Interview

„Kanzleien sollten sich mit geeigneten Vergütungsmodellen beteiligen“

Autor/en
  • JUVE

Johann Philippi ist seit Januar neuer General Counsel des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach im schweizerischen Luzern. In seiner Karriere hat der 50-Jährige schon viele Branchen gesehen. Im Interview mit JUVE spricht er darüber, warum er sich dabei nicht festlegt und was er von Kanzleien erwartet, die auf das neue Panel des Unternehmens kommen wollen.

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Johann Philippi
Johann Philippi

JUVE: Zum Jahreswechsel sind Sie vom Brauereikonzern SABMiller in die Stahlbranche gewechselt. Vorher waren Sie auch schon im Logistik- sowie Rüstungsbereich bei Kühne + Nagel bzw. EADS tätig. Warum legen Sie sich auf keine Branche fest?
Johann Philippi:
Weil ich in erster Linie Jurist bin und eben nicht Bier-, Stahl- oder Logistikprofi. Wichtig für jeden Konzernjuristen ist es allerdings dennoch, ein tiefes Verständnis für die jeweilige Branche und das jeweilige Unternehmen zu entwickeln. So habe ich mir zum Beispiel als Schritt in diese Richtung bereits in der zweiten Woche bei Schmolz + Bickenbach die Stahlproduktion angesehen und erklären lassen. Meine bisherigen Arbeitgeber verbindet, dass es Schweizer Unternehmen mit teilweise deutschen Wurzeln sind. Bei allen habe ich bislang internationale Teams geführt und mit diesen komplexe internationale Transaktionen gestaltet. Das ist es, was meinen Job ausmacht, weniger die Branche.

Wie war das Rechtsteam bei Schmolz + Bickenbach bei Ihrem Antritt als General Counsel aufgestellt?
Ich habe von meinen Vorgängern ein leistungsfähiges Team übernommen, sodass es keinen Anlass zu maßgeblichen personellen Veränderungen gab.  Die derzeit sechs Volljuristen sind auf die drei Standorte Luzern, Düsseldorf und Ugine in Frankreich verteilt, so dass sich regionale Schwerpunkte für die einzelnen Mitarbeiter ergeben. Gleichzeitig haben sich aber auch fachliche Kompetenzen herausgebildet, die überregional Anwendung finden. So gibt es etwa in Düsseldorf eine gewisse Spezialisierung auf internationale Handelsverträge, in Frankreich besondere Erfahrungen mit IP-Schwerpunkt und in Luzern einen Fokus auf Corporate und M&A. Diese Zuständigkeiten für Spezialthemen sollen gezielt weiter gestärkt werden.

Welche weiteren Ziele haben Sie sich gesetzt?
Der Bereich Compliance/Corporate Governance wird weiter gestärkt werden. Die Grundpfeiler einer guten Compliancestruktur sind bereits vorhanden, hieran werden wir anknüpfen und diese weiter ausbauen. Deshalb wird mein Team im Oktober um zwei erfahrene Juristen erweitert, die den Bereich Compliance verantworten werden. Neben der Stärkung der Compliance gilt es zum Beispiel die Beziehungen zu unseren externen Kollegen zu optimieren, etwa durch eine Überprüfung des Panels.

Gerade hat der Konzern seine Schuldenlast deutlich gesenkt. Dabei haben Sie mit Hengeler Mueller und Baker & McKenzie aber auf etablierte Mandatsbeziehungen zurückgegriffen…
Für die jüngste Refinanzierung fehlte uns schlicht die Zeit, um einen detaillierten Auswahlprozess neu anzustoßen. Deshalb griffen wir auf die bestehenden Kanzleikontakte zurück, die hervorragend sind. Die regelmäßige Überprüfung des Panels ist wichtig, um die mitunter suboptimalen Folgen allzu großer Routine zu vermeiden. Gerade bei großen Vorhaben empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit leistungsfähigen und internationalen Einheiten mit einem ausgeprägten Dienstleistungsverständnis.  

Was verstehen Sie konkret darunter?
Von einem guten Dienstleister erwarten wir nicht nur hochqualitative und maßgeschneiderte Beratung, sondern zum Beispiel auch, dass die Arbeitsergebnisse in der geeigneten Form und unter Beachtung der mitunter kritischen Zeiträume verfügbar gemacht werden. Zudem erwarten wir, dass unsere Berater von sich aus geeignete Lösungen für standardisierte Aufgaben anbieten. Damit meine ich zum Beispiel, die Auslagerung von bestimmten Datenraumsichtungen in Länder mit günstigen Kostenstrukturen. Ferner ist es uns wichtig, dass die Kanzleien bereit sind, sich an großen Projekten mit geeigneten Vergütungsmodellen zu beteiligen.

Das Gespräch führte Christin Stender.

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