Juve Plus Teamwork für General Motors

Neben Weil Gotshal sind auch Clifford Chance und Baker & McKenzie in die Opel-Sanierung eingebunden.

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Schade für Opel, dass Wahljahr ist. Während die Mitarbeiter des Automobilkonzerns um ihre Arbeitsplätze bangen, streiten sich die Politiker aller Parteien hierzulande und werfen sich ständig neue Vorschläge zur Rettung des Rüsselsheimer Unternehmens um die Ohren. Mal sind es 3.500 Arbeitsplätze, mal 7.600, die zur Disposition stehen. Mal soll Opel Insolvenz anmelden, dann wieder ein tragfähiges Konzept vorlegen. Alle reden – aber nur selten die, die wirklich wissen, wie der Stand der Dinge ist. Etwa die Anwälte. Doch sowohl Inhouse als auch bei den externen Beratern herrscht offiziell Funkstille. "Alle haben einen Maulkorb", sagt eine mit den Beteiligten vertraute Person. Die Opel-Krise sei einfach zu politisch. Dennoch sickerte durch, dass sich der Opel-Mutterkonzern General Motors für die weltweite Restrukturierung einer international aufgestellten Sozietät bedient: Weil Gotshal & Manges.

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Die US-Kanzlei ist in Deutschland vielleicht nicht die erste Adresse, die Marktkennern als Berater bei einer Restrukturierung einfällt. Hierzulande hat sie sich bislang vor allem in dem überschaubaren Segment der Finanzinvestorenberatung einen Namen gemacht – das allerdings schon seit einigen Jahren. International aber ist die Mandatierung alles andere als eine Überraschung: In den Vereinigten Staaten genießt die Kanzlei hohes Renommee für dieses Geschäft – ist neben GM etwa für den Versicherer AIG tätig.

„Sie sind in den USA die besten Restrukturierer“, sagt ein Beteiligter. „Und das mit Abstand.“ So war die Kanzlei in den USA nach Informationen von Marktkennern erste Wahl und wurde umfassend beauftragt. Und automatisch war Weil Gotshal auch für die europäischen Aspekte die gesetzte Kanzlei, GM kontaktierte das Londoner Büro. Bei Partner Michael Francies ist das Mandat angekoppelt, über ihn lief auch die Mandatierung des Frankfurter Partners Jürgen Börst. Dennoch sieht die Situation für die Restrukturierer von Weil Gotshal auf dem Kontinent etwas anders als im starken Heimatmarkt USA aus: Mit insgesamt nur sieben Büros in Europa musste die Sozietät hier an ihre Grenzen stoßen.

Deshalb wird sie von anderen Sozietäten unterstützt. Im Arbeitsrecht konnten GM und Opel dabei auf einen alten Bekannten zurückgreifen. Baker & McKenzie, deren Arbeitsrechtspartner Günther Heckelmann sich für die Koordination internationaler Restrukturierungen den entsprechenden Ruf erarbeitet hat, stand Opel bereits bei der europäischen Restrukturierung 2004 zur Seite – damals standen 63.000 Arbeitsplätze zur Disposition.

Doch auch in der gesellschafts- und insolvenzrechtlichen Restrukturierung blieb Weil Gotshal in Deutschland nicht alleine. Ende Februar stellte GM dem Frankfurter Weil Gotshal-Team Anwälte von Clifford Chance an die Seite. Sie sind seitdem ebenfalls für die Ausarbeitung eines Sanierungsplans mandatiert. Was entweder noch keiner genau weiß oder keiner genau sagen will: Soll Clifford die deutschen Berater von Weil Gotshal über kurz oder lang ersetzen, ist die Kanzlei nur vorübergehend oder langfristig neben der US-Sozietät eingebunden.

Jedenfalls ist der federführende Partner bei Clifford einer, von dem Marktteilnehmer sagen, dass er in diesem Mandat wie Phönix aus der Asche aufgestiegen sei. Es sei ruhig gewesen in der letzten Zeit um den Frankfurter Restrukturierungspartner Kolja von Bismarck. Gerede dieser Art mag aufgekommen sein, weil von Bismarck in den vergangenen Jahren in einigen der prominentesten Restrukturierungsmandaten aufgetreten war, nach denen es nur ruhiger werden konnte. So war es von Bismarck, der den Investor Fortress beim Verkauf der Drogeriemarktkette Ihr Platz beraten hatte und die Automobilhersteller als Gläubiger des Zulieferers Schefenacker beraten hatte. „Seitdem ist er in der Branche bekannt wie ein bunter Hund“, sagt ein Anwalt.

Für die Arbeit der Shearman & Sterling-Partner im Zusammenhang mit der öffentlichen Hand gilt dies dagegen kaum – und das obwohl die Kanzlei schon fast historische Kontakte in die politischen Kreise der Republik hat. Insbesondere Seniorpartner Georg Thoma war für die Treuhand in der Nachwendezeit sowie für Daimler Financial Services im so genannten Toll Collect-Verfahren mehrfach in Transaktionen und Verfahren im politischen Umfeld tätig. So hat sich die Sozietät hier doch einen Namen erarbeitet, selbst wenn Marktkennern im Finanzierungssektor zuerst die Namen einiger Wettbewerber einfallen würden.

Die beteiligten Anwälte jedenfalls werden es früh wissen, ob GM die für die Sanierung des Konzerns in Europa nach eigenen Angaben erforderlichen Staatshilfen über 3,3 Milliarden Euro bekommen wird. Ob sie dann allerdings viel darüber reden werden, ist fraglich. Das werden schon die anderen, vor allem Politiker – schließlich ist Wahljahr. (Tanja Podolski)

Berater GM Europe

Clifford Chance (Frankfurt) : Kolja von Bismarck (Restrukturierung), Dr. Arndt Stengel (Corporate), Dr. Stefan Simon (Arbeitsrecht), Dr. Stefan Sax (Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

Weil Gotshal & Manges : Michael Francies (London), Jürgen Börst (Frankfurt) – aus dem Markt bekannt

Baker & McKenzie : Günther Heckelmann (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Peter Wessels (Gesellschaftsrecht; Berlin) – aus dem Markt bekannt

Gleiss Lutz : Dr. Ulrich Soltész (EU-Beihilferecht; Brüssel), Dr. Burghard Hildebrandt (Beihilferecht), Dr. Ralf Thaeter (Gesellschaftsrecht; beide Berlin) – aus dem Markt bekannt

Inhouse (Zürich): Ricardo Ventura (General Counsel) – aus dem Markt bekannt

Berater Opel-Management

Wellensiek (Frankfurt): Alfred Hagebusch – aus dem Markt bekannt

Berater Gesamtbetriebsrat Opel

Apitzsch (Frankfurt): Wolfgang Apitzsch – aus dem Markt bekannt

Berater Bundesregierung

Shearman & Sterling (Düsseldorf): Dr. Harald Selzner, Rainer Wilke (beide zur Staatsbürgschaft) – aus dem Markt bekannt

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