Falk-Prozess

Freshfields-Anwälte tragen zur Entlastung bei

Wie wichtig war ein ehemaliger Clifford Chance-Anwalt für den Hamburger Unternehmer und Stadtplanerben Alexander Falk? So wichtig, dass Falk jemanden anheuerte, der dem Anwalt im Februar 2008 ins Bein schoss? Diese Fragen standen in dieser Woche erneut im Zentrum des Strafprozesses vor dem Landgericht Frankfurt.

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Falk (m.) mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (l.) und Björn Gercke
Falk (m.) mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (l.) und Björn Gercke

Falk bestreitet den Vorwurf, für den Anschlag verantwortlich zu sein, vehement. Der Ursprung der Tat soll in einem Zivilprozess liegen, bei dem auf Falks Seite Dr. Elke Umbeck, heute Partnerin bei Heuking Kühn Lüer Wojtek, und Dr. Jan Willisch, heute Anwalt bei Göhmann in Berlin, kämpften. Beide waren seinerzeit im Hamburger Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer beschäftigt.

Welche Rolle das spätere Opfer bei der Arrestierung des Vermögens gespielt habe, wollte Richter Jörn Immerschmitt von Umbeck wissen. Aufseiten von Clifford sei ein ganzes Team dabei gewesen, antwortete sie. Wichtige Schriftsätze seien von fünf oder sechs Anwälten unterzeichnet worden. „Wer das war, war für mich nicht interessant.“ Dem späteren Opfer sei sie lediglich dreimal begegnet.

Das Anschlagsopfer hatte bei seiner Zeugenaussage im September geschildert, wie feindselig dieses Treffen gewesen sei, weil er zum ersten Mal Angst gespürt habe, als er mit Falk alleine im Raum war. Umbecks Erinnerung an die Stimmung des Termins ist eine andere. „Der Termin ging viel harmloser vonstatten, als ich es befürchtet hatte“, erinnert sie sich. Die Stimmung sei in keiner Weise feindselig gewesen, sondern eher gelöst – schon von Beginn an, weil Falk sein spätes Kommen damit entschuldigt hatte, keinen Stadtplan dabei gehabt zu haben.

Schriftsätze hätten bei Clifford mal einzelne Anwälte unterschrieben, mal der verantwortliche Partner Uwe Hornung. Das spätere Opfer sei im Team nicht unterscheidbar gewesen und die Schriftsätze sehr sachlich und von gewisser Härte. „Alles das hätten wir uns auch einfallen lassen“, so Umbeck. Die Auseinandersetzungen damals gingen zurück auf eine Transaktion, bei der Falk um die Jahrtausendwende seine Firma Ision an das britische Unternehmen Energis verkaufte. Energis wurde seinerzeit von Clifford beraten. Ision musste kurze Zeit später Insolvenz anmelden. Die Bilanzen waren, wie sich später herausstellte, für den Verkauf mittels Luftbuchungen gefälscht worden. Bei den darauffolgenden Prozessen spielten Clifford-Anwälte wieder eine entscheidende Rolle. Sie setzten für die Energis-Insolvenzverwalterin erhebliche Ansprüche gegen Falk durch. Im Lauf des Verfahrens hatte Clifford mit einem Forderungsbetrag von 763 Millionen Euro den damals wohl höchsten Adhäsionsantrag in Deutschland gestellt.

„Da waren noch einige Rechnungen offen.“

Bei den Arresten hätte sie, so schildert es die Zeugin, vor allem das Clifford Chance-Duo Sebastian Rakob – er hat im Prozess bereits ausgesagt – und das Anschlagsopfer, der heute Partner bei DLA Piper ist, wahrgenommen. Die Frage des Richters, ob letzterer aggressiv aufgetreten sei, verneinte Umbeck. Er habe ihr am Anfang sogar ein Asterix-Comic geschickt, wohl um die Auseinandersetzung „auf eine launige Ebene zu bringen“. Das habe sie „drollig“ gefunden.

Auch Falk sei alles andere als cholerisch gewesen, sondern immer sachlich. Selbst als man sein Boot arrestiert hätte. „Geld ist ihm nicht so elementar wichtig“, schilderte sie. „Er hat eher geguckt, was man tun kann, was die Handlungsoptionen sind.“ Von dem Anschlag habe sie durch eine Mail von Rakob erfahren, der deswegen um Fristverlängerung für den Schriftsatz gebeten hatte.

Bei diesem Schriftsatz, so hatte es das Anschlagsopfer in seiner Zeugenaussage im September betont, sei es „um alles gegangen“. Umbeck sah allerdings keinen Anlass, die Frist nach hinten zu schieben, betonte sie auf mehrfaches Nachfrage des Richters. „Sagen wir mal so, im Januar war die Geburt meiner Tochter, wenn ich gesagt hätte, ich sei deswegen noch unpässlich, weiß ich, was die Gegenseite getan hätte.“ Clifford sei schließlich eine Großkanzlei und hatte ohnehin von November bis Februar Zeit, den Schriftsatz vorzubereiten.

Clifford trat als Team auf

Weniger involviert auf Freshfields-Seite, obwohl damals der verantwortliche Partner, war Dr. Jan Willisch. Er führte das umfangreiche Mandat, das bei Freshfields 64 Ordner füllte, ab 2004. 2008 habe Umbeck das Falk-Mandat mit zu Heuking genommen, als sie als Partnerin dorthin wechselte. „Mir war das ganz lieb“, sagte Willisch als Zeuge, „da waren noch einige Rechnungen offen“. Die späteren Vergleichsverhandlungen hätte Dr. Winfried Steeger von Freshfields übernommen, weil er selbst inzwischen zu Lindenpartners gewechselt war.

Auch er habe bei Clifford immer ein ganzes Team erlebt, erzählt Willisch. Auffällig sei die große Fülle von Leuten gewesen, die die Schriftsätze unterschrieben. „Das fand ich lächerlich“, meinte er. Falk sei sauer auf Clifford Chance insgesamt gewesen, aber auf niemanden speziell, „am ehesten wohl auf Rakob“.

Dass das spätere Anschlagsopfer überhaupt nicht im Fokus ihres Mannes gestanden hätte, betonte auch Falks Ehefrau mehrfach. „Er war nicht sein Feindbild“, sagte sie. Als er von dem Anschlag hörte, habe er jedoch Angst gehabt, dass etwas auf ihn zurückfallen könnte. Schließlich habe er zuvor Hacker engagiert, die Daten von Clifford Chance besorgen sollten. Für ihre Aussage hatte sich die Ehefrau mit Dr. Sven Thomas einen alten Bekannten an die Seite geholt. Der renommierte Strafrechtler, inzwischen of Counsel bei Thomas Deckers Wehnert Elsner, gehörte bereits früher zum Verteidiger-Team ihres Mannes. (Eva Flick)

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