Von London nach Brüssel

Deutscher Linklaters-Partner wechselt zu Covington & Burling

Der langjährige Leiter der weltweiten Kartellrechtspraxis von Linklaters, Christian Ahlborn, wechselt zu Covington & Burling, wo der 59-Jährige von Brüssel aus eng mit dem Frankfurter Standort der Kanzlei zusammenarbeitet. Für die Kartellrechtspraxis von Linklaters ist der Weggang der dritte auf Partnerebene innerhalb weniger Wochen. Nach JUVE-Informationen gingen ihm Querelen über die Strategie des Brüsseler Standorts voraus.

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Foto: Takashi Images/stock.adobe.com

Ahlborn, der auch über eine Zulassung als Anwalt in Deutschland verfügt, war fast 30 Jahre bei Linklaters in London tätig. Zuletzt leitete er die globale Kartellrechtspraxis der Kanzlei, die in Deutschland immer wieder Industriedeals von globaler Bedeutung bearbeitet. An solchen Großdeals war auch Ahlborn regelmäßig beteiligt. An der Seite seiner deutschen Partner beriet er etwa E.on kartellrechtlich zum Aktientausch mit RWE oder die Deutsche Börse zur versuchten Übernahme der London Stock Exchange. Auch Missbrauchsverfahren unter anderem für Microsoft begleitete Ahlborn federführend.

Nach JUVE-Informationen war Ahlborn vor kurzer Zeit von seinem Posten als Head of Global Antitrust bei Linklaters zurückgetreten. Seine Nachfolge hat die Londoner Kartellrechtlerin Nicole Kar übernommen. Die Entscheidung zum Rücktritt traf Ahlborn demnach in der Folge von zwei Abgängen in Brüssel, die auf seine Pläne zurückgingen, den Kartellstandort Brüssel umzustrukturieren. Gewechselt war neben der Nachwuchspartnerin Isabel Rooms, die es zu Cleary Gottlieb Steen & Hamilton zog, auch der langjährige Brüsseler Partner Jonas Koponen, der sich der US-Kanzlei Cooley anschloss.

US-Kanzleien übernehmen in Brüssel

Mit dem Wechsel von Ahlborn verliert Linklaters nicht nur ein kartellrechtliches Schwergewicht. Vielmehr ist auch der erneute Wechsel eines Linklaters-Partners zu einer US-Kanzlei bemerkenswert. Denn in den letzten Monaten ist ein verstärktes Interesse von US-Kanzleien am Aus- und Aufbau einer Brüsseler Präsenz zu beobachten gewesen. Die aktuellen Zugänge bei Cooley und Covington & Burling unterstreichen, wie sich einige namhafte US-Kanzleien zutrauen im Brüsseler Markt anzugreifen.

Cooley ist zwar bisher nicht in Deutschland vertreten, das Brüsseler Büro baut aber seit 2018 der ehemalige Noerr-Partner Alexander Israel auf. Bereits in den vergangenen Jahren hat es Latham & Watkins geschafft in die Riege der Brüsseler Top-Kanzleien um Freshfields Bruckhaus Deringer und Cleary vorzustoßen. Bekannte Namen, die gerade ihre ersten Schritte in Brüssel machen sind auch Reed Smith, Weil Gotshal & Manges, Kirkland & Ellis oder Simpson Thacher & Bartlett.  

Ehemalige Linklaters-Partner wieder vereint

Covington ist bereits seit 1990 in Brüssel vertreten. Ihre Stellung auch im deutschen Markt hatte sie im April 2018 mit der Eröffnung ihres Frankfurter Standorts gestärkt. An der Seite von Hengeler Mueller beriet sie seitdem beispielsweise die Deutsche Börse beim versuchten Kauf des Stimmrechtsberaters ISS sowie die japanische Renesas Electronics bei der versuchten Übernahme von Dialog Semiconductor. Bekannt ist auch die Vertretung der Deutschen Telekom in einem prominenten Kartellverfahren vor dem britischen High Court.

Brüssel ist für Covington das Zentrum ihrer Europastrategie. Zuletzt hatte sie vor Ort die bekannte Brüsseler Kartellrechtspartnerin Miranda Cole in Richtung Norton Rose Fulbright gehen lassen. Dass es Covington gelungen ist, Ahlborn zum Wechsel von London nach Brüssel zu bewegen, bezeichnen Marktbeobachter als großen Coup. Vor Ort trifft Ahlborn neben dem aus Deutschland stammenden Kartellrechtler Peter Camesasca auf ein weiteres Schwergewicht im Kartellrecht, Johan Ysewyn. Der Managing-Partner des Brüsseler Büros war von 1996 bis 2011 selbst Partner bei Linklaters.

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