Telekom Austria-Kursaffäre

Staatsanwälte klagen Ex-Vorstände an

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  • JUVE

Beginn dieser Woche war Telekom Austria-Prozessauftakt in Wien: Fünf Personen sind wegen des Verdachts auf Untreue angeklagt. Sie sollen im Februar 2004 durch Kursmanipulation der Aktie von Telekom Austria widerrechtlich an Bonuszahlungen gekommen sein, bei denen insgesamt rund neun Millionen Euro an etwa 100 Telekom-Manager ausgezahlt wurden.

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Otto Dietrich
Otto Dietrich

Die Telekom Austria hatte beim Börsengang 2000 ein Bonifikationssystem beschlossen, das sich am Kurs der Telekom Austria-Aktie zwischen dem 20. und 26. Februar 2004 orientierte. Die Staatsanwaltschaft wirft drei ehemaligen Vorständen des Unternehmens vor, den separat verfolgten Prokuristen Gernot S. veranlasst zu haben, die Euro Invest Bank mit dem Kauf von Telekom Austria-Aktien zu beauftragen, um den Kurs entsprechend zu beeinflussen.

Wolfgang Brandstetter
Wolfgang Brandstetter

Hauptangeklagter ist der Ex-Festnetzvorstand Rudolf Fischer, er hat mittlerweile ein Teilgeständnis abgelegt. Der ebenfalls angeklagte Börsenmakler Johann Wanovits, Gründer der Euro Invest Bank, habe von ihm eine Zahlung von 500.000 Euro erhalten, die Fischer aber bereits wieder zurückgezahlt hat. Es habe aber keine verbindlichen Vereinbarungen mit Wanovits gegeben.

Neben Fischer sitzen auf der Anklagebank die beiden ehemaligen Kollegen im Telekom Austria-Vorstand Dr. Stefano Colombo, Ex-Finanzvorstand, und der damalige CEO Heinz Sundt. Die ehemaligen Vorstandsmitglieder sollen den Broker Wanovits beauftragt haben, die Aktien zu kaufen, um deren Kurs zu steigern. Auch Ex-Prokurist Josef T. gehört zu den Angeklagten. Er und der ehemalige Telekom-Manager Gernot S., der als Kronzeuge im Prozess auftritt, sollen als Kontaktpersonen zu Wanovits fungiert haben.

Wanovits sprach vor dem Prozessauftakt von einem „börsenüblichen Geschäft“ und streitet jegliches strafbare Verhalten ab. Als er die Aktien kaufte, habe er lediglich Schaden von dem Telekommunikationsunternehmen und seinen Mitarbeitern abwenden wollen. Als Gegenleistung soll er von der Telekom Austria insgesamt rund 1,5 Millionen Euro durch Bargeldzahlungen und über Scheingeschäfte erhalten haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Ex-CEO Sundt äußerte vor Prozessbeginn der Presse gegenüber, er habe von einer illegalen Kursmanipulation oder etwaigen Zahlungen an Wanovits nichts gewusst. Er sprach lediglich von einer „Kurspflege“, die bei börsennotierten Unternehmen nicht ungewöhnlich sei.

Vertreter Fischer
Prof. Dr. Wolfgang Brandstetter
Roxin (Wien): Dr. Otto Dietrich

Vertreter Colombo
Dr. Rudolf Mayer (Wien)
Kurt Kadavy
(Wien)

Vertreter Sundt
Martin Nemec (Wien)

Vertreter Wanovits
Hans-Rainer Rienmüller (Wien)
Hausmaninger Kletter (Wien): Dr. Manfred Ketzer

Vertreter T.
Knittl Nigl Winklmayr (Wien): Horst Winkelmayr

Vertreter Telekom Austria
wkklaw (Wien): Dr. Norbert Wess, Bernhard Kispert

Staatsanwaltschaft Wien
Hannes Wandl (Staatsanwalt)

Landesgericht Wien
Michael Tolstiuk (Vorsitzender Richter des Schöffensenats)

Hintergrund: Alle Vertreter sind öffentlich bekannt. Die Telekom Austria hat sich als Privatbeteiligte dem Verfahren angeschlossen. Ihre Beraterin wkklaw setzte sich in einem Beauty Contest durch und berät ihre Mandantin seit Oktober 2011.

Die zivilrechtlichen Nebenansprüche, die die Telekom Austria im Falle einer Verurteilung geltend macht, werden von Prof. Dr. Raimund Bollenberger von der Kanzlei Doralt Seist Csoklich geprüft.

Neben Brandstetter, Professor am Institut für Österreichisches und Europäisches Wirtschaftsstrafrecht der Wirtschaftsuniversität in Wien,  zählen auch Wess und Mayer zum Kreis der profilierten Strafrechtler in Österreich. Dagegen taucht einer der bekanntesten Strafrechtler hierzulande auf der Liste der Anwälte nicht auf: Prof. Dr. Richard Soyer. Doch die Staatsanwaltschaft Wien hat Prozessbeteiligten zufolge noch gegen Dutzende weitere Beschuldigte Ermittlungsverfahren laufen beziehungsweise zum Teil bereits Anklage erhoben.

Dietrich ist einer der Gründungspartner von KWR. Vor wenigen Monaten eröffnete er für die in Deutschland mit mehreren Standorten vertretene Wirtschaftsstrafrechtsboutique Roxin ein Büro in Wien (mehr..)(Désirée Schliwa, Geertje Oldermann)

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