Insolvenzen

Zwei Autozulieferer-Verfahren für Exner

Eine Welle von Autozulieferer-Insolvenzen in Bayern beschert Joachim Exner von Dr. Beck & Partner viel Arbeit. Das Amtsgericht Coburg bestellte ihn für die Firma Scherer & Trier, die mit über 2.000 Mitarbeitern Kunststoffprofile und Formteile herstellt. Vier Wochen zuvor hatte ihn das Amtsgericht Augsburg für den Zulieferer Wafa engagiert, ebenfalls Lieferant von Kunststoffteilen für den Automobilbau, allerdings mit 360 Arbeitsplätzen deutlich kleiner.

Teilen Sie unseren Beitrag
Joachim Exner
Joachim Exner

Dass ein Verwalter parallel mit zwei Großverfahren betraut wird, stößt bei Wettbewerbern immer wieder auf Unmut. Allerdings hat das Kanzleiteam von Dr. Beck in den vergangenen Jahren mehrere große Automotive-Pleiten bearbeitet und dafür in der Szene gute Kritiken bekommen: Plastal etwa, die Kanzleigründer Dr. Siegfried Beck 2010 nach knapp einem Jahr verkaufen konnte. Die Sellner-Group wurde als Konzerninsolvenz von mehreren Verwaltern der Kanzlei betreut und zwischen 2011 und 2013 in kleineren Einheiten an Wettbewerber veräußert. +++

+++ Bei dem Anlagenbauer SH+E war Insolvenzverwalter Tobias Hoefer von Hoefer Schmidt-Thieme für den ganzen Konzern bestellt, bis er selbst – noch im vorläufigen Verfahren – die Aufteilung der acht Gruppengesellschaften auf drei Verwalter vorschlug. Neben ihm setzte das Gericht Waldshut-Tiengen deshalb Stefan Meyer aus der gleichnamigen Kanzlei für drei Gesellschaften in Westfalen ein sowie Dr. Lucas Flöther von Flöther & Wissing für eine Dresdner Tochter. Ein Testlauf für das Konzerninsolvenzrecht, das derzeit in Berlin im Gesetzgebungsprozess steckt? Immerhin sind auch die Gläubigerausschüsse der Teilfirmen mit denselben Personen besetzt, um Abstimmungsprobleme zu reduzieren. +++

+++ Der Fertiglebensmittelhersteller Zamek aus Düsseldorf wird in seinem Schutzschirmverfahren von Metzeler von der Fecht betreut. Dr. Wolf-Rüdiger von der Fecht und Nikolaos Antoniadis verstärken die Geschäftsführung, während die Sachwaltung für die Einzelgesellschaften bei Dr. Christoph Niering von Niering Stock Tömp sowie Michael Bremen von Bremen Houben liegt. Neben den rund 650 Mitarbeitern sind auch zahlreiche Anleger von der Krise betroffen: 45 Millionen Euro hatte Zamek mit einer bis 2017 befristeten Anleihe eingesammelt, die eigentlich 7,75 Prozent p.a. Zinsen abwerfen sollte. +++

+++ Hilfreich für eine Investorensuche ist es nicht, wenn Alteigentümer über zehn Jahre andauernde Verluste klagen. Aber dass es Dr. Axel Bierbach von Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen mit der Münchner ‚Abendzeitung‘ leicht haben wird, war auch nicht zu erwarten. Immerhin gibt es bei dem Boulevardblatt keine erzürnten Anleihegläubiger, die Bierbach in einem anderen Verfahren auf der Matte stehen hat: HKW Personalkonzepte konnte Anfang März zwar zu großen Teilen an Perusa verkauft werden, doch die 2011 eingesammelten Anleihegelder sind angesichts der erklärten Masseunzulänglichkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren. +++ (Markus Lembeck)

Artikel teilen