Deutsche Gaskrise

KfW schnürt mit Freshfields milliardenschweren Kredit für Gazprom Germania

Mit einem Darlehen von 9 bis 10 Milliarden Euro der KfW will die Bundesregierung eine Insolvenz des Gasunternehmens abwenden, das seit Anfang März unter Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur steht. Der Plan sieht auch vor, die Kontrolle über das Unternehmen mindestens zeitlich auszuweiten.

Teilen Sie unseren Beitrag
Treuhänderin von Gazprom Germania ist die Bundesnetzagentur

Gazprom Germania ist aus der deutschen Gasversorgung nicht wegzudenken. Der Gesellschaft gehören weite Teile der kritischen Gasinfrastruktur in Deutschland, darunter Speicher und Leitungen. Gazprom ist darüber hinaus über die Tochter Wingas auch als Gashändler aktiv. Genau diese Rolle ist unter der Treuhänderschaft und den russischen Sanktionen gegen die Gazprom Germania aber nur unter hohem Finanzaufwand zu leisten.

Frank Laudenklos

Die wegen der russischen Sanktionen ausgefallenen Gaslieferungen hätten Ersatzbeschaffungen zu aktuell sehr hohen Marktpreisen notwendig gemacht. Die finanzielle Lage der Gazprom Germania habe sich in der Folge so sehr verschlechtert, dass die Bundesregierung die Liquidität mit einem KfW-Darlehen absichern müsse, heißt es. Zudem soll das Unternehmen in ,Securing Energy for Europe‘ umbenannt werden.

Staatseinstieg für weitere Schritte

Die Bundesregierung prüft wohl auch die Möglichkeiten, das Darlehen in Eigenkapital umzuwandeln. Mit dem Einstieg bei Gazprom würde sich der Bund über die KfW einen Zugang zu den deutschen Assets von Gazprom Germania sichern. Neben den genannten Gasleitungen und Speichern betreibt die Gazprom auch Glasfaserleitungen. Denkbar scheint, dass sämtliche Assets irgendwann einmal in private Hände übergeben werden. Bis es soweit kommt, ist zuerst einmal geplant, die Treuhandverwaltung der Gazprom Germania über die Bundesnetzagentur (BNetzA) längerfristig abzusichern.

Im April hatte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) die Gazprom Germania unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem sie Informationen zum versuchten Verkauf der Gesellschaft ereilten. Die Kontrolle ist aktuell bis September befristet. Mehr gibt die Rechtsgrundlage das Außenwirtschaftsgesetz nicht her. Mit dem Energiesicherheitsgesetz hat die Bundesregierung bereits vor einiger Zeit eine neue Rechtsgrundlage geschaffen, um deutlich darüber hinaus die Kontrolle zu wahren.

Berater BMWK/BNetzA
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Christian von Lenthe (Corporate/M&A)­­­ – aus dem Markt bekannt
Inhouse BNetzA (Bonn): Dr. Thomas Müller – aus dem Markt bekannt

Christian von Lenthe

Berater KfW
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos (Federführung), Aled Batey (London), Dr. Gunnar Schuster (alle drei Finanzierung), Dr. Andreas von Bonin (Brüssel), Dr. Ulrich Scholz (Düsseldorf; beide Wettbewerbs- und Kartellrecht), William Robinson (London), Nabeel Yousef (Washington), Dr. Stephan Denk (Wien; alle drei Konfliktlösung), Dr. Marvin Knapp (Restrukturierung), Dr. Simon Schwarz (Corporate/M&A), Dr. Lukas Pomaroli (Konfliktlösung; Wien), Dr. Jan-Philip Wilde (Hamburg); Associates: Dr. Dennis Chinnow, Laura Korndörfer, Hannes Butz, Julia Horbach (London; alle Finanzierung), Jonas Levermann (Brüssel), Dr. Florian Reiter-Werzin (Wien; beide Wettbewerbs- und Kartellrecht)

Berater Gazprom Germania/Securing Energy for Europe
BBL Brockdorff (Berlin): Peter Jark (Insolvenz/Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Bei der BNetzA leitet Dr. Christian Schütte die neu organisierte ‚Sonderstelle Treuhandangelegenheiten‘. Für die Absicherung des Gaseinkaufs der ehemaligen Gazprom Germania durch die KfW war Marktinformationen zufolge der Leiter der Markttransparenzstelle für den Großhandel mit Strom und Gas, Müller, in die Verhandlungen eingebunden.

Breite Aufstellung gesucht

An seiner Seite stand dabei ein CMS Team um den Hamburger Partner von Lenthe, die die Behörde und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz umfassend zur aktuellen Gas- und Ölkrise berät. Nach JUVE-Informationen konnte sich die Kanzlei in einem Pitch gegen andere Wettbewerberinnen durchsetzen. Wie JUVE aus dem Markt erfuhr, war ein entscheidendes Kriterium des Pitches, dass die angefragten Kanzleien sowohl zum Gesellschafts- als auch zum Insolvenz- und Energierecht beraten können. Über eine ähnlich breite Aufstellung wie CMS verfügen in Deutschland beispielsweise auch White & Case oder Freshfields.

Wieder Seitenwechsel

Im aktuell angespannten Umfeld auf den Energiemärkten hatte zuletzt insbesondere Freshfields mit Mandaten unter anderem der Leag für Aufsehen gesorgt. Partner Laudenklos beriet das Unternehmen im Frühjahr gegenüber der KfW. Nun ist sein Freshfields-Team zur Stützung der ehemaligen Gazprom Germania für die KfW im Einsatz. Die Förderbank beriet das Team bereits Anfang des Jahres zu einer revolvierenden Kreditlinie von zwei Milliarden Euro für Uniper sowie im April zu einer revolvierenden Kreditlinie für VNG. 

Gazprom Germania beziehungsweise Securing Energy for Europe vertraut Marktinformationen zufolge weiterhin auf BBL Brockdorf, die im Zuge wachsender Insolvenzrisiken bereits im Frühjahr ins Mandat gekommen war. (mit Material von dpa)

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Deals Steigende Energiepreise

Freshfields berät Leag bei Milliarden-Stützungskredit

Verfahren Energiewende

CMS hilft bei Umgestaltung der Gas- und Ölversorgung

Deals Volatile Energiepreise

Linklaters-Mandantin Uniper nimmt KfW-Hilfe in Anspruch