Alternative zu Gas aus Russland

LNG-Terminal in Stade: Dow Chemical drückt mit Mayer Brown aufs Gas

Der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Anstrengungen, sich von Gasimporten aus Russland unabhängig zu machen, bringen Bewegung in ein Milliardenprojekt: Der US-Chemiekonzern Dow Chemical beteiligt sich am Konsortium des geplanten Importterminals für Flüssigerdgas (LNG) in Stade. Die Politik verspricht Tempo beim Genehmigungsverfahren – der geradezu blitzartige Aufbau der E-Auto-Fabrik von Tesla in Brandenburg könnte als Vorbild dienen. 

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Foto: Aufwind-Luftbilder/stock.adobe.com

Nachdem Dow seine Einstiegspläne bekanntgegeben hat, übergab das Konsortium die Genehmigungsunterlagen für den Bau des Terminals und des dazugehörigen Hafens, die mehrere Tausend Seiten umfassen. „Es muss jetzt schnell gehen“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). Er schloss nicht aus, dass die Bauarbeiten parallel schon vor dem Vorliegen einer Genehmigung beginnen könnten. Ähnlich war es dem US-Autobauer Tesla gelungen, im brandenburgischen Grünheide in Rekordzeit ein riesiges Werk zu errichten.  

Julian Lemor

Das LNG-Terminal an der Elbe soll bis 2026 in unmittelbarer Nachbarschaft von Dow im Industriepark Stade entstehen und in der Endstufe über eine Regasifizierungskapazität von 13,3 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verfügen. LNG wird bei minus 162 Grad per Schiff transportiert und dann wieder erwärmt und in Gas umgewandelt, um in die Netze eingespeist zu werden. Für diesen Prozess soll industrielle Abwärme vom Dow-Standort genutzt werden, um eine emissionsfreie Rückumwandlung des LNG (Regasifizierung) zu ermöglichen.

Eine Milliarde für Terminal und Hafen

Zur Höhe der Gesellschaftsanteile am Konsortium Terminal Hanseatic Energy Hub (HEH) und zum Umfang des Einstiegs von Dow machten die Beteiligten keine Angaben. Dow betreibt 106 Produktionsstandorte in 31 Ländern und beschäftigt rund 35.700 Mitarbeiter. Zum HEH-Konsortium gehören nun vier Gesellschafter. Neben Dow sind dies der Gasinfrastrukturbetreiber Fluxys (Belgien), die Partners Group (Schweiz) und die Buss-Gruppe aus Hamburg.

Ende März war mit dem Energieversorger EnBW als erstem Großkunden für das Terminal eine Absichtserklärung über die Abnahmen von jährlich mindestens drei Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas unterzeichnet worden. Neben Stade sind auch in Wilhelmshaven und Brunsbüttel LNG-Terminals geplant. Die Bundesregierung sucht aufgrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine händeringend nach Alternativen für russisches Erdgas.

Für das Terminalprojekt in Stade sind 800 Millionen Euro an Investitionen geplant. Hinzu kommen etwa 150 bis 200 Millionen Euro für öffentliche Hafenanlagen. Derzeit bezieht Deutschland Flüssigerdgas von anderen europäischen Terminals.

Berater Dow Chemical
Mayer Brown (Frankfurt): Dr. Julian Lemor (Corporate), Dr. Fabian Hartwich (Immobilienrecht; beide Federführung), Carsten Flaßhoff (Corporate), Christian Horstkotte (Kartellrecht; beide Düsseldorf), Volker Junge (Steuern), Dr. Malte Richter (Corporate), Dr. Philipp Schaefer; Associates: Christian Gerhards (beide Immobilienrecht), Kai Yan (Steuern)

Holger Kraft

Berater HEH
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Hilke Herchen, Dr. Holger Kraft (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Fritz von Hammerstein (Öffentliches Recht), Dorothée Janzen, Dr. Jost Kienzle, Christoph Zarth (alle Handelsrecht),
Dr. Hans Kiderlen (Immobilienrecht); Associates: Dr. Luise Pelzer, Marvin Hoffmann, (beide Corporate/M&A)

Berater Fluxys
White & Case (Hamburg): Dr. Matthias Kiesewetter (M&A), Axel Schulz (Kartellrecht; Brüssel) – aus dem Markt bekannt

Notar
Notariat Ballindamm (Hamburg): Prof. Dr. Peter Rawert – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Dow Chemical gehört international seit Längerem zu den großen Mandanten von Mayer Brown. Seit einigen Jahren setzt der Konzern zunehmend auch auf die deutsche Praxis, nach JUVE-Informationen etwa im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf von Chemieparks an den Standorten Stade und Schkopau.

Die wachsende Bedeutung der deutschen Praxis im internationalen Gefüge spiegelt sich möglicherweise auch in einer aktuellen Personalie: Lemor, der für Dow beim Terminal-Einstieg die Federführung für den M&A-Part hat, ist kürzlich an der Seite von drei US-Partnern zum Global Co-Head für M&A und Private Equity ernannt worden. Es ist das erste Mal, dass die Kanzlei in dieser Praxisgruppe einen Partner aus einem kontinentaleuropäischen Büro zum weltweiten Co-Head macht. Dass neben Lemor auch der Immobilienrechtler Hartwich das Mandat führt, liegt daran, dass das Terminalvorhaben auf dem Gelände von Dow umfangreich in eine Infrastruktur eingebunden werden muss. 

CMS hat nach JUVE-Informationen HEH bereits im vergangenen Sommer begleitet, als der belgische Erdgasleitungsbetreiber Fluxys sich dem Konsortium anschloss.

Fluxys wurde damals von einem White & Case-Team beraten, das auch im vergangenen Herbst wieder für Fluxys im Einsatz war – als letztlich unterlegene Bieterin um Thyssengas. Zum Einstieg von Dow hat CMS das Konsortium nach außen vertreten. Ob und wie intensiv die Altgesellschafter zusätzlich die Dienste weiterer Kanzleien in Anspruch nahmen, ist nicht in allen Fällen bekannt. (mit Material von dpa)

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