Eineinhalb Jahre Verhandlungen liegen hinter den beteiligten Parteien. Bis zum Geschäftsjahresende im September soll der Kauf der Minderheitsbeteiligung durch das tschechische Unternehmen, das in ganz Europa Energie- und Infrastruktureinrichtungen betreibt, vollzogen sein. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Ein Experte der Baader Bank schätzt, dass Thyssenkrupp 350 Millionen bis 400 Millionen Euro erhalten könnte.
In einem nächsten Schritt soll der Anteil der EPCG auf 50 Prozent wachsen. Ziel ist die Bildung eines gleichberechtigten 50/50-Joint Venture.
Investor für die Wasserstoffwende
Im vergangenen Geschäftsjahr musste Thyssenkrupp Milliarden auf das Stahlgeschäft abschreiben, das unter einer schwachen Nachfrage sowie gesunkenen Preisen, gepaart mit höheren Kosten leidet. In der Sparte des Thyssenkrupp-Konzerns arbeiten rund 27.000 Menschen, davon 13.000 in Duisburg. EPCG soll laut Thyssenkrupp als strategischer Partner seine Kompetenzen einbringen, um eine ausreichende Versorgung mit Energie in Form von Wasserstoff, Grünstrom sowie der Bereitstellung von anderen Energierohstoffen zu gewährleisten.
Das in neun europäischen Märkten aktive Unternehmen bringe als Energiehändler, -versorger und -lieferant umfangreiche Branchenkenntnisse mit. Křetínský Imperium umfasst die Branchen Energie, Industrie, Handel, Finanzen und Medien. Unter anderem gehören ihm in Ostdeutschland ganz oder in Teilen die Braunkohlekonzerne Mibrag und Leag. Auch der größte Stromproduzent der Slowakei, Slovenske elektrarny, gehört zu seinem Firmenkonglomerat. Kretinsky ist auch größter Anteilseigner des Großhändlers Metro.
Berater EP Corporate Group
Heuking: Dr. Guido Hoffmann (Finanzrecht/Corporate; Düsseldorf), Dr. Marc Scheunemann (Düsseldorf/Frankfurt), Dr. Ulrich Jork (alle Federführung), Dr. Katharina Prasuhn (beide München; alle Corporate/M&A), Dr. Götz Karrer (Düsseldorf), Katharina Waszczynski (Hamburg), Dr. Hermann Hinderer, Dr. Alexander Schott (beide Stuttgart; alle Corporate/M&A), Dr. Boris Dürr (Kapitalmarktrecht; München), Beatrice Stange (Kartellrecht), Dr. Bodo Dehne (Außenwirtschaftsrecht), Dr. Tobias Woltering (Energierecht; alle Düsseldorf), Dr. Susanne Monsig (Beihilferecht; Köln), Dr. Kai Bandilla, Dr. Hans Hoff (beide Projektverträge; beide Hamburg), Dr. Markus Collisy (Frankfurt), Fabian Gerstner (München), Michael Below (Düsseldorf), Gilbert Toepffer (Chemnitz; alle Umweltrecht), Christoph Hexel (Düsseldorf), Astrid Wellhöner (München), Prof. Dr. Martin Reufels, Kerstin Deiters (beide Köln), Dr. Alexander Bork, Torsten Groß (beide Düsseldorf), Dr. Bernd Weller (Frankfurt; alle Arbeitsrecht), Dr. Christoph Nöhles, Dr. Tilman Spancken, Sandra Janberg (alle Immobilienrecht; alle Düsseldorf), Dr. Elke Umbeck (Litigation; Hamburg), Dr. Christian Appelbaum (Düsseldorf), Frank Hollstein (Frankfurt), Birgit Schreier (alle Commercial), René Krohn (Versicherungsrecht; beide Hamburg), Dr. Martin Ströhmann (Compliance; München), Dr. Dominik Eickemeier, Dr. Lutz Keppeler (beide IT-Recht; beide Köln), Astrid Luedtke (IP, Düsseldorf); Associates: Christiane Göb-Krumme (Düsseldorf), Marcel Behrendt (Stuttgart), Dr. Karolina Badura (München; alle Corporate), Christina Tsitiridis (Finanzrecht; Düsseldorf), Bettina Neheider, Sophia Schock (beide Umweltrecht; beide München), Larissa Flügge (Energierecht), Anna Schenke (beide Düsseldorf), Dr. Christoph Katerndahl (Köln), Dr. Christoph Gerhard (Frankfurt; alle Arbeitsrecht), Markus Vlasic (Immobilienrecht; Düsseldorf)
