Juve Plus Gesamtverkauf gescheitert

Gerloff und Görg wickeln Esprit ab, A&O-Mandantin kauft die Markenrechte

Der Geschäftsbetrieb der sieben deutschen Gesellschaften des Modeunternehmens Esprit wird nicht weitergeführt. Dies teilte das Unternehmen mit. Die 56 Geschäfte in Deutschland werden zum Jahresende geschlossen. Als werthaltiges Element sollen die Esprit-Markenrechte für Europa an die CBR Fashion Group verkauft werden.

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Hinter der CBR Group steht das Londoner Beteiligungshaus Alteri Partners. Der angestrebten Transaktion haben die Gläubigerausschüsse der sieben Gesellschaften zugestimmt. Mit der potenziellen Käuferin wurde eine Grundlagenvereinbarung geschlossen. Bisher liegen die Rechte bei der Esprit Holdings in Hongkong, die dem Transfer grundsätzlich zugestimmt hat. Ein späterer Relaunch der Marke in Europa bleibt damit möglich.

Der britische Private-Equity-Investor Alteri ist auf den europäischen Retailsektor spezialisiert. Die CBR Fashion Group, zu der auch die Ketten „Cecil“ und „Street One“ gehören, rückte 2018 unter das Dach des Investors. Alteri selber entstand 2014 mit Unterstützung des US-Investors Apollo Global Management.

Verkauf gescheitert

Christian Gerloff

Zuletzt hatte die Sanierungsgeschäftsführung um Dr. Christian Gerloff mit Zustimmung der Gläubigerausschüsse und des Sachwalters Prof. Dr. Lucas Flöther nach einer Vorauswahl noch erfolglos über zwei vorliegende Angebote verhandelt. Die zuletzt noch 1.300 Mitarbeitenden verlieren somit ihren Arbeitsplatz. Dem Vernehmen nach sind rund 600 Beschäftige in der Zentrale im niederrheinischen Ratingen tätig, der Rest in den Filialen. Über einen Interessensausgleich wird dem Vernehmen nach noch verhandelt.

Esprit hatte bereits im Jahr 2020 ein Schutzschirmverfahren für mehrere deutsche Gesellschaften beantragt. Damals waren rund 50 Filialen in Deutschland geschlossen worden, etwa 1.100 Stellen wurden gestrichen. Den Antrag zum nun eröffneten Verfahren hatte man im Mai gestellt.

Michael Nienerza

Berater Esprit
Gerloff Liebler (München): Dr. Christian Gerloff, Christian Stoffler (Restrukturierungs-Geschäftsführer), Benedikt Gatt (Generalbevollmächtigter; alle Insolvenzrecht/Restrukturierung), Christian Rogner (Arbeitsrecht)
Görg (München): Dr. Michael Nienerza (Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Deloitte Legal (Hamburg): Frank Tschentscher (Federführung; Insolvenzrecht/Restrukturierung), Dr. Volker Schulenburg (Corporate/M&A), Felix Skala (Kartellrecht); Associate:  Marcus Spangenberger (Insolvenzrecht/Restrukturierung)
Seitz (Köln): Dr. Patrick Esser (Federführung), Thomas Dorando, Annika Hausmann; Associate: Dr. Johanna Bischoff (alle Arbeitsrecht)

Lucas Flöther

Sachwaltung
Flöther & Wissing (Halle/S.): Prof. Dr. Lucas Flöther (Sachwalter; Insolvenzrecht/Restrukturierung)

Berater Gesamtbetriebsrat Esprit
Buse (Düsseldorf): Dr. Matthias Kühnreich (Arbeitsrecht)

Berater Konzernbetriebsrat (Zentrale)
Wurll Jasper + Kollegen (Düsseldorf): Raoul Jasper (Arbeitsrecht)

Berater Alteri Partners/CBR Fashion Group
A&O Shearman (Frankfurt): Dr. Sven Prüfer (Corporate/M&A), Dr. Hendrik Röhricht (Private Equity; München), Dr. Jens Matthes (IP/IT; Düsseldorf)

Sven Prüfer

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Gerloff und Kollegen verfügen über langjährige Marktkenntnis im kriselnden Mode- und Textilsektor, sowohl auf Unternehmensseite als auch in Verwaltungsmandaten. Bekannte Missionen betrafen etwa den Damenmodehersteller Gerry Weber, wo GL Law zweimal zum Einsatz ausrückte. Im vergangenen Jahr hatte Gerloff Verwaltungsmandate von Gesellschaften aus dem Signa-Imperium inne, etwa beim Tennis Point oder bei der HR-Group, der ehemaligen Mutter des Schuhhändlers Reno.

