Nauta Dutilh bleibt mit 309 Anwälten wie im Vorjahr die größte Kanzlei der Niederlande. Knapp überrundet wurde hingegen De Brauw Blackstone Westbroek (251 Anwälte) von Houthoff Buruma mit 254 Anwälten. Zum Vergleich: In Deutschland ist Freshfields Bruckhaus Deringer mit 518 Anwälten die größte Kanzlei. Das niederländische Freshfields-Büro liegt übrigens mit 57 Anwälten auf Platz 23 der KSU-Statistik.
Kanzleienwachstum
Die Größe der holländischen Sozietäten hatte sich in den letzten Jahren oft als Problem in internationalen Fusionsverhandlungen erwiesen. „Zu groß, zu unprofitabel“, lautete etwa das Resümee in einem Fall. Dementsprechend scheinen sich einige Kanzleien auf Konsolidierungskurs zu befinden: So zählt Nauta Dutilh beispielsweise 13 Prozent weniger Anwälte als noch vor einem Jahr, Lovells (mit 41 Anwälten) schrumpfte gar um 18 Prozent. Auch De Brauw ist kleiner geworden und zählt weniger Partner und Berufsträger in ihren Reihen als vor einem Jahr.
Eine entgegengesetzte Entwicklung zeichnet sich dagegen beim jungen Büro von Freshfields ab. Auch wenn Amsterdam mit dem Wechsel von Dick Hofland zu De Brauw zuletzt erneut einen Partnerverlust erlitt, zeigte es sich insgesamt expansiv und gewann sogar den Preis für die am schnellsten gewachsene Kanzlei.
KSU beobachtet zudem einen im holländischen Markt bisher nicht bekannten Trend zur Gründung von Nischenkanzleien. Gleich mehrfach haben sich in den letzten Monaten Anwälte aus Großkanzleien für die Tätigkeit in einer kleineren spezialisierten Einheit entschieden. Als Beispiele gelten etwa der Lovells-Spin-off Bronsgeest & Deur, die IP-Boutique Boot Advocaten oder auch Prozess-Spezialisten wie De Koning en Mulder oder Spigthoff (mit dem früheren Freshfields-Partner Charles Langerijs).
Hoher Frauenanteil
Von den insgesamt 12.349 Anwälten in den Niederlanden sind stolze 37 Prozent weiblich, eine Quote, die im internationalen Vergleich echten Seltenheitswert genießt.
In den Top-Kanzleien ermittelte der KSU-Report sogar einen durchschnittlichen Anteil an weiblichen Berufsträgern von 42,9 Prozent. Sieben Kanzleien liegen sogar noch über diesem Wert. In die Partnerschaft schafft es dagegen nur ein kleiner Teil der Anwältinnen. In den Partnerriegen errechnet KSU einen Frauenanteil von durchschnittlich lediglich 12,3 Prozent.
Mandanten haben das Wort
Bereits zum zweiten Mal hat KSU in diesem Jahr untersucht, welche Kanzleien von Hollands 100 größten Unternehmen mandatiert werden. Mit 35 Nennungen steht dabei De Brauw an der Spitze der Rangliste. Allen & Overy liegt mit 23 Nennungen auf Platz zwei, gefolgt von Stibbe mit 19 Empfehlungen. Allen & Overy ist somit nicht nur die einzige internationale Kanzlei, die bei der Mandantenumfrage erneut einen vorderen Platz belegt, sondern konnte ihre Position gegenüber dem Vorjahr sogar noch verbessern. Ebenfalls zugelegt in der diesjährigen Auswertung hat mit 19 Nennungen auch die Gleiss Lutz-Partnerkanzlei Stibbe.
Von den an der Amsterdamer Börse Euronext meistgehandelten Unternehmen (AEX) arbeiten ebenfalls die meisten mit der Dreier-Gruppe aus De Brauw, Allen & Overy und Stibbe zusammen. In der so genannten Midkap-Liste (25 Unternehmen unterhalb der Top-AEX-Namen) führten zwar ebenfalls De Brauw und Allen & Overy die Riege der Rechtsberater an, den dritten Platz belegt hier jedoch Nauta Dutilh.
Trend zur Haftungsbeschränkung
Die Themen Haftung und Risikobegrenzung beschäftigen auch die Anwälte im holländischen Nachbarland: So haben sich im vergangenen Jahr fünf Kanzleien in Aktiengesellschaften (N.V.) umgewandelt. Nachdem De Brauw bereits vor sechs Jahren den Anfang gemacht hatte, folgten zuletzt auch Nauta Dutilh, Stibbe, Lexence, Nysingh Dijkstra de Graaff und Borsboom & Hamm diesem Beispiel. Auch Houthoff Buruma denkt über einen Rechtsformwechsel im Laufe des Jahres nach.
Umsätze
Zusätzlich zum KSU-Report ermittelte außerdem ‚The Lawyer‘ erneut aktuelle Umsatzzahlen und Profitanalysen der fünf größten unabhängigen Kanzleien der Niederlande. Anders als der KSU-Bericht beziehen sich die Angaben dabei nicht allein auf die Anwälte, sondern auf die gesamte Berufsträgerzahl. Eine Besonderheit holländischer Kanzleien ist häufig ein hoher Anteil an Notaren und Steuerberatern.