Vor dem Verkauf war die Hypo-SEE-Sparte mit ihren Geschäftsfeldern in Slowenien, Serbien, Kroatien, Bosnien und Montenegro weitreichend umstrukturiert und aus der Muttergesellschaft Hypo Alpe-Adria International herausgelöst worden. Unter anderem wurden schwer verkäufliche Immobilien und faule Kredite im Wert von 17 Milliarden Euro auf die neu geschaffene Abbaugesellschaft verlagert.
Mit Advent hatte die Hypo bis zuletzt exklusiv verhandelt. Der Finanzinvestor war zusammen mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) ins Rennen gegangen. Angeblich legte Advent dabei nicht das höchste, aber das sicherste Angebot vor. Zum Vergleich: Der unterlegene Londoner Investor Millhouse Capital hatte noch Ende Juli sein Angebot mit 500 Millionen Euro beziffert, was dem ungefähren Buchwert der Hypo-Tochter entsprochen hätte.
Als Interessenten sind neben Advent und Millhouse auch der russische Investor Igor Kim sowie die VIA Group des bulgarischen Investors Denis Bakerov aufgetreten. VIA gab ihr Angebot zusammen mit der russischen VTB Bank und der ukrainischen Delta Bank ab. Insgesamt sollen sieben Konsortien um die Balkan-Bank gebuhlt haben.
Berater Advent
Wolf Theiss (Wien): Keine Nennungen
Berater Hypo Alpe Adria
Schönherr (Wien): Dr. Sascha Hödl
Hintergrund: Über die Mandatsbeziehung von Wolf Theiss zu Advent ist kaum etwas bekannt. Bei Private-Equity-Deals mit Österreich-Bezug setzte der Investor in der Vergangenheit eher auf die Hypo-Beraterin Schönherr, etwa beim Ausstieg aus der Billig-Textilkette Takko zum Jahreswechsel 2010/11.
Gleichzeitig sieht sich Wolf Theiss in einem aktuellen Artikel reichlich Kritik aus nicht näher genannten Quellen ausgesetzt, die bei der Top-Kanzlei Interessenkonflikte in dem Advent-Mandat sehen, weil Wolf Theiss lange Jahre die Stammkanzlei der Hypo war. Die Sozietät hatte zwischen 2007 und 2009 den Ex-Chef der Hypo, Tilo Berlin, beraten und stieg in der Folge zur engsten Beraterin der Bank auf. So begleitete sie die Bank selbst 2009 bei der Verstaatlichung. Bei dem Verkauf des Österreich-Geschäfts der Hypo begleitete Coporate-Partner Christian Hoenig dann den indischen Investor Anadi Financial Holdings als Käufer.
Im Zuge der rechtlichen Aufarbeitung der Skandale bei der Hypo gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Wechsel im Vorstand und in der Rechtsabteilung. Wolf Theiss pflegt nach JUVE-Recherche derzeit keine Mandatsbeziehung zu der Bank. Vielmehr konnten sich andere Kanzleien als Berater bei dem Finanzinstitut positionieren, etwa Fellner Wratzfeld, welche die Hypo-Interessen im Darlehensstreit mit der BayernLB vor dem Handelsgericht Wien vertritt. Folglich ist der Kreis der Hypo-Anwälte deutlich weiter gefasst als noch vor wenigen Jahren. Auf JUVE-Anfrage wollte sich Wolf Theiss zu ihrer Rolle in dem Verkaufsprozess nicht äußern.
Den Zuschlag für Umstrukturierung und Verkauf des SEE-Geschäfts der Hypo Alpe-Adria hatte Schönherr-Partner Hödl bereits vor mehr als zwei Jahren erhalten. Jedoch hatte sich der Verkauf durch viele Schwierigkeiten immer weiter verzögert. Seinerzeit hatte die Bank noch mit Erlösen von 1,5 Milliarden Euro gerechnet. (Marcus Jung; Jörn Poppelbaum)