Görg und Deloitte mit weiteren Rollen

Ergänzend hatte Gerloff hier den Görg-Restrukturierungsspezialisten Nienerza an seiner Seite, der in gleicher Mission schon beim Tennis-Point wirkte. Man kennt sich langjährig. 2016 etwa war Nienerza an der Seite des Generalbevollmächtigten Dr. Jörg Nerlich im Eigenverwaltungsverfahren des Modeunternehmens Laurèl tätig, Gerloff war dort Sachwalter.    

Dem Konzern steht Deloitte Legal mit einem Team um den Hamburger Partner Tschentscher zur Seite. Der Rechtsberatungsarm der Big-Four-Gesellschaft bereitete das Verfahren vor und brachte die Insolvenzanträge auf den Weg. Tschentscher hatte die an der Börse Hongkong gelistete Konzernmutter schon während der Insolvenzplanverfahren zu Beginn der Pandemie bei allen insolvenz- und restrukturierungsrechtlichen Themen unterstützt und auch danach umfassend beraten.

Seitz erneut mit Großmandat

Die arbeitsrechtlichen Mandate in den Großinsolvenzen bei Esprit und dem Reiseveranstalter FTI bestätigen die Position der Kölner Kanzlei Seitz, die sich im vergangenen Jahr auch in Düsseldorf, Frankfurt und München etabliert hat. Den aktuellen Auftrag bei Esprit bearbeitet dem Vernehmen nach ein Team um die Kölner Partner Esser, Dorando und Hausmann.

Ihnen gegenüber bei den Verhandlungen zum Interessensausgleich wirken nach Marktinformationen der Düsseldorfer Buse-Partner Kühnreich aufseiten des Gesamtbetriebsrates sowie Namenspartner Jasper von der Düsseldorfer Boutique Wurll Jasper für die Mitarbeitenden der Zentrale. Kühnreich steht dem Gesamtbetriebsrat dem Vernehmen nach seit rund 15 Jahren zur Seite. Er berät weit überwiegend auf Arbeitgeberseite, die seltene Ausnahme kam seinerzeit über einen privaten Kontakt zustande. Jasper, Namenspartner seit 2015, ist hier ebenfalls langjährig im Mandat, so heißt es.

Markenkauf mit A&O Shearman statt Kirkland

A&O Shearman-Partner Prüfer, der zuletzt für die thailändische Central Group den KaDeWe-Themenkomplex federführend bearbeitete, soll hier nach Informationen aus dem Markt der potenziellen Erwerberin der Markenrechte zur Seite stehen. Auch Prüfer wurde oft an der Seite von Gerloff gesehen, als Unterstützer etwa bei Gerry Weber, beim Escada-Verfahren 2020 oder beim Ofenhersteller Wachtel 2022, wo Gerloff Sanierungsgeschäftsführer war. Beim 2024 abgeschlossenen StaRUG-Verfahren des Immobilienunternehmens Branicks beriet Prüfer den Konzern, vom Gericht bestellter Restrukturierungsbeauftragter war der jetzige Esprit-Sachwalter Flöther. Nach JUVE-Informationen besteht der Kontakt zwischen Prüfer und der Investorin schon seit mehreren Jahren, ergab sich aus Begegnungen in früheren Verfahren.    

Alteri hatte beim Erwerb der CBR Fashion Group vom schwedischen Investor EQT 2018 noch auf ein Team von Kirkland & Ellis unter Dr. Benjamin Leyendecker gesetzt. 2019 trat Noerr mit Prof. Dr. Christian Pleister aufseiten von Alteri als Bieterin für Gerry Weber auf.   

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