Abschied vom Flüssiggas

Linde setzt bei Verkauf von Tanker und Terminals auf Gleiss

Linde ist aus dem Flüssigerdgasgeschäft ausgestiegen: Das Unternehmen verkaufte den Geschäftsbereich ‚Clean Energy‘ in Norwegen und Schweden, der bislang zur Linde-Tochter AGA gehörte, sowie Terminals und Bunkerschiffe der Tochter Nauticor. Käufer war der finnische Gaskonzern Gasum, der – sofern die Wettbewerbsbehörden zustimmen – damit auch gleich 48 Tankstellen in Skandinavien aus der Linde-Gruppe übernimmt.

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Ralf Morshäuser
Ralf Morshäuser

Die Linde-Tochter AGA sitzt in Schweden, Nauticor hat seinen Hauptsitz in Hamburg. Zusammen erwirtschafteten die Geschäftsbereiche ‚Clean Energy‘ und ‚Marine Bunkering‘ zuletzt rund 100 Millionen Euro Umsatz. Der traditionsreiche Gasekonzern Linde hatte sich im vergangenen Jahr mit dem US-Konkurrenten Praxair zusammengeschlossen. Allerdings mussten sich beide Konzerne aufgrund von Kartellauflagen von milliardenschweren Geschäftsteilen trennen. Das fusionierte Unternehmen Linde plc beschäftigt weltweit 80.000 Mitarbeiter, davon rund 7.000 in Deutschland. Doch bereits vor der Fusion hatten die Münchner Unternehmenslenker ein Sparprogramm mit Stellenabbau gestartet.

Der neue Eigner Gasum befindet sich im finnischen Staatsbesitz. Der Übertragungsnetzbetreiber für Erdgas, der einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro verbucht, ist auf Expansionskurs: Im vergangenen Jahr hatte er schon die norwegische LNG-Gesellschaft Skangas komplett übernommen.

Berater Gasum
Castrén & Snellman (Helsinki): Carola Lindholm (M&A), Merja Kivelö (Kapitalmarktrecht), Sari Laaksonen (Steuern), Jussi Nieminen, Rickard Langenskiöld (beide Kartellrecht); Associates: Salla Viitikko, Alexandra Pensar, Isanel Careplan (beide M&A), Oskar Jokinen​ (Gesellschaftsrecht), Jenni Korhonen (Steuern), Ruusu Nyquist (Baurecht), Johanna Salo (Kartellrecht)
Noerr (München): Dr. Florian Becker (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Elmar Bindl (Steuerrecht), Dr. Wolfgang Schelling (Arbeitsrecht); Associate: Anna Loibl (Private Equity) − aus dem Markt bekannt

Berater Linde
Inhouse Recht
(München): Sandra Albrecht (M&A), Georg Terhorst (Kartellrecht)
Gleiss Lutz: Dr. Ralf Morshäuser (München), Dr. Patrick Mossler (Hamburg; beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Petra Linsmeier (Kartellrecht; München), Dr. Johann Wagner, Dr. Hendrik Marchal (beide Steuerrecht; beide Hamburg), Dr. Jacob von Andreae (Öffentliches Recht; Düsseldorf), Dr. Tobias Falkner (Corporate/M&A), Dr. Matthias Werner (IP/IT; beide München); Associates: Dr. Moritz Riesener, Melina Grauschopf (beide München), Dr. Daniel Heck (Hamburg; alle Corporate/M&A), Tobias Klemm (Kartellrecht; München), Aylin Hoffs (Öffentliches Recht; Düsseldorf)

Berater Nauticor
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Henning Schneider; Associate: Jacob Ahme (beide M&A) − aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Gleiss‘ langjährige Mandatsbeziehung zu Linde geht auf die Zusammenarbeit der Kanzlei mit Siemens zurück. Als der frühere Siemens-Syndikus Solms Wittig 2012 als General Counsel zu Linde kam, empfahl er Morshäuser, den heutigen Co-Leiter der M&A-Praxis von Gleiss Lutz. Daraus hat sich eine enge Zusammenarbeit im Transaktionsgeschäft entwickelt, die sich auch fortsetzte, als Wittig 2017 dann weiter zum neu gegründeten Verteidigungstechnikunternehmen Hensoldt wechselte.

Während Linde in den Fusionsverhandlungen mit Praxair von Hengeler Mueller beraten wurde, die auch die größeren Abverkäufe für die Fusionskontrolle aushandelte, kam Gleiss beispielsweise 2018 für das Auktionsverfahren zum Verkauf der Tega (Technische Gase und Gasetechnik) zum Zuge. Auch beriet Gleiss den Dax-Konzern jüngst  bei der Gründung eines Joint Ventures mit dem britischen Unternehmen ITM Power.

Bei der aktuellen Transaktion übernahm Gleiss die externe Federführung zum Carve-out und Verkauf von Unternehmensteilen in Schweden, Norwegen und Deutschland und zog dafür auch Mannheimer Swartling (Schweden), Wikborg Rein (Norwegen) und Hannes Snellman (Finnland) hinzu.

Bei Linde selbst hat sich seit dem Zusammenschluss nach JUVE-Recherchen das Rechtsteam leicht verschlankt. So verließ beispielsweise der Corporate-Experte Henning Asche, zuletzt Head of Legal Corporate & Finance, nach mehr als 14 Jahren das Unternehmen mit noch unbekanntem Ziel.

Auch Gasum setzte bei der Transaktion auf eine vertraute Beraterin: Mithilfe Castrén & Snellmann, die rund 100 Berufsträger zählt, hatte sie in den vergangenen Jahren unter anderem das Unternehmen Swedish Biogas und den norwegischen LNG-Betreiber Skangas erworben. Die finnische Kanzlei zog für die deutschrechtlichen Aspekte Noerr hinzu, mit der sie regelmäßig, aber nicht exklusiv zusammenarbeitet.

Wir haben den Artikel nachträglich ergänzt

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