Partner-Stundensätze stabil, Associate-Stundensätze wieder deutlich steigend – so entwickelten sich die Honorare der spezialisierten Anwaltspraxen in Deutschland in 2012. 329 Euro konnte ein Partner in dem Zeitraum durchschnittlich verlangen – einen Euro mehr als noch im Jahr zuvor. Ein anderes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der primär mittelständisch orientierten Kanzleien in den einzelnen Regionen: Bei ihnen stiegen die durchschnittliche Partnerhonorare (mehr…).
Alle in diesem Beitrag aufgeführten Stundensätze beruhen auf über 900 Selbstauskünften von Kanzleien. Diese haben in der Regel weniger als 50 Anwälte, darunter sind zahlreiche Boutiquen. Internationale Großkanzleien sind im Verhältnis zu ihrer Marktpräsenz unterrepräsentiert. Alle Angaben in €
Agiler als die Partnersätze zeigen sich die Associate-Sätze. Waren sie im Vorjahr noch deutlich gesunken, so legten sie 2012 wieder ordentlich zu: Der Durchschnittswert stieg von 238 Euro 2011 auf 254 Euro im Jahr 2012. Gründe dafür dürften zum einen sein, dass das Geschäft wieder etwas angezogen hat, zum anderen ist die Entwicklung aber möglicherweise auch Kalkül: Wollen die Kanzleien ihre Einnahmen steigern, können sie das derzeit nur über die Associatesätze.
Transaktionsnahe Beratung (Banking/Finance, Kartellrecht, M&A, Private Equity)
Die transaktionsnahe Arbeit bleibt die mit einigem Abstand teuerste. Selbst die eher krisennahe Beratung kommt im Schnitt nicht an die Partnersätze im Transaktionsgeschäft heran. Aber genau diese beiden Bereiche teilen sich die Spitzenplätze bei den Partnersätzen (siehe Top-Abrechner). Vor allem Banking/Finance-Beratung treibt die Kostennoten in die Höhe. Aus den Großkanzleien berichten Mandanten zudem in der M&A- und Kartellrechts-Beratung weiterhin von Spitzensätzen um 700 Euro, im Schnitt jedoch eher um 500 Euro.
Krisennahe Beratung (Compliance, Kapitalanlegerschutz, Litigation, Restrukturierung, Wirtschaftsstrafrecht)
Wirtschaftsstrafrecht hat Banking/Finance als teuerstes Rechtsgebiet abgelöst, auch die im Markt kolportierten Spitzenhonorare liegen inzwischen über denen der Transaktionsanwälte. Solange die Nachfrage größer bleibt als das Angebot – und ein Ende ist nicht absehbar – werden die Strafrechts- wohl gemeinsam mit den Litigation-Boutiquen die profitabelsten Kanzleien hierzulande sein. Die Honorare bei Konfliktlösung haben jedenfalls deutlich angezogen und auch bei Kapitalanlageklagen macht sich jetzt die Finanzkrise bemerkbar – die Sätze steigen.
Compliance hingegen hat deutlich verloren. Hier schlagen sich zwei Entwicklungen nieder: Zum einen die Tatsache, dass sich immer mehr Kanzleien und Dienstleister in diesem Bereich engagieren, zum anderen aber auch die zunehmende Professionalität, mit der die Unternehmen selbst das Thema angehen.
Die Associatesätze in den krisennahen Rechtsgebieten sind im Schnitt inzwischen höher als in der transaktionsnahen Arbeit, denn die Mandanten verlangen hier Anwälte mit größerer Erfahrung.
Regelmäßige Beratung (Arbeitsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Nachfolge/Vermögen, Privates Baurecht, Steuerrecht, Vertrieb/Außenhandel)
Zusammengefasst sind hier die Rechtsgebiete, die für jedes Unternehmen in unterschiedlicher Ausprägung jahraus jahrein relevant sind. Steuerrecht gehört traditionell zu den hochpreisigeren Beratungsfeldern, wurde in diesem Jahr allerdings durch die Arbeit im Bereich Nachfolge/Vermögen überholt. Hier spiegelt sich die gewachsene wirtschaftliche Bedeutung der sogenannten Private Clients. Im Gewerblichen Rechtsschutz wird das Patentrecht – wie seit Jahren – deutlich besser bezahlt als das Marken- und Wettbewerbsrecht. Schon traditionell bildet die Arbeit im Privaten Baurecht das Schlusslicht nicht nur in dieser Gruppe, sondern aller hier erhobenen Rechtsgebiete.
Branchenbezogene Beratung (Energierecht, Informationstechnologie, Medien, Pharma/Health Care, Versicherungsrecht)
Das Energierecht hat sich im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich erholt. Eine Rolle dürften dabei die nicht abreißenden Kontroversen im Zusammenhang mit der Energiewende stehen. Deren auch rechtliche Lösung fordert von den Anwälten wieder mehr als nur Routinearbeit. Auch im Übrigen bleibt die branchenorientierte Rechtsberatung für die Kanzleien lukrativ. Eine gewisse Ausnahme bildet das Medienrecht: Hier sanken die Partnersätze leicht.
Beratung im öffentlichen Raum (Öffentliches Recht, Regulierung Wasser/Verkehr, Vergaberecht)
Es bleibt dabei: Kein einziges dieser Rechtsgebiete erreicht einen durchschnittlichen Partnerstundensatz von mehr als 300 Euro. Ein Grund dürfte sein, dass die komplexen und damit auch hochpreisigen Mandate oft an solche Großkanzleien gehen, deren Stundensätze in die vorliegende Aufstellung nur vereinzelt eingeflossen sind. Regulierung bleibt zwar in dieser Gruppe das höchstpreisige Beratungsfeld, liegt aber weit hinter den regulierungsrechtlich interessanten Mandaten etwa im Pharma- und Bankensektor zurück. Bei keinem dieser Rechtsgebiete ist eine signifikante Veränderung der Stundensätze im Vergleich zum Vorjahr zu erkennen.