Dübelimperium Fischer

Tochter bekämpft Vater in Erbstreit mit neuem Anwalt

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  • JUVE

Der Erbstreit zwischen dem millionenschweren Unternehmer und Erfinder Artur Fischer und seiner Tochter geht in die nächste Runde. Das Familienvermögen der Fischers wird auf 350 Millionen Euro geschätzt.

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Lenné_Guido
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Im Ringen um ein Familienvermögen, das auf 350 Millionen Euro geschätzt wird, will Margot Fischer-Weber eine vom Landgericht Rottweil vorgeschlagene einmalige Abfindung von 1,25 Millionen Euro sowie eine monatliche Rente von 7.500 Euro nicht annehmen. Stattdessen will sie zusammen mit ihrem neuen Anwalt Vergleichsgespräche mit dem Anwalt ihres Vaters führen. Die heute 67-jährige Fischer-Weber hat ihren 95-jährigen Vater verklagt und will den Vertrag auf Erbverzicht, den sie vor mehr als 30 Jahren unterschrieben hatte, annullieren lassen.

Demnach sollte die Tochter nach dem Tod des Vaters umgerechnet 3.000 Euro monatlich erhalten. Später wendete Fischer-Weber im Kern ein, dass sie die Ausführungen des Vertrags weder akustisch noch inhaltlich verstanden habe. Der damalige Notar habe den Vertrag so leise vorgelesen, dass sie den Inhalt als schwer Hörbehinderte nicht habe verstehen können. Über Jahrzehnte hinweg hatte Artur Fischer, Erfinder des S-Dübels aus Polyamid, der Fischer Technik-Baukästen und des Blitzlichtgerätes für Fotoapparate, ein internationales Imperium aufgebaut. Mit mehr als 1.100 angemeldeten Patenten und Gebrauchsmustern gilt er weltweit als einer der erfolgreichsten Erfinder und zählt zusammen mit seinem Sohn Klaus, der den Konzern aktuell führt, zu den 500 reichsten Deutschen.

Die Familienbande zur Tochter ist jedoch seit Längerem zerrüttet. Schon vor Jahren standen sich Vater und Sohn sowie Tochter vor Gericht gegenüber. Tochter Margot hatte auf einer Internetseite den Familienzwist öffentlich gemacht und dabei unter anderem juristische Briefwechsel verwendet sowie Karikaturen ihres Vater und Bruders. Auch der Streit um das Erbe wurde dort thematisiert. Vater und Sohn machten daraufhin einen Unterlassungsanspruch geltend.

Das Landgericht Heilbronn untersagte der Tochter schließlich öffentlich weiter zu behaupten, dass sie den Notar beim Vorlesen des Vertrages nicht verstanden habe. Zudem verbot ihr das Gericht ihre Angehörigen weiter zu verunglimpfen. Der Streit über den Erbverzicht ging jedoch weiter, bis Margot Fischer-Weber schließlich vor das Landgericht Rottweil zog. Dies hatte im Juli den Vergleichsvorschlag über eine einmalige Zahlung von 1,25 Millionen Euro sowie zusätzlich 7.500 Euro monatlich gemacht.

Vertreter Margot Fischer-Weber
Lenné (Leverkusen): Guido Lenné

Vertreter Artur Fischer
Kees Hehl Heckmann (Stuttgart): Günther Hehl

Landgericht Rottweil, 3. Zivilkammer
Michael Zange (Vorsitzender Richter), Marlies Steffani-Göke

Hintergrund: An der Seite von Fischer-Weber stand zu Beginn des Verfahrens Lieselotte Richard aus der Rostocker Sozietät Speckin Dembski & Partner. Seit einigen Monaten setzt Fischer-Weber bereits auf den Leverkusener Anwalt Guido Lenné als neuen rechtlichen Beistand. Im damaligen Streit um die Ausführungen auf der Internetseite wurde Fischer-Weber von Jana Eiselt aus der Sozietät Eiselt-Möckel beraten, die ihren Sitz in Brackenheim bei Heilbronn hat.

Kontinuität auf Beraterseite gibt es dagegen bei Artur Fischer. Schon im Prozess um die Veröffentlichungen im Internet vertraute der Erfinder Kees Hehl Heckmann und deren Namenspartner Günther Hehl. Die interdisziplinär aufgestellte Kanzlei aus Stuttgart ist immer wieder als M&A-Beraterin für mittelständische Unternehmen aus dem Südwesten und Süden präsent, so etwa 2012 für das bayrische Unternehmen Schwenk Dämmtechnik beim Verkauf des Glaswollegeschäfts.

Der Notar, der den Erbverzicht seinerzeit beurkundete, war Peter Bünger aus Dornstetten, der mittlerweile außer Dienst ist. Er soll in dem Streit als Zeuge gehört werden. (René Bender)

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