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ANWALTS-STUNDENSäTZE 2016

„Risiko schlägt Transaktionen: Zum ersten Mal sind keine primär auf Transaktionen ausgerichteten Partner unter den Spitzen-Abrechnern. Sowohl Kartell- als auch Finanzrechtler profitieren von Risikothemen, seien es nun Bußgeld-, Regulierungs- oder Schadensersatzrisiken. Nicht ohne Grund rückt Litigation in die Spitzengruppe.
Im Schnitt gaben die Partner-Stundensätze um 1,7% nach. Der leichte Abschwung bei den Associate-Sätzen (-0,5%) liegt hingegen noch im Bereich der statistischen Ungenauigkeit. Im Gesamtdurchschnitt verlangte ein hoch spezialisierter Partner 2016 einen Studensatz von 336 Euro, für Associates wurden 262 Euro fällig.
Von der Kostensensibilität profitieren derzeit hingegen die mittelständisch orientierten Kanzleien, deren Sätze wieder leicht stiegen (mehr…).

Stundensätze 2016

Alle aufgeführten Stundensätze beruhen erneut auf über rund 800 Selbstauskünften von Kanzleien. Diese haben in der Regel weniger als 50 Anwälte, darunter sind zahlreiche Boutiquen. Internationale Großkanzleien sind im Verhältnis zu
ihrer Marktpräsenz unterrepräsentiert. Alle Angaben in Euro.

Die jüngste Entwicklung der Stundensätze deutet an, dass hoch spezialisierte Kanzleien an Grenzen stoßen: Nach wie vor liegen die Werte zwar über denen der mittelstandsorientierten Berater, doch verzeichnen sowohl Partner- als auch Associate-Stundensätze ein Minus. Dass es die Partnersätze mit 1,7% dabei deutlicher trifft als die der Associates (-0,5%), gibt zudem einen Hinweis darauf, wie die Kanzleien versuchen, das nötige Einkommen zu generieren.

Doch an anderer Stelle konnten die Kanzleien auch zulegen: Die kräftigsten Steigerungen gab es im Bereich Konfliktlösung (+5,2%) – ein Zeichen der Zeit. Denn tatsächlich nimmt die Streitlust der Mandanten weiter zu. Auch das Plus der Stundensätze im IP-Bereich (+4,0%) resultiert aus Streitigkeiten, und zwar um Patente. Das meiste Geld wird dennoch weiterhin in der krisennahen Beratung bezahlt. Dass der Stundensatz für Compliance unterdessen im Schnitt leicht sank, ist vor allem dem härter werdenden Wettbewerb geschuldet: Immer mehr Kanzleien drängen in diesen Bereich.

Transaktionsnahe Beratung (Banking/Finance, Kartellrecht, M&A, Private Equity, Immobilienrecht)

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Obwohl die Bereiche M&A und Immobilien im vergangenen Jahr mit einer erfreulichen Deal-Statistik aufwarteten, blieben die Stundensätze hier stabil oder sanken sogar leicht. Es ist unverkennbar: Die Unternehmen mandatieren differenzierter und verfügen zunehmend über hoch kompetente Inhouse-Transaktionsanwälte, so dass es für die Kanzleien relativ schwierig ist, trotz starker Nachfrage höhere Stundensätze durchzusetzen. Das gilt jedenfalls für überschaubare Transaktionen. Bei internationalen und komplexen Mandaten, die weiterhin vorwiegend an die internationalen Großkanzleien gehen, liegen die tatsächlich gezahlten Spitzensätze weiterhin um die 700 Euro, vereinzelt auch darüber. Der signifikante Anstieg der Stundensätze bei den Finanzierungspezialisten hat hingegen weniger mit M&A-Finanzierungen als mit der Regulierung zu tun: Die Beratung von hoch regulierten Investmentsfonds ist das mit Abstand teuerste Beratungsfeld

Krisennahe Beratung (Compliance, Kapitalanlegerschutz, Litigation, Restrukturierung, Wirtschaftsstrafrecht)

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Dieses Beratungssegment stellt gleich drei der fünf Top-Abrechner des Jahres: Compliance, Wirtschaftsstrafrecht und – mit einem satten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr – Konfliktlösung. Letzteres gewinnt in allen Facetten schon seit längerem an Bedeutung, was sich nun auch in den Zahlen niederschlägt. Die Kanzleien profitieren hier wie in den anderen krisennahen Bereichen davon, dass die Risiken für die Mandanten oft ebenso hoch sind wie der Zeitdruck: In solchen Situationen ist es für die Unternehmen schwierig, um Stundensätze zu feilschen oder gar Abstriche bei der Qualität zu machen. Die Sätze bei Restrukturierungen und Insolvenzen sanken hingegen – es gab weniger zu tun und der Beratermarkt befindet sich mitten in einer Konsolidierungsphase.

Regelmäßige Beratung (Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Nachfolge/Vermögen, Privates Baurecht, Steuerrecht, Vertrieb/Außenhandel)

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Zusammengefasst sind hier die Rechtsgebiete, die für jedes Unternehmen in unterschiedlicher Ausprägung kontinuierlich relevant sind. Wie schon im Vorjahr bleiben die Sätze relativ stabil. Es zeigt sich jedoch, dass die Steigerung im Vertriebs- und Außenhandelsrecht im Vorjahr tatsächlich nur ein statistischer Ausreißer war. Zwar sind beide Beratungsfelder krisenhafter geworden, doch dominiert offensichtlich weiterhin das Routinegeschäft. Hinzu kommt, dass etwa komplexe Embargo-Fälle, bei denen deutlich höhere Stundensätze abgerechnet werden, oft von internationalen Großkanzleien betreut werden, die in dieser Statstik aber unterrepräsentiert sind.

Branchenbezogene Beratung (Energierecht, Informationstechnologie, Medien, Gesundheitswesen, Versicherungsrecht)


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Erneut wurde die Beratung im Bereich Informationstechnologie teurer: Die Unsicherheiten im Datenschutzrecht und die steigende Bedeutung von Daten-Compliance liefern die Basis für diese Entwicklung. Aus einem einst eher durch Routine geprägten Feld wird so eines, das Züge der Krisenberatung trägt. Ganz anders das Energierecht: Abseits des politisch erzwungenen Umbaus der großen Konzerne hierzulande, die rechtlich eher durch Großkanzleien begleitet werden, ist das Beratungsgebiet für Kanzleien von Jahr zu Jahr weniger lukrativ. Denn es gibt kaum noch juristische Grenzen auszuloten.

Beratung im öffentlichen Raum (Öffentliches Recht, Regulierung Wasser/Verkehr, Vergaberecht)

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Die Arbeit im öffentlichen Raum bleibt für die Kanzleien die am wenigsten lukrative. Während die Stundensätze im Vergaberecht stagnieren, sinken die Partner-Stundensätze in den anderen Bereichen weiter. Mit der öffentlich-rechtlichen Alltagsberatung ist immer weniger Gewinn zu machen, die öffentliche Hand spart und viele einst strittige Themen sind weitgehend ausdiskutiert. Die komplexen, politiknahen und damit auch hochpreisigen Mandate aus diesem Sektor gehen unterdessen oft an solche Großkanzleien, deren Stundensätze in die vorliegende Aufstellung nur vereinzelt eingeflossen sind.