Juve Plus Übernahme-Coup

BRG schluckt E.CA: Sidley und Raue begleiten Megafusion der Wettbewerbsökonomen

Das US-Beratungsunternehmen Berkeley Research Group (BRG) übernimmt das in Berlin gegründete Beratungshaus E.CA Economics. Mit dem Zukauf baut BRG seine europäische Präsenz aus und betritt erstmals den deutschen Markt. Der Schritt gleicht einem Erdbeben in der Wettbewerbsökonomie: E.CA gilt in Deutschland als Marktführer, insbesondere im Kartellschadensersatz.

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E.CA Economics wurde 2007 von den Ökonomen Dr. Hans Friederiszick, Dr. Rainer Nitsche und Prof. Lars-Hendrik Röller gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 50 Ökonomen an den Standorten Berlin, Brüssel, London und München. Das Haus berät in Fusionskontroll-, Kartell- und Schadensersatzverfahren sowie in Beihilfefällen. Zu den Top-Mandanten zählen Apple in Marktmachtmissbrauchsverfahren sowie in Kartellschadenersatzkomplexen: Daimler Truck (Lkw), Lundbeck (‚Pay for Delay‘), Beiersdorf (Drogerieartikel) und Südzucker.

Rainer Nitsche

E.CA gilt als führendes deutsches Beratungsunternehmen für Wettbewerbsökonomie und gehört den Gründern Nitsche und Friederiszick, die nach dem Verkauf Anteile an BRG erhalten und dort Managing Directors werden. In einer JUVE-Marktanalyse von 2023 wurden beide als führende Wettbewerbsökonomen in Deutschland geführt.

E.CA war das einzige deutsche wettbewerbsökonomische Beratungshaus, das international in der Champions League spielte – hatte gegenüber globaler aufgestellten Wettbewerbern wie BRG, RBB oder Compass Lexecon allerdings den Nachteil, dass es nicht in allen Teilen der Welt als Top-Tier-Einheit galt. Das kann Grenzen setzen für bestimmte globale Mandate, die in der neuen Aufstellung überwunden werden sollen. Nach der Übernahme soll der Name E.CA erhalten bleiben – nur versehen mit dem Zusatz „a BRG Company“.

Hans Friederiszick

Mit dem Zusammenschluss vereint BRG zwei ehemalige Chefökonomen der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission unter einem Dach: Röller und Prof. Kai-Uwe Kühn. Die kombinierte europäische Antitrust- und Competition-Praxis soll künftig von Friederiszick und Nitsche gemeinsam mit Prof. David Sunding in den USA, Konstantin Ebinger in Brüssel und David Parker in London geleitet werden.

Markteintritt in Deutschland

Für BRG ist die Transaktion zugleich der Markteintritt in Deutschland. Das 2010 gegründete Beratungshaus beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.800 Fachkräfte in über 40 Niederlassungen weltweit und ist neben Wettbewerbsökonomie auch in Dispute Resolution, Corporate Finance und Performance Improvement tätig. Erst im vergangenen Jahr hatte BRG in Hongkong unter Dennis Beling eine eigene Competition-Praxis aufgebaut; weitere Expansionen nach Indien und Australien sind laut Mitteilung geplant. Die Übernahme von E.CA kommt drei Jahre, nachdem BRG bereits das komplette in Brüssel ansässige deutsche Team des Beratungshauses Brattle um Kühn und Ebinger übernommen hatte.

Sunding, Vice Chairman bei BRG, erklärte, der Ansatz von E.CA passe zum Anspruch des Hauses an methodisch fundierte Analyse und Unabhängigkeit. Nitsche verwies darauf, dass beide Unternehmen kulturell zusammenpassen; das gemeinsame Haus werde in allen großen europäischen Ländern präsent sein. BRG erwartet, dass der Ausbau der europäischen Präsenz die Einführung zusätzlicher Angebote auf dem deutschen Markt unterstützen wird.

Die Berater im Überblick

Björn Holland

Berater Berkeley Research Group:
Sidley Austin (München): Björn Holland (M&A), Jörg Fischer (Steuerrecht); Associate: Dr. Sarah Braun (M&A) – aus dem Markt bekannt.

Berater E.CA
Raue (Berlin). Prof. Dr. Andreas Nelle, Dr. Nadine Hartung (Corporate; beide Federführung), Friedhelm Unverdorben (Steuerrecht), Dr. Michael Bergmann (Kartellrecht); Assosiates: Lina-Sophie Al-Slaiman, Daniel Reinhardt (beide Corporate), Dr. Alexander Schwarzkopf (Kartellrecht), Dr. Emilia Blume (Arbeitsrecht)

Andreas Nelle

Hintergrund: Beide beteiligten Kanzleien kannten ihre Mandanten bereits aus früherer Zusammenarbeit. BRG war in den USA bereits einmal Sidley-Mandantin, sodass die Kanzlei im E.CA-Projekt die Chance zum Pitch erhielt – und sie nutzte. Auch E.CA und deren Gesellschafter Nitsche und Friederiszick waren bereits vor dem Verkauf an BRG schon einmal Raue-Mandanten.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Beitrag am 28.4.26 um die Berater der zugrundeliegenden Transaktion ergänzt.

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