Juve Plus Übernahmeangebot

Warburg Pincus setzt sich mit Kirkland im Wettbieten um PSI Software durch

Der US-Finanzinvestor will beim Berliner Hersteller von Energie- und Industriesoftware PSI Software einsteigen. Dafür unterbreitet er den Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot über 45 Euro je Aktie. Damit wird das Unternehmen mit gut 700 Millionen Euro bewertet.

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Das Übernahmeangebot in bar entspricht einer Prämie von 84 Prozent auf den letzten unbeeinflussten Schlusskurs. Die Mindestannahmequote liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie. Warburg Pincus teilte mit, man verbuche bereits 28,5 Prozent der Anteile. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen sein und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

Wesentliche Aktionäre haben bereits verbindlich zugesagt, ihre Anteile einzubringen, darunter der mit einer Beteiligung von 23 Prozent größte Anteilseigner Norman Rentrop. Teilweise werden die Aktionäre die Erlöse in die neue Holdingstruktur reinvestieren. Neben Medienunternehmer Rentrop bleibt der Energiekonzern E.on als zweitgrößter Shareholder und wichtiger Kunde an Bord und schließt ein Agreement mit Warburg Pincus. E.on hält knapp 18 Prozent der Anteile.

Eine Cash Confirmation für das Übernahmeangebot gab die Bank JPMorgan ab.

PSI Software bietet Prozesssteuerungssoftware für den Betrieb von Energienetzen und industrieller Produktion und beschäftigt rund 2.400 Mitarbeitende an 13 deutschen und 17 internationalen Standorten. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte der Konzern einen Umsatz von 260,8 Millionen Euro. Mit frischem Geld will die Investorin das 1969 gegründete Unternehmen bei der Umstellung auf ein cloudbasiertes Abo-Modell unterstützen.

Warburg Pincus setzte sich Medienberichten zufolge in einem Bieterwettbewerb gegen zwei konkurrierende Investoren durch, das US-Beteiligungshaus Thoma Bravo sowie die in London ansässige Hg Capital. Beide fokussieren sich auf Software- und Tech-Unternehmen.

Die Berater im Überblick

Benjamin Leyendecker

Berater Warburg Pincus
Kirkland & Ellis (München): Dr. Benjamin Leyendecker (Federführung), Dr. Hendrik Braun (beide Private Equity/M&A); Associates: Frederick Eggert, Dr. Friedrich Focke, Dr. Maximilian Licht, Carl Grupe, Dr. Sabrina Seitz, Lisa Müller, Alexander Stahl (alle Private Equity/M&A)

Klaus von der Linden

Berater PSI Software
Inhouse Recht (Berlin): Cornelia Adam (General Counsel)
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Klaus von der Linden (Federführung), Stephan Oppenhoff (beide Corporate/M&A), Christoph Barth (Kartellrecht), Dr. Daniel Pauly (TMT), Matthew Devey (Arbeitsrecht), Ulli Janssen (Corporate/M&A; alle drei Frankfurt), Yukiko Hitzelberger-Kijima (Arbeitsrecht), Helen Crossley (Kartellrecht; London); Associates: Dr. Richard Heinrichs, Dr. Tom Schäfer, Richard Knaup (alle Corporate/M&A; Frankfurt), Ann-Christin Käser (München), Oliver Haas (beide Kartellrecht), Thomas Kienle (TMT; Frankfurt)

Tobias Nikoleyczik

Berater Norman Rentrop
Lark (München): Dr. Tobias Nikoleyczik, Malte Krohn, Nadja Crombach (alle Corporate/M&A), Dr. Tobias Stuppi; Associate: Jakob Heimrich (beide Steuerrecht)

Stephan Waldhausen

Berater E.on
Inhouse Recht (Essen): Dr. Fabian Rösner (Head of Corporate & Finance Law), Celina Cremer (Senior Legal Counsel)
Freshfields (Düsseldorf): Dr. Stephan Waldhausen (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Ulrich Scholz (Kartellrecht), Dr. Uwe Salaschek (FDI; Berlin); Associates: Jonas Braun, Dr. Michael Schmitz, Dr. Kevin Jansen (alle Corporate/M&A), Dr. Dennis Chinnow (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Julian Siegmund, Pascal Schönemann (beide Kartellrecht), Philipp Baschenhof (Kartellrecht; Brüssel)

