Arbeitsrecht

Ex-VW-Manager wehrt sich mit Lutz Abel erfolgreich gegen Kündigung

Das Arbeitsgericht Braunschweig hat die Kündigung des ehemaligen VW-Motorenchefs Rudolf K. wegen der Dieselaffäre für unzulässig erklärt. Der Ex-Manager hatte sich gegen seinen Rauswurf gewehrt. Die Richter gaben seiner Klage überwiegend statt (Az. 6 Ca 244/18 B).

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Das Verhalten des Mannes sei „nach der Würdigung aller Umstände und dem Ausgang der Beweisaufnahme nicht als Pflichtverletzung“ einzustufen, begründete die Kammer ihre Entscheidung. Der Ex-Manager leitete bis 2007 den Geschäftsbereich Motorenentwicklung.

Reinhard Lutz

Die Arbeitsrichter stuften nicht nur die Kündigung als rechtswidrig ein, sondern sprachen ihm auch eine Entschädigung in Millionenhöhe zu. Es ging dabei unter anderem um Vorruhestandsbezüge, Schadensersatzansprüche, Boni, Ruhegeld und einen Geschäftswagen.

Ene Widerklage von VW auf Schadensersatz wurde vom Gericht abgewiesen.

Kernfrage des Streits war, ob die Führungskraft bei einem Treffen mit leitenden Technikern im November 2006 zumindest implizit die Weiterentwicklung einer manipulativen Softwarefunktion genehmigte.  

Nach Einsicht in Akten der Staatsanwaltschaft hatte sich der Konzern im August 2018 von mehreren hochrangigen Mitarbeitern getrennt.

Vor zwei Jahren erlitt Volkswagen in einem Kündigungsstreit zur Dieselaffäre schon einmal eine Schlappe. Das Arbeitsgericht gab der Klage eines Ex-Leiters der Dieselmotorenentwicklung statt. Auch hier soll VW das Arbeitsverhältnis zu Unrecht aufgelöst haben: Der Betriebsrat sei fehlerhaft informiert worden, zudem machte ein Zeuge vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Zwei vom Konzern benannte Zeugen lehnte das Gericht hingegen ab, weil sie nicht bei einer umstrittenen Sitzung im Jahr 2011 waren. VW war überzeugt, dass der Manager erhebliche Pflichtverletzungen begangen hatte.

Thomas Müller-Bonanni

Vertreter Rudolf K.
Lutz Abel (München): Dr. Reinhard Lutz (Arbeitsrecht)

Vertreter Volkswagen
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Thomas Müller-Bonanni; Associate: Eva-Maria Schwarzer (beide Arbeitsrecht)

Hintergrund: Die Vertretung von Rudolf K. liegt seit Beginn des Verfahrens bei Lutz Abel: Bis Ende 2019 stand Dr. Philipp Byers an der Seite des ehemaligen VW-Ingenieurs, nach dessen Wechsel zu Watson Farley & Williams übernahm der erfahrene Prozessrechtler und Namenspartner Dr. Reinhard Lutz den Fall.

Bekanntermaßen ist auch die arbeitsrechtliche Beratung und Vertretung ein Teil des äußerst umfangreichen VW-Diesel-Mandats bei Freshfields. Partner Müller-Bonanni und Associate Schwarzer sind auch für die arbeitsrechtlichen Prozessvertretungen zuständig, von denen es weiterhin einige gibt. Ein Großteil der Klagen ehemaliger Führungskräfte gegen ihre Kündigungen gingen soweit bekannt zugunsten der Manager aus. (mit Material von dpa)

Copyright Teaserbild: Christiane Schiffer/Juve Verlag

 

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