Nach Kartellhürden

Merck kauft mit Allen & Overy britische Spezialchemiefirma Azem

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  • JUVE

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat den britischen Spezialchemiehersteller AZ Electronic Materials (Azem) übernommen. Nachdem die chinesischen Kartellbehörden der Transaktion vergangene Woche zugestimmt hatten, war die letzte Hürde in dem Milliarden-Deal genommen. Merck zahlt für das an der Londoner Börse gelistete Unternehmen umgerechnet 1,9 Milliarden Euro in bar.

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Ursprünglich hatte Merck seine Übernahmeofferte bereits im Dezember 2013 vorgelegt. Nach dem englischen Übernahmerecht war das Angebot jedoch an das Erreichen einer Mindestannahmequote sowie die kartellrechtlichen Freigaben durch die Behörden gebunden. Zwischenzeitlich hatten die Kartellbehörden in den USA, Japan, Taiwan und Deutschland zugestimmt. Alleine die Zustimmung aus China zog sich über mehrere Monate hin. 

Mit dem bestehenden Angebot sind Merck eigenen Angaben zufolge bereits über 81 Prozent der Azem-Aktien zugeflossen. Damit will der Darmstädter Konzern das Delisting von Azem von der Londoner Börse anstoßen. Merck kündigte an, sein Angebot an die AZ-Aktionäre aufrechterhalten zu wollen, um alle Anteile zu erwerben.

Die frühere Hoechst-Tochter Azem stellt Chemikalien her, die in Tablet-PCs, Smartphones, MP3-Playern und Spielkonsolen zum Einsatz kommen. Das Unternehmen mit Hauptsitz im englischen Stockley Park hat Produktionsstätten in zehn Ländern und beschäftigt weltweit über 1.150 Mitarbeiter.

Berater Merck
Allen & Overy: Dr. Michael Ulmer (Frankfurt), Richard Browne (London; beide Coporate/M&A; beide Federführung), Dr. Ellen Braun (Kartellrecht; Hamburg), Mark Feider (Corporate/M&A; Luxemburg), Philippe Thiebaud (beide Corporate/M&A; beide Luxemburg), Francois Renard (Kartellrecht; Peking); Associates: Annabelle Croker, Sarah Thomas (beide London), Tobias Greven (Frankfurt; alle Corporate/M&A), Dr. Tim Schaper, Vera Thiemann (beide Kartellrecht; beide Hamburg)
Inhouse Recht (Darmstadt): Dr. Friederike Rotsch, Daniela Würfel, Sonja Hilge, Gabriel Medynska

Berater AZ Electronic Materials
Clifford Chance (London): Tim Lewis (Federführung), Pierre Gromnicki (beide Corporate/M&A; Luxemburg), Alex Nourry (Kartellrecht), Sonja Gilbert (Arbeitsrecht), David Harkness (Steuerrecht); Associate: Katherine Moir (Federführung; Corporate/M&A)
Inhouse Recht (Stockley Park): Keine Nennungen

Hintergrund: Allen & Overy hat sich bei Merck als Beraterin bei grenzüberschreitenden Deals etabliert. Noch 2010 deckte Skadden Arps Slate Meagher & Flom beim milliardenschweren Kauf von Milipore die Hauptarbeit der Corporate-Arbeit ab. Allen & Overy betreute damals vor allem finanzrechtliche Fragen. Seitdem hat sich die Mandatsbeziehung zwischen Allen & Overy und Merck gerade in der Corporate-Beratung intensiviert. Der Frankfurter M&A-Partner Ulmer begleitete in den Folgejahren mit den Zukäufen des Mikrobiologiegeschäft des Immunologie-Spezialisten Biotest sowie dem IP-Portfolio der insolventen Konarka-Gruppe mehrere wichtige Transaktionen für Merck.

In Darmstadt gab es zum Jahresbeginn 2014 einen Wechsel an der Spitze der Konzernrechtsabteilung. Hier löste Dr. Friederike Rotsch den langjährigen Chefjuristen François Naef ab, der den Konzern verließ. Für Rotsch ist es eine interne Rückkehr: Sie war 2005 von Hengeler Mueller zur Rechtsabteilung von Merck gestoßen und arbeitete dort bis 2011. Danach leitete sie die Konzernrevision.

Clifford Chance berät Azem bereits seit einigen Jahren und hatte den Chemikalienhersteller auch 2010 bei seinem Börsengang begleitet. Bei der jetzigen Transaktion waren insbesondere wegen der kartellrechtlichen Thematik auch Anwälte aus dem Standort in Peking eingebunden.

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