Insolvente MV Werften

Disney kauft mit Watson Farley Kreuzfahrtschiff ,Global Dream‘

Der Disney-Konzern kauft das bisher unter dem Namen ,Global Dream‘ bekannte Kreuzfahrtschiff der insolventen MV-Werften-Gruppe. Die hauseigene Reederei des Unterhaltungsriesen Disney Cruise Line will das Schiff in Wismar unter ihrer Regie von Experten der Meyer Werft fertigbauen lassen. Für den Insolvenzverwalter der MV Werften endet damit eine lange Suche.

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Maren Brandes

Auf dem Kreuzfahrtriesen, der auch unter dem Namen ‚Global One‘ bekannt war, sollten ursprünglich rund 9.500 Menschen Platz finden. Es sollte damit das nach Passagierzahl weltgrößte Schiff werden. Disney plant nun mit einer Kapazität von rund 6.000 Passagieren bei etwa 2.300 Besatzungsmitgliedern, die auf dem 342 Meter langen und 46 Meter breiten Schiff mit seinen 20 Decks Platz finden sollen. 

Für den Insolvenzverwalter spielte das zu 75 Prozent fertiggestellte Schiff eine zentrale Rolle bei der der Aufgabe, die er Anfang des Jahres übernommen hatte. Die Alternative zum Verkauf wäre die Verschrottung des unfertigen Giganten gewesen.

Alle Türen bis zuletzt offen gehalten

Der Verkauf des Kreuzfahrtschiffs aus der Insolvenzmasse der MV Werften war zuvor mehrmals gescheitert. Neben dem Käufer muss vor allem auch das Finanzierungskonsortium um die KfW Ipex dem Verkauf zustimmen. Zum aktuellen Kaufpreis gibt es keine offiziellen Informationen. Er dürfte aber deutlich unter den 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro liegen, die für das Schiff vor Baubeginn veranschlagt wurden. 

Christoph Morgen

Durch den Verkauf an Disney sieht der Insolvenzverwalter den Fortbestand des Schiffbau-Standorts Wismar mit seinen verbliebenen 900 Beschäftigten gesichert. Für die hatte er zwischenzeitlich eine Transfergesellschaft gegründet und zuletzt auch die Werft von ihren neuen Eigentümern von TKMS für die Fertigstellung vor Ort zurückgemietet. Der Erfolg der Prozedur liegt darin, dass es über den langen M&A-Prozess hinweg gelang, nicht nur das Schiff am Platz, sondern vor allem auch das Personal bereitzuhalten.

Disney sorgt für Happy End

Operativ geleitet werden soll der Fertigbau des Kreuzliners durch die Meyer Werft in Papenburg. Nach JUVE-Informationen pflegt diese enge geschäftliche Kontakte zu dem Unterhaltungskonzern. Sie war es demzufolge auch, die dem US-Unternehmen den Deal schmackhaft machte. Disney peilt nun eine Fertigstellung bis Ende 2024 oder Anfang 2025 an und will unter anderem den Antrieb von Schweröl auf Methanol umrüsten lassen.

Das Schiff war vom früheren MV Werften-Eigner – dem chinesischen Kreuzfahrtkonzern Genting Honkong – ursprünglich für den asiatischen Markt bestimmt gewesen. In der Pandemie gingen jedoch zunächst die MV Werften und später auch der Mutterkonzern insolvent. Damit begann der Abverkauf.

Neben Disney kamen dabei auch andere Unternehmen zum Zug: Der U-Boot-Bauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) erwarb die Werft in Wismar, das Marinearsenal der Bundeswehr, das Gelände in Rostock und die Stadt Stralsund die Liegenschaften in Vorpommern. Weitere Teile der Gruppe gingen an die niedersächsischen Werften Meyer und Fassmer. Diese sicherten sich gemeinsam das Schiffbau-Ingenieurbüro Neptun Ship Design in Rostock. Der Medizintechniker Eppendorf übernahm den Standort der MV Werften-Fertigmodule in Wismar.

