Treuhandverwaltung

Hamburger Insolvenzberater übernehmen Verantwortung bei deutschen Rosneft-Töchtern

Ab Ende des Jahres will Deutschland auf russisches Öl verzichten. Auch um dieses politische Ziel zu erreichen, übernimmt der Bund nun die Kontrolle über die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft. Insbesondere für die brandenburgische PCK-Raffinerie Schwedt ist die Zukunft damit noch nicht gesichert.

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Um der in Petersburg ansässigen Rosneft die Kontrolle über die Ölversorgung und -verarbeitung in Deutschland bis Jahresende zu entziehen, setzt die Bundesregierung auf eine Treuhandlösung wie schon bei Gazprom Germania.

Die Unternehmen Rosneft Deutschland und RN Refining & Marketing stehen seit Freitag unter Verwaltung der Bundesnetzagentur (BNetzA). Die Petersburger Muttergesellschaft hat angekündigt, gegen das Vorgehen zu klagen, das Werte von 4,6 Milliarden Euro betreffe.

Die deutschen Rosneft-Töchter führen jeden Monat Rohöl im Wert von Hunderten Millionen Euro aus Russland nach Deutschland ein. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) vereinen sie rund zwölf Prozent der deutschen Erdölverarbeitungskapazität auf sich und sind damit eines der größten erdölverarbeitenden Unternehmen des Landes.

Stefan Denkhaus

Zu ihrem Engagement in Deutschland zählen drei Beteiligungen an deutschen Raffinerien: An der PCK Schwedt ist Rosneft mit 54,2 Prozent beteiligt. 16,7 Prozent davon entfallen auf die Rosneft-Tochter RN Refining & Marketing, 37,5 auf Rosneft Deutschland. Letztere hält außerdem Anteile an der Miro-Raffinerie in Karlsruhe (24 Prozent) und an der Bayernoil-Raffinerie bei Ingolstadt (25 Prozent).

Ost-Raffinerie besonders abhängig

Vor allem die PCK-Raffinerie Schwedt in der Uckermarck trifft der geplante Ausstieg aus dem russischen Öl schwer. Ihr Betrieb ist voll auf Öl aus Russland angewiesen. Über Schwedt wurde bereits in der DDR die Erdölversorgung sichergestellt. Die Abkürzung PCK stand damals für Petrolchemisches Kombinat.

Heute beschäftigt die Raffinerie 1.300 Mitarbeiter, weitere 2.000 arbeiten für örtliche Dienstleister der Raffinerie. Die stellt nach eigenen Angaben 90 Prozent der Versorgung mit Benzin, Kerosin, Diesel und Heizöl in Berlin und Brandenburg sicher. Zur Raffinerie gehört ein 300-Megawatt-Kraftwerk. Anliegende Kommunen versorgt die Raffinerie mit Fernwärme.

Zur Umstellung auf andere Lieferanten sind Investitionen notwendig. Geplant ist zum Beispiel die Hafeninfrastruktur in Rostock und die Pipeline von dort nach Schwedt auszubauen. Darüber hinaus soll Öl via Pipeline vom Danziger Hafen geliefert werden.

Dazu bringt die Bundesregierung mit Brandenburg, Sachsen-Anhalt (wegen der Raffinerie Leuna) und Mecklenburg-Vorpommern (wegen der Häfen) ein sogenanntes Zukunftspaket von mehr als einer Milliarde Euro zum Erhalt von Arbeitsplätzen und dem Wandel des Standorts auf den Weg.

Alcmene will versorgen

Offen allerdings bleibt, wer die Raffinerie in Zukunft betreiben soll. Der Mehrheitseigner Rosneft hatte nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wenig Interesse an einer Abkehr von russischem Öl. Der Shell-Anteil von 37,5 Prozent stand schon im Vorjahr zum Verkauf, weil der britische Konzern den Ausstieg aus dem Stammgeschäft plant.

Christoph Morgen

Seinerzeit wollte eine Gesellschaft namens Liwathon, die dem Briten Barcley Thomas Rowland gehört, über ein Käufervehikel namens Alcmene den Shell-Anteil übernehmen. Dies scheiterte allerdings daran, dass Rosneft das Vorkaufsrecht zog. Nach JUVE-Informationen ist Alcmene weiterhin interessiert, scheint aber mit Shell uneins zu sein und sich auch darüber hinaus mit ihren Ideen nicht so richtig dafür empfehlen zu können, die ostdeutsche Ölversorgung zu verantworten.

Treuhänder Rosneft Deutschland/RN Refining & Marketing
Brinkmann & Partner (Hamburg): Dr. Christoph Morgen (Insolvenzrecht)
 
Berater Rosneft Deutschland/RN Refining & Marketing
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus (Insolvenzrecht)
 
Berater Bundesministerium Wirtschaft und Klimaschutz
CMS Hasche Sigle (Frankfurt): Joachim Kühne (Restrukturierung), Dr. Jacob Siebert, Dr. Christian von Lenthe (beide Corporate/M&A; beide Hamburg)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt. Für die Aufgabe, wichtige Infrastrukturunternehmen in die Treuhandverwaltung zu nehmen, hat die BNetzA Anfang Mai eine sogenannte ‚Sonderstelle Treuhandangelegenheiten‘ um den Juristen Dr. Christian Schütte gebildet. Einmal in die Treuhandverwaltung genommen, kann sie Mitglieder der Geschäftsführung abberufen und neu bestellen sowie der Geschäftsführung Weisungen erteilen.

Hamburger Insolvenzexperten im Einsatz

Im Fall der Rosneft-Töchter haben das BMWK und die BNetzA Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner zum Geschäftsführer der Rosneft-Töchter Rosneft Deutschland und RN Refining & Marketing bestellt. Morgen wird nun eng mit den Beratern von BRL zusammenarbeiten, die schon seit Ende April mit einem Team um Partner Denkhaus im Mandat der Rosneft-Töchter ist.

Joachim Kühne

Das BMWK bestätigt auf Nachfrage die erneute Zusammenarbeit mit CMS, die das Ministerium auch zur Uniper-Stützung sowie zur Gasumlage beraten hat. Das Team, das zur Zukunft der deutschen Ölversorgung berät, führen die Partner Kühne, Siebert und von Lenthe. Zu den Verantwortlichen, die im BMWK für den Ausstieg aus dem russischen Öl und die Neuordnung der Ölversorgung verantwortlich sind, will das Ministerium keine Angaben machen.

Im Fall der Betreiberfrage der PCK Schwedt sind weitere Berater bekannt. Demnach setzt Alcmene, die Tochter der britischen Liwathon E.O.S., weiterhin auf ein großes Noerr-Team und Shell neben Inhouse-Beratern auf Clifford Chance.

Bis zum Kriegsbeginn durch Russland beriet nach JUVE-Informationen Allen & Overy Rosneft zum Verkauf der Shell-Anteile.

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