Harnier wird bei Robert Bosch die weltweite Leitung der Zentralabteilung Corporate Legal Services übernehmen. Diese setzt sich zusammen aus Business Lawyers, die einzelnen Business Units zugeordnet sind und eher generalistisch arbeiten, sowie Expert Teams, die auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisiert sind.
Aus seinen bisherigen Jobs bringt Harnier reichlich Transaktions- und Litigation-Erfahrung mit. Er war 2016 als Chefjurist von Covestro zum Dax-Konzern Bayer geholt worden. Dort lief bereits die Monsanto-Übernahme über 60 Milliarden Euro, deren Abschluss er juristisch koordinierte.
Anfang 2023 wechselte er dann als General Counsel zum Softwarehersteller SAP, ebenfalls Dax-Mitglied. In Harniers Amtszeit dort fiel etwa der Zukauf der israelischen Softwarefirma WalkMe, für mehr als eine Milliarde Dollar. Zudem schloss das Walldorfer Unternehmen zahlreiche strategische Kooperationen – etwa mit Bleu, Capgemini und Mistral AI –, um für europäische Unternehmen und die Bundesverwaltung souveräne Cloud- und KI-Lösungen anzubieten.
Innerhalb des Rechtsbereichs von SAP standen vor allem die Verbesserung der Business-Partner-Positionierung und die Einführung von AI Use Cases im Fokus. Hinzu kamen die rechtliche Beratung der künftigen Datenstrategie des Unternehmens, der Umgang mit relevanten US-Executive-Orders sowie umfangreiche US-Rechtstreitigkeiten. Auch patent- und wettbewerbsrechtliche Auseinandersetzungen waren ein wichtiges Thema, etwa mit Celonis.
Vom Dax-Konzern zum Stiftungsunternehmen
Nun hat sich Harnier für einen Wechsel nach Stuttgart entschieden. „Ich freue mich darauf, mich in den Dienst eines gleichermaßen innovations- und wertegetriebenen Unternehmens zu stellen, dessen Kapitalanteile fast komplett bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung liegen“, sagt Harnier gegenüber JUVE. „Dieser Perspektivwechsel ist nach über 20 Jahren Arbeit in börsennotierten Unternehmen extrem reizvoll.“
Die Rechtsabteilung von Bosch wird seit rund einem halben Jahr interimistisch von dem Gesellschaftsrechtler Matthias Klatt geführt. Klatt ist ‚Leiter Zentralstelle Recht für die Unternehmensbereiche Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology ‘. Er war bereits Stellvertreter der bisherigen Chefjuristin Nora Klug, die innerhalb der Bosch-Gruppe auf eine C-Level-Position gewechselt ist.
In der Bosch Home Comfort Group, die rund 24.000 Mitarbeitende zählt, amtiert Klug seit August als Chief People and Governance Officer. Der Geschäftsbereich wuchs seit 2024 beträchtlich durch die milliardenschwere Übernahme des Heizungs- und Klimageschäfts von Johnson Controls. Diese Integration soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Die Firmengruppe Bosch beschäftigt weltweit rund 412.000 Menschen, davon allein rund 90.000 in Forschung und Entwicklung. Auch wenn der Umsatz im vergangenen Jahr mit 91 Milliarden Euro stabil blieb, litt der Gewinn unter der Absatzkrise in der Automobilbranche. Daher diversifiziert das Stiftungsunternehmen sein Geschäft weiter, etwa im Bereich Robotik und Wärmemanagement.
Harnier wird an Stefan Grosch berichten, der als Mitglied der Geschäftsführung unter anderem zuständig ist für Human Resources, Legal, Compliance, Steuern und Nachhaltigkeit.
SAP bedauert Harniers Entscheidung, das Unternehmen bis Ende April zu verlassen, auch angesichts der „sehr wertvollen Beiträge auf Führungsebene in den letzten drei Jahren“, so ein Sprecher gegenüber JUVE. „Dazu gehörten die ständige Weiterentwicklung der Rechtsfunktion und die Verbesserung des Legal Risk Management.“ Zur Nachfolge Harniers machte das Unternehmen keine Angaben.