Gender Pay Gap

Große Gehaltsunterschiede bei sehr erfahrenen Associates

Frauen verdienen in Wirtschaftskanzleien immer noch weniger als Männer. Das zeigen die Auswertungen der azur-Associate-Umfrage. Vor allem beim Berufseinstieg sowie bei Associates mit sehr viel Berufserfahrung ist der Gender Pay Gap signifikant. Weibliche Senior Associates haben im Schnitt jedes Jahr 10.000 Euro weniger auf dem Konto als Männer in vergleichbaren Positionen.

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Das Einstiegsgehalt von Frauen beläuft sich im Durchschnitt auf 96.000 Euro im ersten Jahr. Männer verdienen schon im ersten Berufsjahr mit 102.000 Euro sechs Prozent mehr Geld. Mit etwas mehr Berufserfahrung gleichen sich die Gehälter zwar zunächst an – in den ersten drei Berufsjahren erhalten weibliche Associates mit durchschnittlich 99.000 Euro Festgehalt pro Jahr laut azur-Associate-Umfrage allerdings immer noch 4.000 Euro weniger als Männer. Das sind rund vier Prozent. Im vierten bis sechsten Berufsjahr schrumpft der Gender Pay Gap auf ein Prozent, ist aber immer noch vorhanden.

Sehr viel Berufserfahrung = größeres Gehaltsgefälle

Der Blick auf die Gruppe der sehr erfahrenen Associates zeigt wiederum ein deutliches Gehaltsgefälle: Im Durchschnitt verdienen Anwältinnen in Wirtschaftskanzleien im siebten bis elften Berufsjahr rund 122.000 Euro pro Jahr. Damit haben sie jedes Jahr rund 10.000 Euro beziehungsweise acht Prozent weniger auf dem Konto als männliche Associates.

Auf welche Ursachen der Verdienstunterschied zurückzuführen ist, lässt sich aus der azur-Associate-Umfrage nicht direkt herauslesen. Während das Einstiegsgehalt bei den meisten Kanzleien inzwischen öffentlich bekannt und eigentlich ein zumeist einheitlicher und fester Betrag ist, operieren Kanzleien bei der Vergütung von berufserfahrenen Associates teils mit recht großen Gehaltsspannen. Auf einen höheren Anteil von Teilzeitarbeit ist der Gender Pay Gap indes nicht zurückzuführen: In diese bereinigte Gehaltsstatistik fließen nur Angaben von Umfrageteilnehmern ein, die Vollzeit arbeiten.

Trotz Gap: Frauen sind zufriedener als Männer

Frauen sind happy mit ihrem Verdienst

Die neuesten Erkenntnisse der Glückforschung zeigen: Geld macht doch glücklich. Die allgemeine Lebenszufriedenheit und das emotionale Wohlbefinden steigen laut aktuellen Studien mit wachsendem Einkommen. In den meisten Gesellschaften sind Männer glücklicher als Frauen. Diese internationalen Ergebnisse sind jedoch offensichtlich nicht ohne Weiteres auf die deutsche Anwaltsbranche übertragbar. Erstaunlicherweise sind weibliche Associates besonders happy mit ihrem Gehalt. Die Auswertungen der azur-Umfrage beweisen, dass Frauen sogar zufriedener mit ihrem Gehalt sind als Männer und zwar über alle Berufsjahre hinweg. Erstaunlicherweise gilt dies vor allem am Anfang ihres Berufslebens und später mit viel Berufserfahrung – also auch genau dann, wenn die Gehaltsunterschiede am höchsten sind.

Insgesamt verteilen sowohl weibliche als auch männliche Associates in der azur-Umfrage im Durchschnitt regelmäßig ziemlich gute Noten in puncto Gehalt. Diese hohe Zufriedenheit ist auch auf das sehr hohe Gehaltsniveau im Markt zurückzuführen sowie auf die Tatsache, dass viele Kanzleien bisher sehr gut durch die Krise navigiert sind.

Nachdem das immense Wettbieten um die höchsten Einstiegsgehälter, das sich viele Sozietäten im Kampf um den besten Nachwuchs geliefert haben, in den vergangenen zwei Jahren eine Pause eingelegt hatte, hat Willkie Farr & Gallagher den Gehaltskrieg jüngst neu entfacht: Die US-Kanzlei hat ihr Einstiegsgehalt für Berufsanfänger um zehn Prozent auf 155.000 Euro im ersten Jahr erhöht.

Geld ist längst nicht mehr alles

Ob andere Kanzleien jetzt mitbieten und das Gehaltsniveau damit weiter anheben, ist keine ausgemachte Sache. Denn schon vor der Corona-Pandemie hat sich der Kampf um die begehrten Nachwuchsjuristen vom früheren Hauptfaktor Geld zunehmend zu weicheren Faktoren wie Work-Life-Balance verlagert. Die Kanzleien setzen sich zunehmend mit den Wünschen der Bewerbergenerationen Y und Z auseinander – und viele Nachwuchsjuristen wünschen sich vor allem eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Karriere mit Freizeit und Familie. Dies gilt sogar für Bewerber, die in eine Großkanzlei streben: Neuerdings ist ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtiger als das Gehalt. Ein gutes Betriebsklima steht ohnehin schon länger auf ihrer Wunschliste ganz oben. Bei Frauen und Männern. (Silke Brünger)

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Gehalt? Wie bewerten Sie Ihren Arbeitgeber in puncto Betriebsklima, Ausbildung und Work-Life-Balance? Erzählen Sie uns mehr und nehmen hier an der neuen azur-Associate-Umfrage teil.

Die 100 attraktivsten Arbeitgeber für Juristen porträtiert die azur-Redaktion des JUVE Verlags in der azur100 2021. Sie finden Sie unter www.azur-online.de/top-arbeitgeber-2021

Detailliertere Informationen zu Gehaltszahlen, Bewerberwünschen sowie weitere Auswertungen der azur-Umfragen, Marktvergleiche und Zeitreihen finden Sie auch auf unserem Portal JUVE plus unter www.juve-plus.de

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