Steigende Energiepreise

Freshfields berät Leag bei Milliarden-Stützungskredit

Das ostdeutsche Energieunternehmen Leag hat einen milliardenschweren Kredit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragt. Mit 5,5 Milliarden Euro handelt es sich offenbar um die größte Einzelhilfe, die die KfW seit der Griechenlandkrise vergeben hat.

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Leag Kraftwerk in der Lausitz. Foto: Leag AG

Dazu kommen erhebliche Mittel von anderen Stakeholdern – sowohl von Gesellschaftern als auch von Handelspartnern. Laut Brancheninsidern summiert sich das Paket auf fast 10 Milliarden Euro. Zunächst hatte das Handelsblatt über die Transaktion berichtet.

Frank Laudenklos

Grund für die Schieflage bei Leag sind die massiven Preiserhöhungen am Energiemarkt, die mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine noch zugenommen haben. Sowohl die Erzeuger von Strom, als auch die Importeure von Gas sichern sich vor Preisschwankungen ab, müssen im Rahmen der Sicherungsgeschäfte allerdings Barmittel hinterlegen. Die dafür erforderlichen Sicherungsleistungen führten bei Leag nun zu Liquiditätsproblemen.

Weitere Rettungspakete wahrscheinlich

Marktkennern zufolge besteht die Gefahr, dass weitere Energieunternehmen „insolvenzrechtlichen Tatbeständen“ entgegensehen würden. Leag ist bereits das dritte Energieunternehmen, das die KfW stützt. Zum Jahreswechsel hatte Uniper die Hilfe der KfW in Anspruch genommen, und kurz vor Bekanntwerden der Leag-Hilfen unterstützte die KfW den Leipziger Gaslieferanten VNG dabei, seine finanzielle Lage zu stabilisieren.

Leag ist nach RWE der zweitgrößte Braunkohleverstromer Deutschlands. Bis 2016 war sie ein Tochterunternehmen des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall. Damals übernahm der tschechische Energiekonzern EPH sowie das zentraleuropäische Private-Equity-Haus PPF das Unternehmen, das sich im vergangenen Jahr Bundesmittel für den klimabedingten Kohleausstieg sicherte.

Leag ist die gemeinsame Marke der Lausitz Energie Verwaltungs GmbH, Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz Energie Kraftwerke AG in Cottbus.

Berater Leag
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Berater KfW
Linklaters (Frankfurt): Dr. Urs Lewens (Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Urs Lewens

Berater Gläubiger
DLA Piper (Köln): Michael Cieslarczyk (Energierecht), Mike Danielewsky (Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Berater EPH
Hengeler Mueller (Berlin): Dr. Martin Tasma (Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Bei der Vergabe großvolumiger KfW-Kredite gibt es nur einen kleinen Kreis von Anwältinnen und Anwälten, der regelmäßig tätig ist. Freshfields-Partner Laudenklos war nach JUVE-Informationen auch bei den Rettungsmaßnahmen für Uniper und VNG involviert, allerdings auf Seite der KfW. Im Falle von Leag beriet er nun auf Unternehmensseite – wie er dies zuvor bereits bei den coronabedingten Hilfsfinanzierungen unter anderem der TUI getan hatte. Bei der Uniper-Stützung zu Jahresbeginn stand ihm dabei Linklaters-Counsel Lewens gegenüber, der hier die KfW beriet.

Nach JUVE-Informationen beriet DLA-Partner Cieslarczyk einen Gläubiger. Cieslarczyk ist auf langfristige Lieferverträge und die Absicherung solcher Geschäfte spezialisert.

Nach JUVE-Informationen ließ sich auch der Leag-Gesellschafter EPH zum Kredit der KfW beraten. Insbesondere EPH pflegt seit der Übernahme der Anteile von Vattenfall sehr gute Beziehungen zu Hengeler Mueller. Zuletzt setzte EPH bei den Verhandlungen zum Kohleausstieg auf ein Team um Prof. Dr. Dirk Uwer und Dr. Daniel Wiegand.

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