt.

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Schorisch, Partner von hww Hermann Wienberg Wilhelm und gerichtlich bestellter Verwalter von Q-Cells, hatte im August 2013 Klage gegen die Kanzlei eingereicht. Er warf Hengeler und anderen Beratern – darunter KMPG und den Beratern von McKinsey – vor, noch weit bis in das Jahr 2012 mit hohem Aufwand an einer Sanierung des Unternehmens gefeilt und Honorare kassiert zu haben. Zu diesem Zeitpunkt sei aber längst klar gewesen, dass die Rettung aussichtslos war. Dieser Einschätzung scheint das Landgericht Frankfurt jetzt gefolgt zu sein.

Vor wenigen Wochen hatte das LG bereits die US-Investmentbank Houlihan Lokey, die ebenfalls zum Kreis der Sanierungsberater gehörte, zu einer Zahlung von rund 1,6 Millionen Euro verurteilt. Zudem stehen weitere Ansprüche gegen die Ex-Führungsriege des Solarherstellers im Raum, hier laufen im Hintergrund Gespräche mit D&O-Versicherern.

Das LG Frankfurt spielte auch bei der Bewertung, ob Q-Cells noch außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu sanieren war, eine wichtige Rolle. Das Gericht hatte nämlich Ende 2011 befunden, dass die Neufassung des Schuldverschreibungsgesetzes nicht auf eine ältere Q-Cells-Anleihe anwendbar sei. Bei vielen Juristen, nicht nur bei Hengeler, erntete das Gericht für diese Auffassung Kopfschütteln. Das LG Frankfurt und wenig später auch das OLG im Fall des Holzverarbeiters Pfleiderer konterkarierten damit die im Gesetz ausdrücklich vorgesehene Möglichkeit, Anleihen mit Mehrheitsbeschluss zu restrukturieren.

Vertreter Schorisch
Taylor Wessing (Düsseldorf): Dr. Michael Malitz, Ingo Gerdes; Associates: Dr. Daniel Kunz, Alexander Welter

Vertreter Hengeler Mueller
SZA Schilling Zutt & Anschütz (Mannheim): Prof. Dr. Jochem Reichert – aus dem Markt bekannt

Landgericht Frankfurt, 32. Zivilkammer
Claudia Dieler (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Schorischs ungewöhnliche Klage gegen Hengeler sorgte in der Branche für viel Wirbel. Häufig lösen Verwalter und vorherige Sanierungsberater Unstimmigkeiten über das Honorar in Vergleichsverhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Über die Gründe für die Mandatierung von Taylor Wessing-Partner Malitz war seinerzeit nichts bekannt geworden. Jedoch hat der Düsseldorfer Partner einige Erfahrung bei der prozessualen Begleitung von Insolvenzverwaltern, etwa an der Seite des Insolvenzverwalters von Babcock Borsig.

Während der Sanierungsberatung von Q-Cells lag bei Hengeler seinerzeit die Führung in den Händen des Frankfurter Partners Dr. Daniel Weiß. Bei Bekanntwerden der Klage zeigte sich Hengeler noch entspannt. In der Folge mandatierte die Kanzlei mit Prof. Dr. Jochem Reichert einen besonders anerkannten Gesellschaftsrechtler. Seine Kanzlei SZA Schilling Zutt & Anschütz hat sich in den letzten Jahren einen hervorragenden Ruf in Großverfahren erworben. Unter anderem begleitete Reicherts Partnerkollege Dr. Thomas Liebscher den Qimonda-Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé bei seinen milliardenschweren Klagen gegen Infineon. Diese Reputation dürfte ausschlaggebend für die Mandatierung von SZA gewesen sein.

Dass Großkanzleien bei Honorarstreitigkeiten oder in Fällen der Beraterhaftung auf strukturell ähnliche Kanzleien zurückgreifen, ist kein neues Phänomen. So vertraute Gleiss Lutz bei Abwehr der sogenannten Mappus-Klage auf die Litigation-Praxis von Clifford Chance. In dem Mandat hat der Frankfurter Prozessexperte Uwe Hornung die Federführung.

 

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