Erstes Büro in Europa

Milbank-Anwältin eröffnet für US-Klägerkanzlei Lieff Cabraser in München

Nach JUVE-Informationen eröffnet die amerikanische Verbraucherkanzlei Lieff Cabraser Heimann & Bernstein ihr erstes internationales Büro in München. Gründungspartnerin ist eine Kartellrechtsexpertin von Milbank.

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Katharina Kolb
Katharina Kolb

Nach Hausfeld ist Lieff Cabraser die zweite klassische amerikanische Class-Action-Kanzlei, die den Sprung nach Europa wagt. Die Kanzlei ist bisher nur im US-Markt aktiv. Die etwa 100 Anwälte verteilen sich auf drei Büros. Hauptsitz ist San Francisco, weitere Standorte sind New York, Nashville. In Deutschland ist die Kanzlei manchen bekannt, weil sie Kläger in US-Sammelklagen gegen VW vertreten hat. 

Zwar gibt es in Deutschland keine Sammelklagen nach dem Opt-out-Modell, die typisch für das US-System sind. Allerdings setzen viele darauf, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch in Europa neue Modelle der kollektiven Rechtsdurchsetzung eingeführt werden – sodass ein interessanter Markt vor allem für spezialisierte Klägerkanzleien entstünde. EU-Parlament und Ministerrat haben sich für die Einführung von Sammelklagen ausgesprochen. Derzeit wird über die Details einer entsprechenden Richtlinie verhandelt, aber es zeichnet sich bereits ab, dass die Regelung deutlich über die deutsche Musterfeststellungsklage hinausgeht, die Ende 2018 eingeführt worden war.

Katharina Kolb hat 2010 bei Milbank angefangen, 2019 wurde sie zur Special Counsel ernannt. Nach ihrem Abgang besteht die Münchner Kartellrechtspraxis von Milbank aus Partner Dr. Alexander Rinne und fünf Associates. Bereits 2016 hatte eine Associate und 2018 ein Special Counsel aus Rinnes Team die Kanzlei verlassen, in beiden Fällen in Richtung der Kartellrechtsboutique Buntscheck.

Milbank hat in Deutschland keine Litigation-Praxis, allerdings führen die Kartellrechtler regelmäßig Schadensersatzprozesse, meist auf Beklagtenseite. Auf Klägerseite tätig war die Kanzlei bisher im Zuckerkartell (unter anderem für Danone und Pepsi) und bei Zuliefererkartellen (für BMW), allerdings ist die Arbeit für Kläger potenziell anfällig für Interessenkonflikte und ist daher gemäß Kanzleistrategie nur in Ausnahmefällen möglich. Das dürfte nach JUVE-Informationen auch der Hintergrund für den Wechsel Kolbs sein: Dem Vernehmen nach wird sie ein großes Mandat im Zusammenhang mit dem Lkw-Kartell mit in ihre neue Kanzlei bringen, das sie bei Milbank aufgrund von Interessenkonflikten der Kanzlei nicht hätte führen können.

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