Volatile Energiepreise

Linklaters-Mandantin Uniper nimmt KfW-Hilfe in Anspruch

Der Energiekonzern Uniper wappnet sich für die unruhigen Zeiten an den Rohstoffmärkten. Angesichts teils extremer Preissprünge weitet der Konzern die finanzielle Absicherung seiner Geschäfte um bis zu 11,8 Milliarden Euro aus. Dazu zählen Kreditvereinbarungen mit dem finnischen Mehrheitseigentümer Fortum und der staatlichen Förderbank KfW.

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Urs Lewens

Uniper will mit den Finanzierungstransaktionen widerstandsfähiger werden. Steigt der Marktpreis für Gas wie zuletzt vor Weihnachten, dann sind Energiehändler in ihren bestehenden Vertragsbeziehungen steigenden Sicherheitsleistungen ausgesetzt. 

Die Spielregeln des Energiehandels fordern, die Sicherheitsleistungen tagesaktuell in bar zu hinterlegen. Bei den aktuellen Abweichungen des Marktpreises vom Vertragspreis kommen da kurzfristig horrende Beträge zusammen. Um zusätzliche Liquidität und finanzielle Flexibilität in „künftigen, potenziell extremen Marktsituationen“ sicherzustellen, seien daher entsprechende Maßnahmen ergriffen worden, teilte Uniper mit.

Viel Geld auch von der KfW

So wurde mit der Muttergesellschaft Fortum ein Kreditrahmenvertrag abgeschlossen, der die Düsseldorfer zu einem Finanzierungsvolumen von bis zu 8 Milliarden Euro berechtige. Dabei handele es sich um die Ausweitung einer bestehenden Vereinbarung, sagte ein Uniper-Sprecher. Bereits jetzt sei ein Teil davon in Anspruch genommen worden. Fortum hält aktuell mehr als drei Viertel der Anteile an den Düsseldorfern. Zudem sei bei den Kernbanken des Konzerns ein bestehender Kreditrahmen im vollen Volumen von 1,8 Milliarden Euro abgerufen worden.

Zusätzlich sei mit der staatlichen KfW-Bank ein Kreditrahmen von bis zu 2 Milliarden Euro vereinbart worden, der bis Ende April dieses Jahres laufe. Dabei handele es sich „um eine Absicherungsmaßnahme für den Fall extremer Marktentwicklungen in der Zukunft“. Der marktmäßige Kredit sei noch nicht in Anspruch genommen worden.

Kein Einzelfall

Frank Laudenklos

Der konkrete Bedarf an mehr Liquidität bei Uniper gehe zurück auf eine Situation Ende Dezember, sagte ein Sprecher. Kurz vor Weihnachten hatte sich der Anstieg der Gaspreise beschleunigt. Wenngleich sie jüngst wieder gefallen sind, ist Gas weiter deutlich teurer als vor einem Jahr. Unipers Finanzchefin Tiina Tuomela hatte schon im November bei der Zahlenvorlage für die ersten neun Monate auf einen starken Wettbewerb bei der Nachfrage nach Gas hingewiesen.

Uniper betont, dass im Zuge höherer Rohstoffpreise auch der Wert zugrundeliegender Vermögenswerte im Gas- und Stromportfolio steige. Somit hätten die Effekte keine nachteiligen Auswirkungen auf die Ertragslage. Deshalb hat Uniper jetzt auch keine Veränderungen an dem Ausblick für das Geschäftsjahr vorgenommen.

Nach JUVE-Informationen ist Uniper kein Einzelfall. Marktweit scheinen die volatilen Energiepreise nicht nur kleinere Versorger zu belasten. Auch Großunternehmen, die wie Uniper Energie erzeugen und handeln, stehen unter Druck. 

Berater Uniper
Linklaters (Frankfurt): Urs Lewens (Finanzierung; Federführung), Achim Kirchfeld (Corporate/M&A; Düsseldorf); Associates: Przemyslaw Lipin (beide Finanzierung) – aus dem Markt bekannt
Allen & Overy (Düsseldorf): Dr. Hans Diekmann (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Daniela Böning

Berater Fortum
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Daniela Böning, Dr. Nikolaus Vieten (beide Finanzierung)

Berater KfW
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos (Federführung); Associates: Dr. Dennis Chinnow, Laura Korndörfer (alle Finanzierung)
Inhouse Recht (Frankfurt): Klaus Hellermann, Octavie Belot, Dr. Ulrike Jaggi – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Uniper arbeitet seit vielen Jahren mit Linklaters zusammen. Für die Ausweitung des Finanzierungsrahmens führte der Frankfurter Counsel Lewens das Mandat. Der Düsseldorfer Partner Kirchfeld pflegt die Beziehung zu Uniper aus gesellschaftsrechtlicher Sicht. Er gehörte auch zu dem Team, das den ehemaligen Uniper-Vorstand gegenüber Fortum beriet, die seit 2019 die Mehrheit an Uniper halten. Fortum setzte wie seinerzeit auch hier wieder auf Hengeler Mueller.

Die KfW ließ sich gegenüber Uniper von Freshfields-Partner Laudenklos beraten. Die KfW hatte Laudenklos zuletzt regelmäßig auf der Gegenseite. Unter anderem für die Tui verhandelte er die Rettungsmilliarden aus ihrem Covid-Sonderfonds. Nun also musste Laudenklos mit seinem Team über die Weihnachtszeit bis ins neue Jahr das Rettungsinstrumentarium aus KfW-Sicht auf Uniper und deren Krisenszenarien anwenden. (mit Material von dpa)

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