Autoteilehandel

Hess Automotive geht mit Niering in die Insolvenz

Der Kölner Autoteilehändler Hess Automotive hat beim Amtsgericht Köln einen Insolvenzantrag gestellt. Das Gericht ernannte daraufhin Dr. Christoph Niering als vorläufigen Insolvenzverwalter. Im Rahmen des Verfahrens beabsichtigt das Unternehmen, seine Restrukturierung fortzusetzen und einen Investor zu finden.

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Die Gesellschaft befindet sich bereits seit mehreren Jahren in der Restrukturierung. Bislang konnte aber weder diese noch ein angestrebter M&A-Prozess abgeschlossen werden. Das nunmehr eingeleitete vorläufige Insolvenzverfahren dient laut Aussage des Insolvenzverwalters dazu, den Prozess zu beschleunigen.

Christoph Niering

Eine Woche vor dem Antragstellung kamen bereits Spekulationen über eine mögliche Insolvenz auf, die das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt auf Nachfrage des Branchenmediums kfz Betrieb zwar bestritt, jedoch bestätigte, dass es einige Bestellungen bei Lieferanten aufgrund eines „kurzfristigen Liquiditätsengpasses“ stornieren musste.

Pandemie und Flutkatastrophe führten zu Liquiditätsengpässen

Als Insolvenzursache gab das Unternehmen nun die Pandemie sowie die „regionalen Einbußen im Nachgang der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr“ an. Dadurch habe sich das Auftragsvolumen deutlich schwächer als gehofft entwickelt, was zur finanziellen Schieflage geführt habe. Die Gehälter der derzeit 1.500 Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld abgedeckt. 

Der Insolvenzverwalter bekräftigte, dass das Unternehmen bestellte Neuware bezahlen und Waren auch weiterhin an Kunden ausliefern könne. Ziel sei es, das operative Geschäft des Teilehändlers „aufrechtzuerhalten und eine langfristige Fortführungslösung zu erarbeiten“. Um dies zu ermöglichen, werde nach einem geeigneten Investor gesucht. Interessenten gebe es bereits. Noch im Jahr 2021 erwarb Hess selbst unter anderem Mitbewerberin Werthenbach Autoteile.

Vorläufiger Insolvenzverwalter
Niering Stock Tömp
(Köln): Dr. Christoph Niering (vorläufiger Insolvenzverwalter), André Dobiey, Kristina Wessing (Insolvenzrecht); Associate: Katrin Camp (Arbeitsrecht) 

Berater Hess Automotive
Noerr (Frankfurt): Andreas Naujoks (Finanzierung), Simone Schönen (Hamburg; Insolvenzrecht); Associate: Patrick Geist (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt
SGP Schneider Geiwitz & Partner (Neu-Ulm): Christian Plail, Arndt Geiwitz (beide Insolvenz und Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Berater Betriebsrat
HL Legal (Düsseldorf): Lars Hinkel

Berater Banken
Norton Rose (Frankfurt): Dr. Oliver Sutter (Finanzierung), Regina Rath (Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Das Team um Niering war im Vorfeld des Insolvenzantrags nicht beratend tätig, sondern wurde kurzfristig über die insgesamt fünf Eröffnungsanträge durch das zuständige Amtsgericht Köln informiert. In drei Verfahren erfolgte die sofortige Anordnung von Sicherungsmaßnahmen. Niering ist bundesweit bekannt durch seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID). Er beriet in der Vergangenheit diverse teils medienwirksame Insolvenzverfahren, wie eines von Solarword. Neben den vier Anwälten der Kanzlei sind aktuell auch drei Assistenten im Bereich der Betriebsfortführung mit dem Fall befasst.

Noerr-Partner Naujoks ist nach JUVE-Informationen bereits seit sechs Jahren für die Gesellschaft tätig und kam ursprünglich über eine bankenseitige Empfehlung ins Mandat. Der Leiter der Finanzierungspraxis der Kanzlei stand dem Unternehmen zunächst bei einer Finanzierung und anschließend bei Debt-Restrukturierungen zur Seite. Bei dem Kauf der Werthenbach 2021 setzte das Unternehmen ebenfalls auf Noerr.

Norton Rose beriet die Finanzierungsthemen bankenseitig.

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