Seite drucken

ANWALTS-STUNDENSäTZE 2015

Partner- und Associatestundensätze spezialisierter Anwaltspraxen waren 2015 im Aufwind. 342 Euro verlangte ein Partner in Deutschland im Durchschnitt (Vorjahr: 328 Euro), Associates lagen bei 263 Euro pro Stunde (Vorjahr: 255 Euro). Der Bereich Banking/Finance machte wieder einen deutlichen Sprung, vor allem dank des Bankaufsichtsrechts. Insgesamt jedoch bleibt die krisennahe Beratung (Durchschnitt bei 377 €) vor dem Transaktionsgeschäft (Durchschnitt bei 371 €) – trotz zahlreicher, großer Deals. Wie schon im Vorjahr bewegten sich die Honorare mittelständisch orientierter Kanzleien kaum. Es gelingt ihnen nicht, den Sparkurs vieler Unternehmen für sich zu nutzen (mehr…).

Stundensätze 2015

Alle aufgeführten Stundensätze beruhen erneut auf über rund 800 Selbstauskünften von Kanzleien. Diese haben in der Regel weniger als 50 Anwälte, darunter sind zahlreiche Boutiquen. Internationale Großkanzleien sind im Verhältnis zu ihrer Marktpräsenz unterrepräsentiert. Alle Angaben in Euro.

Die Entwicklung der Stundensätze bei den anwaltlichen Spezialisten war 2015 zumindest für die Kanzleien erfreulich: Die Partner- und Associatesätze stiegen deutlicher als im Vorjahr. Bei den Partnerhonoraren ging es um 4 Prozent rauf, bei den Associate-Sätzen um 3,2 Prozent. Die kräftigsten Steigerungen gab es in dem seit Jahren sehr volatilen Bereich Banking/Finance, aber auch im Vertriebs- und Außenhandelsrecht. Das meiste Geld wird jedoch weiterhin in der krisennahen Beratung bezahlt. So liegt etwa der durchschnittliche Partner-Stundensatz in der Compliance-Arbeit erstmals über 400 Euro. In oder nahe der Krise wird kaum verhandelt.

Transaktionsnahe Beratung (Banking/Finance, Kartellrecht, M&A, Private Equity, Immobilienrecht)

Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Die Entwicklung der Honorare spiegelt die wirtschaftliche Entwicklung wider: Die Renaissance von Private Equity und die Bedeutung bankaufsichtsrechtlicher Fragen führen dazu, dass diese beiden Beratungsfelder 2015 im Schnitt besser honoriert wurden als das Kartellrecht. Letzteres hatte im Vorjahr noch klar die Nase vorn. Demgegenüber bleiben die Honorare bei M&A und Immobilien recht stabil – trotz einer steigenden Zahl an Deals. Hier dürfte sich bemerkbar machen, dass gerade bei weniger komplexen Transaktionen viele Unternehmen differenzierter mandatieren und in diesem Rahmen auf günstigere Kanzleien setzen. Entsprechend wächst die Auswahl an erfahrenen Beratern und somit der Wettbewerb, der die Preise im Zaum hält. Die tatsächlich gezahlten Spitzensätze internationaler Großkanzleien bei Transaktionen liegen weiterhin um die 700 Euro, vereinzelt auch darüber. In dieser Riege ist auch der Immobilienboom spürbar, der etablierte Praxen an ihre Kapazitätsgrenzen führt und die Preise steigen lässt.

Krisennahe Beratung (Compliance, Kapitalanlegerschutz, Litigation, Restrukturierung, Wirtschaftsstrafrecht)

rm_grafik

Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

Compliance und Wirtschaftsstrafrecht rangieren weiterhin in der Gruppe der teuersten Beratungsfelder. Der durchschnittliche Partnerstundensatz im Bereich Compliance liegt sogar erstmals über 400 Euro. Geschuldet ist das nicht nur den internationalen Großkanzleien, die sich immer intensiver um lukrative Untersuchungsmandate bemühen, hier lassen sich auch kleinere Kanzleien und Boutiquen gut bezahlen. Auch im Strafrecht dominieren die Boutiquen, die dank zahlreicher Hauptverhandlungen oft stärker ausgelastet sind als ihnen lieb ist. Die krisennahe Beratung bleibt mit großem Abstand die kostenintensivste für die Unternehmen. Der Grund: Oft schwächen akute Krisen wegen der Dringlichkeit und des Zeitmangels die Verhandlungsposition der Konzerne. Zudem ist das wirtschaftliche Risiko in der Krise so hoch, dass es den Unternehmen auf die Höhe der Stundensätze nicht mehr ankommt.

Regelmäßige Beratung (Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Nachfolge/Vermögen, Privates Baurecht, Steuerrecht, Vertrieb/Außenhandel)

Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Zusammengefasst sind hier die Rechtsgebiete, die für jedes Unternehmen in unterschiedlicher Ausprägung jahraus, jahrein relevant sind. Signifikant teurer wurde die Beratung im Vertriebs- und Außenhandelsrecht. Zwar ist es noch zu früh, hier von einem Trend zu sprechen, doch sind beide Beratungsfelder komplexer und krisenhafter geworden: Im Vertriebsrecht nehmen Kartellbehörden zunehmend Vertriebsmodelle ins Visier und im Außenhandel drohen Embargoverstöße. 

Branchenbezogene Beratung (Energierecht, Informationstechnologie, Medien, Gesundheitswesen, Versicherungsrecht)


Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Die Stundensätze der hier zusammengefassten Rechtsgebiete sind relativ stabil geblieben. Der signifikante Anstieg im Versicherungsrecht ist primär einigen wenigen Honorar-Ausreißern geschuldet, in der Breite stagnieren die Stundensätze aber auch in diesem Beratungsfeld. Dass der Bereich Informationstechnologie teurer wird, überrascht kaum. Denn die Bedeutung von Datenschutzfragen, die hier ebenso eine Rolle spielen wie in der Compliance-Arbeit, steigt seit Jahren und damit auch der Beratungsbedarf. So ist die IT-Beratung auch eine der wenigen, die seit 2008 recht konstant teurer geworden ist. Für große Kanzleien ist die branchenbezogene Beratung jedoch weiterhin nur in Kombination mit anderen Angeboten attraktiv, etwa mit Compliance oder M&A, da der Großteil der hier anfallenden Arbeit nicht zu ihrem Geschäftsmodellen passt. 

Beratung im öffentlichen Raum (Öffentliches Recht, Regulierung Wasser/Verkehr, Vergaberecht)

Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Die Arbeit im öffentlichen Raum bleibt für die Kanzleien die am wenigsten lukrative. Das liegt zum einen an der konsequenten Ausschreibungspolitik der öffentlichen Hand für Beraterdienstleistungen, zum anderen daran, dass ein großer Teil der Themen – etwa im Planungsrecht –  nur wenig innovativer Beratung bedarf. Lediglich im Regulierungsbereich steigen die Stundensätze leicht. Die komplexen, politiknahen und damit auch hochpreisigen Mandate aus diesem Sektor gehen oft an solche Großkanzleien, deren Stundensätze in die vorliegende Aufstellung nur vereinzelt eingeflossen sind.