Inhouse Recht (Prag): Veronika Křivánková, Jan Stříteský
Berater Thyssenkrupp
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Dr. Andreas Zenner (beide Federführung), Dr. Sören Stöwe (alle Corporate/M&A), Dr. Sebastian Benz, Dr. Julian Böhmer (beide Steuerrecht), Dr. Jana Hager (Öffentliches Recht), Dr. René Döring, Dr. Timon Grau (beide Arbeitsrecht), Atif Bhatti (IP); Associates: Dr. Anna-Livia von Lüdinghausen, Dr. Veronika Koch, Annelie Krasenbrink, Ibrahim Toksöz, Chao Fan Chen (alle Corporate/M&A), Dr. Benedikt Schewe, Dr. Haakon Richter (beide Steuerrecht), Dr. Luca Rawe (Arbeitsrecht)
Inhouse Recht (Essen): Sebastian Lochen (Leiter Recht), Dr. Martin Schlag
Berater TK Steel Europe
Morgan Lewis & Bockius (München): Dr. Florian Harder, Dr. Patrick Wolff; Associate: Sven Oppermann (alle Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Duisburg): Christian Mayer (Leiter Recht) – aus dem Markt bekannt
Berater Aufsichtsrat TK Steel Europe
Gleiss Lutz (Stuttgart): Prof. Dr. Michael Arnold, Dr. Vera Rothenburg (beide Corporate) – aus dem Markt bekannt
Notariat
Wenz Schüller (Düsseldorf): Dr. Michael Schüller – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Heuking, das mit einem großen Team bereits seit Mai 2023 für EPCG tätig ist, war über persönliche Kontakte des Düsseldorfer Corporate-Partners Hoffmann ins Mandat gekommen. Křetínskýs Energieholding EPH lässt sich seit vielen Jahren von Hengeler Mueller beraten. Die Beteiligung von Metro hatte EPCG mit einem deutschen Team von Kirkland & Ellis übernommen, in der Federführung dabei ehemalige Hengeler-Anwälte. Bei den aktuellen Verhandlungen ebenfalls eine aktive Rolle übernahm die Chefjustiziarin des tschechischen Unternehmens.
TK Steel Europe mit Sitz in Duisburg war in die Transaktion nicht eingebunden, weil der Verkauf auf Ebene der AG vollzogen wurde. Dem Vernehmen nach setzt das Unternehmen auf die Beratung von Corporate-Partner Harder, der sich mit seinem Team vor rund einem Jahr Morgan Lewis anschloss.
Linklaters ist seit Jahren als Beraterin an der Seite von Thyssenkrupp zu sehen, jüngst unter anderem beim letztlich gescheiterten Joint Venture des Stahlbereichs mit Tata und der Veräußerung einer Mehrheitsbeteiligung an der Aufzugsparte TKE.
Auch die U-Boot-Sparte sucht neuen Anteilseigner
Für Thyssenkrupp ist der Anteilsverkauf der Stahlsparte nicht der einzige Komplex, der die Essener aktuell beschäftigt. Bereits seit Längerem steht fest, dass die U-Boot-Sparte – Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) – verselbstständigt werden soll. Auch in dieser Frage setzt Thyssenkrupp auf Linklaters: Neben den Düsseldorfer Corporate-Partnern Wollburg und Zenner ist damit auch der Counsel Julius Raapke befasst.
Für den Konzern liegen derzeit mehrere Optionen auf dem Tisch: Im Gespräch ist ein möglicher Einstieg des Finanzinvestors Carlyle. Seit März befinden sich Thyssenkrupp und Carlyle dazu im Due-Diligence-Prozess. Nach JUVE-Informationen steht dem Investor dabei einmal mehr ein Team um den Private-Equity-Partner Benjamin Leyendecker von Kirkland & Ellis beratend zur Seite. Gleichzeitig laufen Gespräche mit der Bundesregierung, die möglicherweise einen Minderheitsanteil von rund 25 Prozent übernehmen soll. Zudem ist auch ein Börsengang eine Option. (mit Material von dpa)