Steffen Oppenländer

Berater Thoma Bravo
Kirkland & Ellis
(Frankfurt): Tobias Larisch (Federführung); Associate: Dr. Johannes Rowold (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Hg Capital
Milbank (München): Dr. Steffen Oppenländer (Federführung), Dr. Christoph Rothenfußer, Dr. Daniel Illhardt (alle Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Finanzierer Warburg Pincus
Paul Hastings: Mo Nurmohamed, Rob Davidson (beide London), Dr. Melchior Raiser (alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Nikolaos Paschos, Jörg Ruff (beide Corporate/M&A; alle Frankfurt)

Berater JPMorgan
Baker McKenzie (München): Dirk Horcher (Federführung); Associates: Dr. Jens Klapdor, Erik Kuhn (alle Corporate/M&A)

Berater Goldman Sachs
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. Peter Klormann (beide Federführung); Associate: Felix Melchior (alle Corporate/M&A)

Hintergrund: Warburg Pincus setzt international regelmäßig auf Kirkland & Ellis. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren oft Teams von Hengeler Mueller, Freshfields und Osborne Clarke an der Seite der Investorin gesehen. Die deutsche Kirkland-Dependance mit Leyendecker und den Partnern Dr. Philip Goj und Dr. Christoph Jerger trat im Sommer 2025 für Warburg Pincus auf, als die Investorin das fränkische Traditionsunternehmen Uvex in ihr Portfolio eingliederte.   

Melchior Raiser

Den Finanzierern des Übernahmeangebots von Warburg Pincus stand ein kombiniertes Paul-Hastings-Team aus London und Frankfurt zur Seite. Von deutscher Seite waren die Partner Raiser, Paschos und Ruff im Mandat.

Eine Cash Confirmation für das Übernahmeangebot gab die Bank JPMorgan ab, beraten von einem Team von Baker McKenzie um Horcher. Soweit bekannt kam das Mandat über persönliche Kontakte des Münchner Partners zustande.

PSI Software vertraut seit 2016 auf Linklaters-Partner von der Linden. Der Düsseldorfer berät das Unternehmen fortlaufend im Aktien- und Kapitalmarktrecht sowie im Vorfeld der Hauptversammlungen. Linklaters war bei der 2021 abgeschlossenen Umwandlung in eine SE involviert und stand PSI auch nach einem Cyberangriff 2024 zur Seite.

Der größte Aktionär Norman Rentrop mandatierte ein Münchner Lark-Team um Nikoleyczik. Die Beratung zu Übernahmeszenarien gehört zum Kerngeschäft der 2024 als Abspaltung von GLNS aufgesetzten Boutique. Die Einheit kam dem Vernehmen nach über eine Empfehlung in das Mandat und war erstmals für den Investor tätig.

Milbank und zweites Kirkland-Team beraten Mitbieter

E.on hatte als zweitgrößte Anteilseignerin und Kundin ein Freshfields-Team um Waldhausen an ihrer Seite. Die Kanzlei berät den Konzern langjährig. Inhouse steuerte Rösner den Prozess. Er hatte zu Jahresbeginn 2024 die Abteilungsleitung Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht beim Energiekonzern übernommen, wechselte damals vom Versicherer Ergo.

Als Finanzberaterin für Vorstand und Aufsichtsrat von PSI Software agierte Goldman Sachs. Das Institut, beraten von Sullivan & Cromwell mit Berrar und Klormann, gab unter anderem eine Fairness Opinion ab.

Tobias Larisch

Für die nicht zum Zuge gekommenen Bieter Thoma Bravo und Hg Capital traten nach Informationen aus dem Markt ein getrennt arbeitendes Frankfurter Kirkland-Team um Larisch sowie Milbank-Berater unter der Federführung des Münchners Oppenländer auf. Kirkland ist international regelmäßig für Thoma Bravo im Einsatz. Leyendecker beriet die Investorin 2023 bei der Übernahme von Softwaredienstleister EQS. Das Unternehmen setzte dabei auf den damaligen GLNS- und heutigen Lark-Partner Nikoleyczik.  

Hg Capital vertraute im November 2023 bei der Beteiligung am Softwareunternehmen JTL auf Milbank, im Lead waren Dr. Sebastian Heim und Dr. Norbert Rieger. Nach zahlreichen Mandaten für Latham war das Milbanks Deutschland-Premiere an der Seite der Investorin. Nun ist Oppenländer erstmals als Lead-Partner für das Beteiligungshaus zu sehen.

Sonderberater des Managements gab es nach JUVE-Informationen nicht. Demzufolge sind die im Zuge von Übernahmen oft vereinbarten Special Benefits in Form von Beteiligungen hier kein Thema.

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