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Harvey zieht bei Copilot ein – und verschärft den Wettbewerb im KI-Markt

Das Legal-Tech-Unternehmen Harvey integriert seine juristische KI direkt in Microsoft 365 Copilot. Der Schritt ist wohl kalkuliert – nicht nur für Harvey, sondern auch für Microsoft, die den Legal-AI-Markt als Geschäftsfeld identifiziert haben. Der Wettbewerb unter den Legal-KI-Anbietern zieht damit weiter an.

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Harvey und Microsoft haben eine Erweiterung ihrer bestehenden Partnerschaft angekündigt. Ab dem zweiten Quartal 2026 soll Harveys KI-Assistent als Agent innerhalb von Microsoft 365 Copilot verfügbar sein, wie Harvey mitteilte. Konkret bedeutet das: Wer in Copilot „@Harvey“ eingibt oder den Agenten über das Copilot-Menü auswählt, kann juristische Fragen stellen, Verträge analysieren lassen, Marktkonditionen recherchieren, Verhandlungspositionen prüfen und auf Präzedenzfälle zugreifen – ohne die Microsoft-Umgebung verlassen zu müssen. Auch Konkurrent Legora ist bereits in der Microsoft-Umgebung verankert – sie hatten letztes Jahr ein Outlook- und Word-Add-in vorgestellt, das unter anderem Dokumentenerstellung und -bearbeitung vereinfacht: Vorlage ausfüllen, anonymisieren, Schreiben verbessern und übersetzen. In Copilot selbst ist Legora bisher aber nicht nutzbar.

Juristen dort abholen, wo sie arbeiten

Die Integration adressiert ein konkretes Problem: Juristinnen und Juristen arbeiten seit Jahren in der Microsoft-Welt. Wer ein zusätzliches KI-Tool nutzen will, muss bislang oft zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln – ein Bruch im Arbeitsfluss, der Akzeptanz kostet. Harvey setzt nun darauf, diesen Bruch weiter zu beseitigen.

„Microsoft 365 Copilot ist oft der Ausgangspunkt für die Arbeit. Indem wir die juristische Expertise von Harvey direkt in Copilot integrieren, ermöglichen wir Anwälten, Rechtsfragen zu stellen, verlässliche Antworten zu erhalten und ihren Arbeitsfluss aufrechtzuerhalten, ohne die Tools verlassen zu müssen, auf die sie bereits angewiesen sind“, sagte Harvey-CEO Winston Weinberg in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Ein Deal, der auch Microsoft nützt

Die Partnerschaft ist keine Einbahnstraße. Für Microsoft hat die Integration einen klaren Vorteil: Je mehr spezialisierte KI-Funktionen Copilot bietet, desto weniger Grund haben Nutzer, das Microsoft-Ökosystem zu verlassen. Juristen, die bisher für KI-gestützte Recherche oder Vertragsanalyse auf externe Plattformen ausweichen mussten, sollen künftig in Copilot, Word, Outlook und der übrigen Microsoft-Suite bleiben können.

Dass Microsoft den Legal-AI-Markt auch mit eigenen Ambitionen verfolgt, hat sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet: Der Konzern übernahm ein Team des britischen Legal-Tech-Anbieters Robin AI. Dieser Schritt signalisierte, dass Microsoft juristische KI als strategisches Wachstumsfeld im Blick behält. Die Harvey-Integration könnte ein weiterer Baustein dieser Strategie sein – Microsoft positioniert Copilot damit nicht nur als allgemeines Produktivitätswerkzeug, sondern zunehmend als branchenspezifische Plattform für Rechtsabteilungen und Kanzleien.

Judson Althoff, CEO des kommerziellen Geschäftsbereichs von Microsoft, sagte: „Unser Ziel mit Microsoft 365 Copilot ist es, Intelligenz direkt in den Arbeitsablauf zu integrieren – menschliche Ambitionen zu fördern und Menschen zu helfen, mehr zu erreichen. Durch die Integration der KI-Tools von Harvey in Copilot erweitern wir diese Erfahrung für Rechtsteams und stellen ihnen spezialisierte KI-Funktionen in den Anwendungen zur Verfügung, die sie täglich nutzen.“

Ein Markt unter Hochspannung

Der Schritt fällt in eine Phase, in der der Wettbewerb um die dominierende Legal-AI-Plattform stark zunimmt. Harvey und sein schwedischer Konkurrent Legora stehen dabei in starker Konkurrenz, nicht nur um Kunden, sondern auch um Talente. Beide Unternehmen sind seit ihrer Gründung 2022 beziehungsweise 2023 stark gewachsen, teilweise auch in Deutschland. Harvey beschäftigt international nach eigenen Angaben derzeit 675 Mitarbeitende, Anfang 2025 waren es noch rund 210. Legora wuchs im selben Zeitraum von 40 auf 350 Beschäftigte und will laut einem Unternehmenssprecher bis zum Sommer 600 Mitarbeitende haben.

Der Kampf um die besten Köpfe

Besonders sichtbar wird der Wettbewerb beim Recruiting. Beide Unternehmen werben gezielt erfahrene Anwälte ab, auch aus Großkanzleien oder mit Großkanzleihintergrund – unter anderem für Positionen als Legal Engineers, in der Produktentwicklung oder im Vertrieb. In Deutschland, wo Legora personell stärker vertreten ist als US-Konkurrent Harvey, kam letztes Jahr unter anderem Nathalia Schomerus, vorher Leiterin KI bei CMS Hasche Sigle, als Legal Innovation Lead hinzu. Jonathan Melke, IT- und Datenschutzrechtler, kam von Hogan Lovells, Vadym Kuzmenko, zuvor bei Noerr, schloss sich als Lead Legal Engineer DACH Legora an.

 Harvey hat im letzten Monat vor allem in Großbritannien, Kanada und den USA Talente rekrutiert: die ehemalige Londoner Ashurst-Partnerin Tara Waters sowie in Kanada Joe Marando, der bei der Kanzlei Fasken für KI und Legal Tech zuständig war. Auch Megan McMillin, früher Director of Practice Innovation bei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton in den USA, zog es zum Tech-Anbieter.

Ein Aspekt im Talentwettbewerb mag auch der finanzielle Anreiz sein, den Harvey schafft. Laut Financial News bietet Harvey Vergütungspakete von bis zu knapp 400.000 Dollar, um hochkarätige Anwälte aus Kanzleien abzuwerben. Harvey wollte sich dazu nicht äußern. Klar wird, dass Kanzleien, die ihre besten Innovationsköpfe halten wollen, Konkurrenz von den Tech-Anbietern bekommen haben. Um sie zu halten, müssen kreativere Wege gefunden werden, auch was Gehälter und Karrieremöglichkeiten angeht.

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