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ANWALTS-STUNDENSäTZE 2014

Die Partner- und Associate-Stundensätze spezialisierter Anwaltspraxen blieben 2014 insgesamt stabil. 328 Euro verlangte ein Partner in Deutschland im Durchschnitt (Vorjahr: 330 Euro), Associates lagen bei 255 Euro pro Stunde (Vorjahr: 256 Euro). Erstmals überflügeln jedoch die Partnersätze in der krisennahen Beratung (Durchschnitt 365 Euro) diejenigen im Transaktionsbereich (Durchschnitt 363 Euro) – ein Zeichen der Zeit. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die primär mittelständisch orientierten Kanzleien in den einzelnen Regionen Boden gut machen konnten, verharren auch deren Honorare 2014 im Schnitt auf Vorjahresniveau – nur das Pflaster in Frankfurt wird noch teurer (mehr…).

Stundensätze 2014

Alle aufgeführten Stundensätze beruhen erneut auf über 900 Selbstauskünften von Kanzleien. Diese haben in der Regel weniger als 50 Anwälte, darunter sind zahlreiche Boutiquen. Internationale Großkanzleien sind im Verhältnis zu ihrer Marktpräsenz unterrepräsentiert. Alle Angaben in Euro.

Die Entwicklung der Stundensätze bei den anwaltlichen Spezialisten war 2014 unspektakulär wie selten: Die Partner- und Associatesätze sanken im Durchschnitt minimal, nämlich um 0,3 beziehungsweise 0,1 Prozent. Einzige Ausreißer in der weitgehend statischen Honorarlandschaft waren die Partnerstundensätze im Kapitalanlegerrecht (+10 Prozent) und im Bereich Banking/Finance (-11 Prozent) – diese beiden Zahlen zeigen zugleich, wie sich die Beratungsschwerpunkte verschieben: Konflikt- und krisenträchtige Themen dominieren, während im heterogenen Finanzbereich derzeit hochkomplexe Mandate jenseits der Regulierung rar bleiben.

Transaktionsnahe Beratung (Banking/Finance, Kartellrecht, M&A, Private Equity, Immobilienrecht)

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Es spricht für sich, dass Kartellrecht dieses Jahr alle anderen Beratungsfelder dieser Gruppe überflügelt: Immer stärker wandert die Arbeit der Anwälte auch in diesem Bereich ins Krisenhafte, also zu Bußgeldverfahren. So liegt der durchschnittliche Partnersatz bei den im nächsten Abschnitt als krisennahe Beratung zusammengefassten Feldern mit 365 Euro erstmals über dem der Transaktionsspezialisten (363 Euro). Die Stundensätze im Transaktionsmarkt – obwohl dieser lebhafter war als im Vorjahr – sind insgesamt stabil. Der Rückgang im Bereich Banking/Finance dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass viele der heutigen Finanzierungsmodelle weniger Beratungsbedarf generieren, allein Bankaufsichtsrecht und Fondsberatung florieren. Die Spitzensätze internationaler Großkanzleien liegen weiterhin um die 700 Euro, obwohl der Druck der Mandanten gerade hier unvermindert hoch bleibt. Gespart wird jedoch eher bei Routinearbeiten als bei Ausnahmemandaten.

Krisennahe Beratung (Compliance, Kapitalanlegerschutz, Litigation, Restrukturierung, Wirtschaftsstrafrecht)

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Die Kapitalanlegerschutzkanzleien verzeichneten 2014 als einzige einen signifikanten Sprung nach oben: Um gut 10 Prozent stiegen die Partnersätze. Hier zeigen sich deutlich die Nachwehen der Bankenskandale der vergangenen Jahre. Compliance und Strafrecht rangieren ebenfalls weiterhin in der Gruppe der teuersten Beratungsfelder – kein Wunder also, dass immer mehr Großkanzleien versuchen, strafrechtliche Kompetenz aufzubauen, um Compliance-Beratung aus einer Hand anbieten zu können. Die Honorare für die Verteidiger berührt dieses Bemühen jedoch nicht, da zugleich immer mehr Manager unter den Beschuldigten sind, deren D&O-Versicherer für die Kosten aufkommen. Die Verteidigerhonorare können mit denen der Großkanzleien entsprechend weiterhin locker mithalten.

Regelmäßige Beratung (Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Nachfolge/Vermögen, Privates Baurecht, Steuerrecht, Vertrieb/Außenhandel)

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Zusammengefasst sind hier die Rechtsgebiete, die für jedes Unternehmen in unterschiedlicher Ausprägung jahraus, jahrein relevant sind. Insofern ist es für die Mandanten beruhigend, dass die Honorarforderungen für diese Beratungsfelder weitgehend stabil bleiben, bei Nachfolgethemen sogar deutlich sinken. Auch im klassischen Gesellschaftsrecht bewegt sich wenig. Im Gewerblichen Rechtsschutz bleibt es bei der gewohnten Zweiteilung: Das Patentrecht ist um einiges kostspieliger als das Marken- und Wettbewerbsrecht.

Branchenbezogene Beratung (Energierecht, Informationstechnologie, Medien, Gesundheitswesen, Versicherungsrecht)


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Die Veränderungen bei den Stundensätze der hier zusammengefassten Rechtsgebiete liegen zwar etwas über dem Durchschnitt, bleiben insgesamt jedoch moderat. Das Energierecht verzeichnete einen leichten Anstieg und schaffte wieder den Sprung über die 300-Euro-Marke. Bergab ging es für die Versicherungsrechtler: Der durchschnittliche Stundensatz für die Partner sank um mehr als 8 Prozent. Hoher Wettbewerbsdruck und die Verhandlungsmacht der Unternehmen dürften Ursachen hierfür sein. Allerdings wäre es verfrüht, von einem Trend zu sprechen – insbesondere die Entwicklung der letzten Jahre im Energierecht hat gezeigt, dass gerade die branchenfokussierte Beratung sehr volatil ist, da Entwicklungen der Branche selbst kaum durch die Berater kompensiert werden können.

Beratung im öffentlichen Raum (Öffentliches Recht, Regulierung Wasser/Verkehr, Vergaberecht)

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Nach einem Zwischenhoch im Vorjahr sanken die Stundensätze in der Regulierungsberatung wieder leicht. Insgesamt bietet sich das gleiche Bild wie seit Jahren: Die Arbeit im öffentlichen Raum bleibt – trotz eines leichten Anstiegs im Öffentlichen und im Vergaberecht – die am wenigsten lukrative für die Kanzleien. Kein einziges dieser Rechtsgebiete erreicht einen durchschnittlichen Partnerstundensatz von mehr als 300 Euro. Ein Grund dürfte sein, dass die komplexen, politiknahen und damit auch hochpreisigen Mandate aus diesem Sektor oft an solche Großkanzleien gehen, deren Stundensätze in die vorliegende Aufstellung nur vereinzelt eingeflossen sind.