Berater Disney
Watson Farley & Williams (London): Maren Brandes, Robert Platt (beide Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Insolvenzverwaltung MV Werften
Brinkmann & Partner (Hamburg): Dr. Christoph Morgen (Verwalter), Dr. Tobias Brinkmann, Dr. Annika Schinkel, Daniel Arends, Robert Derlich, Andre Erckens, Maria Richter

Berater Insolvenzverwalter
Ehlermann Rindfleisch Gadow (Hamburg): Stefan Rindfleisch, Richard Henderson (London); Associate: Benjamin Chen (alle Finanzierung)

Stefan Rindfleisch

Berater Meyer Werften
Ahlers & Vogel (Bremen): Dr. Eva-Maria Harm, Martin Rosenzweig (beide Federführung), Dr. Tobias Eckardt (Leer), Moritz Naegeler, Ronny Grunewald (beide Bremen); Associate: Carolin Duijn (Hamburg)

Berater KfW Ipex
Norton Rose Fulbright (Hamburg): Timo Noftz (Finanzierung), Dr. Sylwia Bea, David Schrader (beide Restrukturierung; beide Frankfurt; Associates: Michael Volks, Marvin Nimoh (beide Finanzierung) 
Inhouse Recht: Dr. Klaus Hellermann

Berater Finnvera
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Franz-Bernhard Herding; Associates: Simon Mattiat, Moritz Probst (alle Finanzierung)  

Berater Mecklenburg-Vorpommern
PricewaterhouseCoopers Legal (Schwerin): Karin Meyer zu Bergsten (Landesbürgschaften)

Sonderinsolvenzverwalter 
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus

Hintergrund: Die Berater sind überwiegend aus dem Markt bekannt.

Für die Käufer war Watson Farley-Partnerin Brandes im Mandat. Die langjährige Partnerin der unter anderem auch auf Schiffsfinanzierungen spezialisierten Kanzlei hatte 2005 deren Hamburger Büro eröffnet, ist aber mittlerweile fest von London aus tätig.

Den Kaufvertrag verhandelte Brandes auf der Seite des Insolvenzverwalters mit Ehlermann Rindfleisch Gadow, die für ihre langjährige Erfahrung mit Schiffsfinanzierungen im Markt bekannt ist.

Die Meyer Werft, die der Insolvenzverwalter Morgen in den M&A-Prozess einband, ließ sich von der Bremer Kanzlei Ahlers & Vogel beraten. 

Timo Noftz

Für komplizierte Rechtsfragen zwischen den Gruppengesellschaften der insolventen Werft war BRL-Partner Denkhaus als Sonderinsolvenzverwalter eingebunden. Ihm kam unter anderem eine Rolle bei der Rückmietung des Werftgeländes zu.

Zuschlag nur mit KfW-Zusage

Morgen war bei dem Verkauf des Schiffes nicht nur auf einen Interessenten, sondern auch auf die Unterstützung des von der KfW angeführten Bankenkonsortiums angewiesen. Erneut kam hier ein internationales Team von Norton Rose um den Hamburger Partner Noftz zum Einsatz. Dieses hatte bereits die Finanzierung im Auftrag der KfW mit dem damaligen Eigentümer verhandelt. 

Franz-Bernhard Herding

Als die Restrukturierung der Finanzierung rund um die Schieflage der MV Werften scheiterte, kam zudem Allen & Overy-Partner Herding als Berater von Finnvera ins Mandat. Finnvera rückversichert neben Euler Hermes den KfW-finanzierten Schiffsliefervertrag, genau genommen die Kosten der finnischen Lieferanten der insolventen Werft. 

In der Finanzierungsstruktur ist der Anteil der Finnen insgesamt gering. Geringer jedenfalls als der der KfW sowie der von Mecklenburg-Vorpommern, die dazu von PwC beraten wurden. (mit Material von dpa)

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