5G-Mobilfunk

Baker-Mandantin Rakuten baut Netz für 1&1

Zum Aufbau seines 5G-Mobilfunknetzes kooperiert der Telekommunikationsanbieter Drillisch Netz mit dem japanischen Netzausstatter Rakuten. Gemeinsam wollen sie das europaweit erste vollständig virtualisierte Mobilfunknetz auf Basis des offenen Standards 'Open RAN' aufbauen. Insgesamt 14 Verträge haben 1&1 Drillisch, 1&1 Versatel und Rakuten dafür unterzeichnet.

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Holger Lutz
Holger Lutz

Konkret sieht die Partnerschaft vor, dass Rakuten die aktiven Netzbestandteile installieren und für die Gesamtperformance des Netzes verantwortlich sein wird. 1&1 bekommt Zugriff auf die hauseigene Plattform (Rakuten Communications Platform – RCP), das Herzstück des dann vollständig virtualisierten und software-gesteuerten Netzes. Der Bau des 1&1-Netzes solle im kommenden Quartal beginnen.

Um ihr Mobilfunknetz zu betreiben, braucht Drillisch Netz ihre Schwestergesellschaft 1&1 Versatel, die Festnetzdienstleistungen bereitstellt. Sie bietet ein Netzwerk an Datenzentren samt der angeschlossenen Glasfaserinfrastruktur, die zusammen mit den Antennen den Betrieb für den Kunden ermöglichen. Um den Kunden in der Netzaufbauphase einen lückenlosen Netzzugang zu ermöglichen, bleibt für Drillisch Netz das National-Roaming-Abkommen mit Telefónica Deutschland wichtig.

Netztechnik der Zukunft

‚Open RAN‘ (Radio Access Network) verspricht den Abbau technologischer Barrieren, die bisher den Markt abgeschottet haben. Durch den neuen Standard sollen Komponenten der Mobilfunknetze herstellerübergreifend kompatibel werden. ‚Open RAN‘ erlaubt es den Betreibern, Zubehör von verschiedenen Anbietern zu nutzen und Anbieter auch kurzfristig zu wechseln. Bisher gibt es nur geschlossene Systeme.

Katharina Hesse
Katharina Hesse

Die United Internet-Tochter, die 2019 Frequenzen für den Mobilfunknetzbetrieb ersteigerte, hatte bereits 2020 verkündet, mit drei Anbietern von Netztechnik über Partnerschaften zum Netzausbau in Deutschland zu verhandeln. Rakuten mit seiner Open-RAN-Erfahrung nannte der United Internet-Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth damals als Vorbild für den geplanten Netzaufbau. Medieninformationen zufolge verhandelte 1&1 Drillisch auch mit Nokia und Ericsson.

Nicht bekannt ist, welche weiteren Ausstatter Rakuten beim Netzausbau in Deutschland helfen werden. In Japan und den USA wird Rakuten nach eigenen Angaben mit dem Ausrüster Cisco zusammenarbeiten. Vom Einsatz der Virtualisierungstechnik durch Rakuten profitieren auch weitere Unternehmen wie etwa der Softwareanbieter Altiostar, den Rakuten für mehr als eine Milliarde Dollar übernehmen will.

Rakuten ist in Deutschland durch die Übernahme von Tradoria bekannt. 2011 übernahm die damals noch als japanische Version von Amazon bekannte Gruppe das Start-up von den Gründern sowie den Investoren, darunter Seventure Partners und DuMont Venture Holding. Aktuell firmiert das Unternehmen als Rakuten Deutschland mit Sitz in Bamberg.

Berater Rakuten
Baker McKenzie (Frankfurt): Dr. Holger Lutz (IT), Dr. Peter Wand (Corporate/M&A; beide Federführung), Florian Tannen (IT; München), Prof. Dr. Joachim Scherer, Anahita Thoms, Dr. Claire Dietz-Polte (beide Berlin; alle Regulierung), Dr. Johannes Teichmann (Vertragsrecht), Dr. Oliver Socher (Bank- und Finanzrecht), Dr. Stephan Schnorberger (Düsseldorf), Jochen Meyer-Burow, Sonja Klein (alle Steuerrecht), Prof. Dr. Artur Swierczok (Corporate/M&A), Silke Fritz (Bank- und Finanzrecht); Associates: Rouven Reuter, Yixin Yang, Nikolas Lazaridis (alle Corporate/M&A), Simone Rieken, Susanna Milne (beide IT), Vivien Vacha (Regulierung; beide Berlin), Dr. Ingmar Oltmanns, Rebecca Romig (Vertragsrecht), Emmanuel Hadjidakis (Singapur), Philipp Thimm, Wataru Inagaki, Fei Zhou (Tokio; alle Bank- und Finanzrecht), Benjamin Bergau (Steuerrecht), Amelie Czekalla (Arbeitsrecht), Andreas Jagusch (IP)
Inhouse Recht (Tokio): Mitsuru Koyama (General Counsel), Jenny Paschen (Head of Legal; Düsseldorf) – aus dem Markt bekannt

