Juve Plus Mit bewährtem Verteidiger-Duo

Ex-Audi-Chef Stadler räumt Fehler ein

Autor/en
  • Karolin Kupfer

Rupert Stadler hat gestanden. Der frühere Audi-Chef bedauerte sein Fehlverhalten bei der Aufarbeitung des Dieselskandals. Nach über zwei Jahren dürfte das Verfahren am Landgericht München damit für ihn mit einer Bewährungsstrafe zu Ende gehen.

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Er hätte von illegalen technischen Eingriffen wissen und eingreifen können, habe dies aber unterlassen, hieß es am Dienstag in einer von Stadlers Verteidigerin Ulrike Thole-Groll verlesenen Erklärung. Er bedauere dies sehr. Er sehe, „dass es ein Mehr an Sorgfalt“ gebraucht hätte. Stadler selbst bestätigte die Aussagen mit einem „Ja“. Einer Verständigung mit Gericht und Staatsanwaltschaft zufolge wird das Verfahren voraussichtlich mit einer Bewährungsstrafe zu Ende gehen.

Ulrike Thole-Groll

Mit dem Geständnis am 168. Verhandlungstag ist Stadler das erste Mitglied des VW-Konzernvorstands, das vor Gericht den Vorwurf des Betrugs durch Unterlassen im Dieselskandal eingeräumt hat. Die Wirtschaftsstrafkammer hatte dem 60-Jährigen bei einem umfassenden Geständnis und Zahlung von 1,1 Millionen Euro eine Bewährungsstrafe von eineinhalb bis zwei Jahren in Aussicht gestellt. Gerichtssprecher Laurent Lafleur sagte, Stadler habe den Tatvorwurf des Betrugs durch Unterlassen „vollumfänglich eingeräumt“.

Geständnis kommt spät

Stadler, der jahrelang seine Unschuld beteuert hatte, hatte sein Geständnis Anfang Mai angekündigt, sich allerdings noch Vorbereitungszeit ausbedungen. Davor hatte das Gericht klargemacht, dass ihm ohne Geständnis Gefängnis gedroht hätte.

Denn nach der damals geäußerten vorläufigen Einschätzung der Kammer dürfte Stadler spätestens im Juli 2016 erkannt haben, dass die Abgaswerte manipuliert gewesen sein könnten. Statt der Sache auf den Grund zu gehen und die Handelspartner zu informieren, habe er den Verkauf der Autos jedoch bis Anfang 2018 weiterlaufen lassen. Dies räumte Stadler nun ein.

Es sei ihm nicht gelungen, die Dieselkrise im Audi-Konzern zu lösen, ließ Stadler erklären. Er habe sich zunächst auf die Fachleute verlassen, es im weiteren Verlauf aber unterlassen, für Aufklärung zu sorgen.

Nach dem Geständnis könnte der seit September 2020 dauernde Prozess am Landgericht München demnächst zum Abschluss kommen, voraussichtlich im Juni.

Der ebenfalls angeklagte ehemalige Chef der Audi-Motorenentwicklung, Wolfgang Hatz, und zwei seiner leitenden Ingenieure gestanden bereits, dass sie die Ausgestaltung der Motor-Software veranlasst hatten. Mit unzulässigen Abschalteinrichtungen hielten die Autos die Stickoxid-Grenzwerte zwar auf dem Prüfstand ein, aber nicht auf der Straße. Auch Hatz und ein Ingenieur können nach Zusagen des Gerichts mit Bewährung rechnen. Das Verfahren gegen den anderen Ingenieur wurde bereits gegen eine Geldauflage eingestellt.

Vertreter Rupert Stadler
Pfordte Bosbach (München): Thilo Pfordte, Ulrike Thole-Groll

Vertreter Wolfgang Hatz
Trüg Habetha (Freiburg): Prof. Dr. Gerson Trüg, Prof. Dr. Jörg Habetha

Ingenieur Giovanni P.
Lechner & Partner (München): Walter Lechner
Schroth & Kollegen (Karlsruhe): Klaus Schroth

Ingenieur Henning L.
Beukelmann Müller Partner (München): Maximilian Müller

Staatsanwaltschaft München
Nico Petzka

Landgericht München II, 5. Wirtschaftsstrafkammer
Stefan Weickert (Vorsitzender Richter), Jürgen Krusche (Ergänzungsrichter), Dr. Uli Konrad (Beisitzer), Christoph Stein (Berichterstatter)

Hintergrund: Die Riege an Verteidigern steht ihren Mandanten von Beginn an in dieser Konstellation zur Seite. Das Verteidigerduo Thilo Pfordte und Ulrike Thole-Groll hatte das Mandat übernommen, als es noch bei Brehm & v. Moers tätig war. Anfang des Jahres 2020 machte sich Pfordte gemeinsam mit Dr. Jens Bosbach selbstständig und gründete Pfordte Bosbach. (mit Material von dpa)

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