Drastischer Kurswechsel

Haarmann setzt nach Partnerabgängen auf Schrumpfkur

Die Frankfurter Kanzlei Haarmann steht vor einem großen Umbruch. Sie will sich künftig nur noch auf Corporate/M&A, Steuerrecht und Schiedswesen konzentrieren. Mit Francis Bellen (43) und Dr. Christoph Schmitt (42) verlassen zwei der vier Equity-Partner die Kanzlei. Damit erreicht die Unruhe der vergangenen Monate einen neuen Höhepunkt.

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Francis Bellen
Francis Bellen

Prozessrechtler Bellen wird sich als Partner dem Frankfurter Büro von SJ Berwin anschließen, Finanzanwalt Schmitt wird Partner bei Beiten Burkhardt.

Haarmann will das Prozessrecht und die Finanzpraxis nach den Weggängen nicht wieder besetzen. Namenspartner Prof. Dr. Wilhelm Haarmann sagte, dass seine Kanzlei sich vom Full-Service-Ansatz verabschiedet habe und stattdessen ein „großer Tiefgang in nur wenigen Kernbereichen“ angeboten werden solle.

Christoph Schmitt
Christoph Schmitt

Damit vollzieht Haarmann einen drastischen Kurswechsel. Bellen und Schmitt gehörten zu den Gründungspartnern der 2006 entstandenen Einheit (mehr…). Diese war seitdem mehrfach durch die Abgänge ganzer Teams in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem hatte der vierte Gründungspartner Dr. Jan Wildberger die Kanzlei vor knapp drei Jahren im Streit um die internationale Strategie verlassen (mehr…).

Wiederaufbau im Fokus

In den vergangenen Wochen kam es wieder vermehrt zu Wechseln. Zuletzt wurde etwa bekannt, dass mit Dr. Veit Denzer und Dr. Tobias Fenck sogar zwei Salary-Partner aus der nun als Kerngebiet bezeichneten Corporate/M&A-Praxis zu Bryan Cave gehen werden (mehr…). Zudem reichte ein dritter Salary-Partner aus einem Kerngebiet der Kanzlei, der Anwalt und Steuerberater André Suttorp, seine Kündigung ein. Wohin er gehen wird, steht noch nicht fest.

Die Wechsel der letztgenannten Berater machen aber deutlich, dass die Haarmann in jeder Hinsicht auf Wiederaufbau setzen muss.

Dennoch sei der nun proklamierte Strategiewechsel keine Reaktion auf die angekündigten Partnerweggänge, heißt es aus der Kanzlei. „Der Strategiewechsel wurde durch die jüngsten Entscheidungen zwar forciert“, sagte der neben Haarmann einzig als Equity-Partner verbleibende Steuerrechtler Michael Graf, „aber Überlegungen, die Kanzlei in diese Richtung zu entwickeln, bestanden schon länger.“

In der künftigen Aufstellung werden Wilhelm Haarmann und Graf wie bisher für das Steuerrecht stehen. Haarmann wird daneben seine Arbeit als Schiedsrichter wahrnehmen, die in den vergangenen Jahren immer mehr in den Mittelpunkt gerückt ist. Die Praxis für Corporate/M&A wird durch den Salary-Partner Robert Bastian repräsentiert, der seit Anfang 2009 in der Kanzlei beschäftigt ist (mehr…).

Abzüglich der Wechsler wird Haarmann nach jetzigem Stand noch zwei Equity-Partner, zwei Salary-Partner sowie knapp zehn Associates zählen.

Gezielte Verstärkungen für SJ Berwin und Beiten

Für SJ Berwin endet mit dem Zugang von Bellen eine längere Suche. Die britische Kanzlei wollte seit einiger Zeit die Gebiete Litigation und Arbitration mit einem ausgewiesenen Prozessanwalt aufbauen. Mit dem Einstieg Bellens ist der erste Schritt gelungen sein: Er vertritt Mandanten vor staatlichen Gerichten, dem Gerichtshof der Europäischen Union sowie in nationalen und internationalen Schiedsverfahren. Darüber hinaus verfügt er über zahlreiche Erfahrungen als Schiedsrichter. Er berät Mandanten insbesondere bei gesellschafts-, bank,- und finanzrechtlichen Streitigkeiten, heißt es in einer Mitteilung von SJ Berwin.

Auch Beiten Burkhardt stärkt sich mit dem Zugang Schmitts in einem Gebiet, das sie bislang so nicht abdeckt. Der Bank- und Finanzrechtler berät Banken und Unternehmen, vor allem bei Finanzierungen, im Hinblick auf derivative Produkte und im Aufsichtsrecht. In Frankfurt soll er gemeinsam mit Heinrich Meyer, der an der von Schnittstelle Bank- und Finanzrecht sowie Insolvenzrecht arbeitet, für finanzielle Restrukturierungen verantwortlich sein. Zudem soll Schmitt eng mit dem M&A-Team zusammenarbeiten. (Jörn Poppelbaum)

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