Theresa Ehlen
Theresa Ehlen

Berater Drillisch Netz/1&1 Versatel
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Katharina Hesse (M&A/Regulierung), Dr. Sebastian Schneider (Corporate/M&A; beide Federführung), Dr. Daniela Favoccia (beide Frankfurt), Dr. Lucina Berger (beide Corporate/M&A), Dr. Thomas Lang (Immobilienwirtschaft/M&A), Dr. Frank Burmeister (Corporate/M&A), Dr. Johannes Tieves (Finanzierung; alle Frankfurt), Dr. Christian Möller (Corporate/M&A), Prof. Dr. Dirk Uwer (Regulierung), Dr. Wolfgang Kellenter (Gewerblicher Rechtsschutz/IT), Dr. Carl-Philipp Eberlein (Versicherungsrecht), Patrick Wilkening (Gewerblicher Rechtsschutz/IT), Dr. Johannes Baumann (Corporate/M&A), Dr. Christian Häußer (Arbeitsrecht; beide Frankfurt); Associates: Dr. Marika Öry, Dr. Jan Häller, Dr. Moritz Weidemann, Maximilian Kunzelmann (alle Frankfurt), Jesco Lindner, Maxi Ludwig, Dr. Daniel Roggenkemper (alle Corporate/M&A), Dr. Michael Schramm (Regulierung), Dr. Marvin Geisler (Versicherungensrecht)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Theresa Ehlen (IP/IT), Prof. Dr. Norbert Nolte (Regulierung; beide Federführung); Associates: Dr. Vera Ibes, Dr. Andreas Schuler (alle Regulierung), Mark Egeler (IP/IT), Bart Verheijen (Kartellrecht), Romy Siebelink (Konfliktlösung; alle drei Amsterdam)
Inhouse Recht (Montabaur): Dr. Gerd Kiparski (Head of Legal & Privacy), Dr. Marc Schütze (Vice President Regulation Group) – aus dem Markt bekannt

Berater 1&1 Versatel
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Frankfurt): Markus Lennartz (Corporate/IT), Dr. Jörg Schewe (Corporate/M&A; Hamburg; beide Federführung), Dr. Philip Kempermann (IT/Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Kai Bandilla (Corporate/M&A; Hamburg), Dr. Thomas Jansen (München), Christine Grau, Michael Kuska (Düsseldorf), Britta Hinzpeter (München), Antje Münch (Stuttgart); Associates: Manuel Poncza, Alexa Finke (Düsseldorf), Dr. Felix Drefs (Stuttgart; alle IT/Vertragsrecht), Antonia Allmendinger (Corporate/Vertragsrecht)
Inhouse Recht (Karlsruhe): Markus Kadelke (General Counsel), Dr. Christian Bron (Regulatory Affairs), Steffen Vogel (Düsseldorf) – aus dem Markt bekannt

Markus Lennart
Markus Lennart

Hintergrund: Nach JUVE-Informationen war Rakuten erst im Sommer 2020 in die engere Auswahl als 1&1-Partner für den Netzaufbau in Deutschland gekommen. Zu diesem Zeitpunkt gewann Baker einen Pitch zur Beratung des Unternehmens, als erstes Mandat für die Japaner in Deutschland. Mit der ehemaligen Vodafone Head of Legal, Paschen, hat Rakuten seit Anfang Juli auch hierzulande ein Inhouse-Team.

Hengeler ist schon seit 2018 und somit noch vor der Frequenzvergabe mit dem rechtlichen Konzept für den Netzaufbau auf der Seite von 1&1 befasst. Dazu gehörte auch die Verhandlung zum National Roaming mit Telefónica Deutschland als Übergangslösung. Für 1&1 Drillisch und 1&1 Versatel verhandelte das Hengeler-Team mit diversen Netzausstattern und zuletzt dann vor allem mit Rakuten die Verträge für den Netzaufbau in Deutschland.

Einzelne Vertragsteile prüfte zuletzt noch ein Freshfields-Team um die Partner Ehlen und Nolte. Nolte und seine Telekommunikationsmannschaft, zu der auch Dr. Christoph Werkmeister gehört, sind regelmäßig für 1&1 Versatel in regulatorischen Verfahren im Festnetzbereich tätigt. Zuletzt bei Verhandlungen mit der Deutschen Telekom zu einem Vertrag, der 1&1 den Zugriff auf Glasfaseranschlüsse ermöglicht.

Für Fragen, die 1&1 Versatel zum gesamten Vertragswerk mit Rakuten im Innenverhältnis mit 1&1 Drillisch beschäftigte, setzt die Schwestergesellschaft auf Heuking, die punktuell aber auch in den Verhandlungen mit Rakuten eingebunden war. Der auf Infrastrukturprojekte spezialisierte Partner Lennartz war bis 2015 unter anderem bei der Deutschen Telekom und bei T-Systems beschäftigt, zuletzt als Vice President Global Accounts. Seit 2019 ist er Partner bei Heuking in Frankfurt. Er leitet dort die Praxisgruppe Informationstechnologie. (Martin Ströder; mit Material von dpa)

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