Radikaler Umbau

Hengeler berät RWE bei Neuorganisation

Autoren
  • JUVE

Nach E.on hat sich nun auch RWE zu einem radikalen Konzernumbau entschieden. Die komplexe Firmenstruktur wird vereinfacht und verschlankt. Am Montag bekam Vorstandschef Peter Terium für seine Pläne die Rückendeckung des Aufsichtsrats.

Teilen Sie unseren Beitrag
Hartwin Bungert
Hartwin Bungert

Die Management-Holding soll künftig in eine operative Gesellschaft umgewandelt und die deutschen RWE-Gesellschaften weitestgehend darin gebündelt werden. Mehrere Tochtergesellschaften werden aufgelöst und mit der RWE AG verschmolzen. Ihre bisherigen Vorstandsgremien und Geschäftsführungen fallen weg. Gleichzeitig wird der RWE-Gesamtvorstand umgebaut. Neben Terium und den Vorständen für Finanzen und Personal werden dann vier Chief Operating Officers (COO) im Vorstand sitzen – je einer für die konventionelle Erzeugung (Kohle, Gas und Atomkraftwerke), Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien.

Bislang gehören rund 100 Tochterfirmen zu RWE, sogenannte Legaleinheiten. Sie sind mit eigenen Führungsstäben, Vorständen und allein zehn Aufsichtsräten in Deutschland ausgestattet. Bis 2017 sollen nun 33 Tochterfirmen und fast 100 interne Aufsichtsratsmandate weg fallen.

In der neuen RWE AG werden das Vertriebs- und Netzgeschäft sowie die Servicegesellschaften zusammengeführt. Die Mitarbeiter der RWE Vertrieb und RWE Deutschland wechseln dorthin. Die Tochter Westnetz bleibt wegen des vom Gesetzgeber geforderten Unbundlings eine eigenständige Gesellschaft. Serviceeinheiten wie RWE Group Business Services, RWE IT und RWE Effizienz werden in die RWE AG integriert.

RWE Generation dagegen wird in die RWE Power eingegliedert, die zukünftig als RWE Generation firmiert. Die Gesellschaften bleiben rechtlich eigenständig, werden aber jeweils von einem COO der RWE AG gesteuert. RWE Supply & Trading wird weiterhin operativ direkt vom RWE-CEO geführt.

Konkurrentin E.on hatte bereits vor einigen Monaten mit der Ankündigung Schlagzeilen gemacht, das derzeit schwierige Geschäft mit konventionellen Energien künftig in eine eigene Gesellschaft auszulagern. Die Ausgründung von Uniper soll bis Jahresende vollzogen sein, die neue E.on wird sich dann auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien konzentrieren.

Auch RWE-Chef Terium schloss eine solche Abspaltung des Geschäfts mit den Großkraftwerken nicht aus, sie sei kein Tabu aber derzeit nicht geplant.

Derzeit wird in Berlin heftig über die Gesetzesinitiative von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel gestritten. Der will es den Energiekonzernen schwerer machen, die Haftung für den Atommeiler-Rückbau im Zuge einer Umstrukturierung zu begrenzen. Bisher haften die Konzernmütter für den Fall, dass die Betreibergesellschaften der Meiler nicht genug Rückstellungen für die Stilllegung und die Entsorgung des Nuklearmülls gebildet haben.Die Nachhaftung ist bei einem Konzernumbau aber auf fünf Jahre begrenzt. Diese Frist will Gabriel nun abschaffen, um das Risiko für den Steuerzahler zu minimieren.

Claudia Mayfeld
Claudia Mayfeld

Berater RWE
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Hartwin Bungert (Gesellschaftsrecht), Dr. Christian Hoefs (Arbeitsrecht, Frankfurt), Dr. Thomas Schmidt-Kötters (Öffentliches Recht); Associate: Dr. Matthias Cloppenburg (Gesellschaftsrecht)
Inhouse Recht (Essen): Dr Claudia Mayfeld (Leiterin Recht), Dr. Christian Kuhn, Karin Sperber

Hintergrund: Hengeler ist seit Jahren die angestammte Beraterin von RWE in gesellschaftsrechtlichen Fragen – daran hat auch die Aufsetzung eines neuen Panels im vergangenen Jahr nichts geändert.

Hengeler soll ihren Hut für das Beraterpanel gar nicht erst in den Ring geworfen haben. Ausgewählt wurden nach Marktinformationen neben Gleiss Lutz unter anderem Linklaters und Freshfields Bruckhaus Deringer, die bei großvolumigen M&A-Mandaten im Energiesektor beide direkte Wettbewerberinnen von Hengeler sind. Linklaters hatte zuletzt bei E.on einen Coup gelandet, als die Kanzlei sich das begehrte Umstrukturierungsmandat dort sichern konnte.

Für die angestammte Corporate-Beraterin Hengeler wird in diesem Mammutmandat aus Sicht von RWE gesprochen haben, dass sie aufgrund der jahrelangen Betreuung im Gesellschaftsrecht den Konzern gut kennt.

Artikel teilen