Doch kein IPO

Israelis kaufen Schiesser und setzen auf Bögner Hensel

Autor/en
  • JUVE

Das süddeutsche Traditionsunternehmen Schiesser geht doch nicht an die Börse. Stattdessen ist der bekannte Unterwäschehersteller künftig in israelischer Hand. Die Textilgruppe Delta Galil mit Sitz in Tel Aviv hat Schiesser für rund 68 Millionen Euro gekauft.

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Bis zum August sollen nun alle Gläubiger des Radolfzeller Unternehmens bedient werden. Diese erhalten insgesamt noch 58 Millionen Euro. Die knapp 1.800 Arbeitsplätze, davon knapp ein Drittel in Deutschland, sollen vollständig erhalten bleiben. Schiesser war 2009 in die Insolvenz gerutscht (mehr…), vor allem durch unprofitable Lizenzverträge für fremde Marken. Insolvenzverwalter Dr. Volker Grub versuchte bereits damals, Schiesser zu verkaufen und der jetzige Käufer Delta Galil zeigte auch 2009/10 schon Interesse. Allerdings waren dem Insolvenzverwalter die Angebote vor drei Jahren zu niedrig, ein Verkauf kam daher nicht zustande. Es folgte eine rund zwei Jahre dauernde Sanierung des Unternehmens, das sich Anfang 2011 aus der Insolvenz befreien konnte.

In einem bislang sehr ungewöhnlichen Schritt hatte Grub die Gläubiger dann von einem Börsengang des kriselnden Unternehmens überzeugt. Hierdurch sei ein höherer Erlös zu erzielen, so die Annahme. Grub, der Schiesser auch nach dem Ende der Insolvenz als Chef des Aufsichtsrats erhalten blieb, hatte mit den Gläubigern für den IPO eine Frist bis Ende 2012 vereinbart. Aufgrund der wackeligen Situation an den Finanzmärkten musste der Börsengang aber mehrfach verschoben werden.

Nun folgte trotz weitgehend fertig gestellter Börsenvorbereitungen die Kehrtwende. In Augen des Insolvenzverwalters sei das aktuelle Börsenumfeld nach wie vor zu unsicher und damit der Verkauf an einen langfristigen Investor vielversprechender. Neben Delta Galil interessierte sich auch der tschechische Investor Penta Investments für Schiesser.

Für Delta Galil ist die Schiesser-Übernahme der Eintritt in den deutschsprachigen Markt. Der Textilhersteller produziert auf vier Kontinenten und beliefert rund 50 Markenhersteller in den USA und Europa. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei etwa 514 Millionen Euro. Schiesser kam demgegenüber zuletzt auf gut 130 Millionen Euro Umsatz.

Berater Delta Galil
Bögner Hensel & Partner (Frankfurt): Dr. Maximilian Rittmeister (Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater Schiesser
Grub Brugger (Stuttgart): Dr. Volker Muschalle (Gesellschaftsrecht/Insolvenzrecht)

Berater Penta Investments
Bouchon & Hemmerich (Frankfurt): Martin Bouchon, Michael Hemmerich, Robert Safran, Oliver Haaß, Ricardo Hernandez; Associates: Nicole Steppat, Johannes Pudelko

Hintergrund: Bögner Hensel hatte Delta Galil bereits 2009/10 im Bieterprozess um Schiesser beraten. Dies war seinerzeit das erste Mandat an der Seite der Israelis und mündete in eine fortlaufende Beratung. Zustande gekommen war der Kontakt ursprünglich über eine Empfehlung.

Der angesehene Insolvenzverwalter Volker Grub war auch nach dem Ende der Insolvenz als Aufsichtsratschef in die Zukunftspläne von Schiesser eingebunden und arbeitete eng mit Volker Muschalle, ebenfalls Partner in seiner Kanzlei zusammen. Den angedachten und weitestgehend vorbereiteten Börsengang begleitete CMS Hasche Sigle mit einem Team um Dr. Andreas Zanner, Kapitalmarktpartner der Kanzlei und Leiter des Frankfurter Büros.

Bouchon & Hemmerich berät Penta Investments schon seit einigen Jahren in Corporate/M&A-Fragen sowie im Kapitalmarktrecht. (René Bender)

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