Der Weggang der beiden erfahrenen Finanzrechtler ist für das Londoner Büro von White & Case ein schwerer Schlag. Sowohl Allen als auch Goetz sind für eine ganze Reihe hochkarätiger Mandatsbeziehungen bekannt und gelten als extrem gut vernetzt. Allen berät nahezu zum gesamten Spektrum an Bankprodukten sowie zu Akquisitionsfinanzierungen und Restrukturierungen. Ein wichtiger Schwerpunkt von Goetz ist die Beratung bei fremdkapitalfinanzierten Fusionen und Übernahmen.
Beide begleiten unter anderem auch regelmäßig namhafte deutsche Finanzinstitute wie etwa die Deutsche Bank und die Commerzbank. So beriet Allen etwa die finanzierenden Banken Morgan Stanley und Deutsche Bank London bei der Übernahme des Messtechnikherstellers Ruhrgas Industries durch den britischen Investor CVC. Goetz stand dem Bankenkonsortium um die Deutsche Bank und die Citigroup beim Secondary-Buy-out von dem Armaturenhersteller Grohe zur Seite.
White & Case reagierte auf den Weggang von Allen und Goetz umgehend: Der New Yorker Partner Eric Berg, ebenfalls stellvertretender Leiter der weltweiten Banking-Praxis, arbeitet übergangsweise in London, um dort die Finance-Praxis und insbesondere wichtige Kontakte wie die zur Deutschen Bank London zu stabilisieren.
Auf das Geschäft der deutschen Finance-Praxis soll der Weggang von Allen und Goetz wenig Auswirkungen haben, wie aus Kanzleikreisen zu hören ist. Die Mandatsbeziehungen der Praxis hierzulande seien autark von den Kontakten der beiden.
Nach Informationen von ‚The Lawyer‘ soll der Weggang von Allen und Goetz im Zusammenhang mit internen Konflikten stehen: Bei White & Case hatte es zuletzt strategische Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe Londoner Partner und dem zentralen Management der Kanzlei in New York gegeben. Die Londoner hatten sich für mehr Eigenverantwortung in der britischen Hauptstadt eingesetzt und mehr Einfluss auf Entscheidungen verlangt, die Großbritannien betreffen.
Insbesondere nach der Wahl von Hugh Verrier, dem neuen ‚Chair of Firm‘ sollen sie sich nicht mehr ausreichend im zentralen Management repräsentiert gesehen haben. Fünf der acht Mitglieder des Partnership Committees kommen aus den USA. Aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich ist hingegen kein einziger Partner vertreten, obwohl diese Länder rund 40 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. Allerdings soll einigen der Londoner Partner auch das Angebot gemacht worden sein, Teil des Executive Comittees zu werden. Sie hätten dies aber zugunsten ihrer starken Einbindung in die Mandatsarbeit abgelehnt. (René Bender)