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„Neben der Tütenmilch der Anwaltsrat“

Es war eine schöne Idee: Nach dem Einkaufsbummel noch schnell mal beim Anwalt nachfragen, ob der Vermieter den Wasserfleck beseitigen muss oder ob der Arbeitgeber die private Nutzung des Internets verbieten kann. Die Müller-Dieckert Rechtsanwalts GmbH bot Rechtsrat unter dem Dach ihrer Kooperationspartner Karstadt und Famila in vier, fünf deutschen Städten an - und hielt kein Jahr durch. Offensichtlich zu groß war der Widerstand der örtlichen Kammern (JUVE 01/04), zu gering die Nachfrage bei Mandanten. Am 11. Juni wurde - nach kurzer Prüfung - in Hamburg das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet.++++ Als der Hamburger Anwalt Jens-Sören Schröder (Johlke, Niethammer & Partner) Mitte Mai als vorläufiger Verwalter bei Müller-Dieckert eingesetzt wurde, war schon nichts mehr zu retten. Sowohl in der Zentrale am Millertorplatz im Hause der Medienport AG, als auch in den noch bestehenden Kaufhaus-Filialen in Berlin, Nienburg und Chemnitz hatten die insgesamt neun Beschäftigten ihre Arbeit bereits seit seit zwei Wochen eingestellt, die Anwaltszulassung der GmbH war an die hanseatische Kammer zurückgeben worden - Schluss. Schröder sagt, das Konzept "neben der Tütenmlich der Anwaltsrat" ist zwar nicht schlecht, aber es steckte auch nicht genug Know-how und Organisation dahinter, um wenigstens das Geschäftsmodell zu veräußern. Um die Schulden der Kanzlei auszugleichen, muss er jetzt die noch ausstehenden Gebühren von bisherige Mandanten eintreiben. "Überschaubar" nennt das der Verwalter, der im vergangenen Jahr das große, bundesweit beachtete Verfahren der insolventen Ufa-Kinos mit einem Verkauf positiv abschloss (JUVE 11/02, 08/03). ++++

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++++ Weniger an Anwaltsbüros in Kaufhäusern, als vielmehr an CD-Regale in Selbigen denkt zur Zeit der Düsseldorfer White & Case-Partner Dr. Biner Bähr. Seit Ende Mai ist er vorläufiger Verwalter über das Vermögen des Systemdienstleisters AMS GmbH & Co. KG. Der 1971 gegründete Betrieb mit über 220 Mitarbeitern übernimmt logistische Aufgaben der Sortimentsgestaltung und -pflege, des Einkaufs und der Kommissionierung sowie der Etikettierung und Auslieferung von CDs, DVDs und VHS-Videos. Klingt komplex und ist für Kaufhäuser wie Kaufhof oder Globus – zwei Großkunden von AMS – extrem wichtig. Deswegen wollten die AMS-Geschäftsführung und der Insolvenzverwalter nach dem Verlust des Großkunden Medimax und vorübergehender Einstellung des Betriebs schnell wieder liefern. Bähr ist optimistisch, das die Sanierung gelingt. „Ich führe bereits Gespräche mit mehreren Investoren“, sagt der Anwalt, der sein Geschick im Handelssegment zuletzt etwa bei der Insolvenz des Motorradhändlers Eurobike unter Beweis gestellt hat (JUVE 12/03). ++++

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