Kanzleiumsätze

An der Spitze ist Bewegung

Autor/en
  • Eva Lienemann

White & Case ist nach vier Jahren wieder in den Top 10, aus denen sich Heuking Kühn Lüer Wojtek in diesem Jahr verabschieden musste. Gleiss Lutz ist der Sprung unter die fünf umsatzstärksten Kanzleien gelungen, Clifford Chance rutscht zwei Plätze nach unten. Das Umsatzranking ist in Bewegung – und das hat auch mit den Diätplänen der Kanzleien zu tun.

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White & Case ist nach vier Jahren wieder in den Top 10, aus denen sich Heuking Kühn Lüer Wojtek in diesem Jahr verabschieden musste. Gleiss Lutz ist der Sprung unter die fünf umsatzstärksten Kanzleien gelungen, Clifford Chance rutscht zwei Plätze nach unten. Das Umsatzranking ist in Bewegung – und das hat auch mit den Diätplänen der Kanzleien zu tun.

Clifford Chance hat es getan. Freshfields Bruckhaus Deringer auch, Linklaters ist lange mit dem Thema durch, White & Case steckt noch mittendrin. Alle diese Kanzleien eifern seit Jahren einem Schönheitsideal nach, es lautet: schlanker werden. Wer seine Partnerschaft nicht konsequent durchleuchtet, Teams strafft und besser auslastet, ist im Grunde ein Exot.

Das gilt besonders für die Kanzleien, die sich in der Umsatz-Spitzengruppe bewegen: Dieses Schaulaufen gewinnt niemand, der nicht auch den Gürtel enger um den Wohlstandsbauch schnallt und seine Mannschaft auf Kurs bringt. Auch wenn einige Diätphasen überwunden werden müssen – am Ende geht es für die Top 10 ums gesunde Abnehmen, nicht ums Abmagern. „Wir sind nicht Sullivan & Cromwell“, beteuert der Managing-Partner einer britischen Kanzlei. Ziel der kontrollierten Verschlankung ist natürlich, dass sie sich auch finanziell bemerkbar macht und die Profitabilität, sprich: den Gewinn, den jeder Einzelne im Team erwirtschaftet, erhöht.

 

Top 10 nach Umsatz 2016-17

Auf Diät

Die radikalste Verschlankung der jüngsten Zeit hat dabei wohl Clifford Chance hinter sich. Die Zeiten, in denen in der Kanzlei an die 400 Anwälte arbeiteten, sind lange vorbei. Nun scheint es, als sei Clifford nach vier mageren Jahren wieder zu Kräften gekommen. Was die Produktivität anbelangt, zog die Kanzlei sogar an ihrer Magic-Circle-Konkurrentin Linklaters vorbei und hat damit eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt: Nicht nur von Link­laters, auch von Allen & Overy trennten Clifford in Sachen Profitabilität noch vor fünf Jahren Welten. Inzwischen liegen die drei Magic-Circle-Einheiten mehr oder weniger gleichauf.

Ähnlich radikal ging White & Case in den vergangenen Jahren vor. Seit Jahren wird das Team eingeschworen auf die ,Strategie 2020‘, die einen weltweiten Partnerumsatz von rund 2 Millionen US-Dollar (1,7 Millionen Euro) als Richtschnur auch für die deutsche Praxis ausgibt. Wer den Höhenflug nicht mitmachen konnte oder wollte, ging. Managing-Partner Dr. Sven-Holger Undritz spricht von teils „schmerzhaften Prozessen“. Die Schmerzen lindern dürften die aktuellen Zahlen, denn der Verschlankungskurs bei White & Case zeigt Wirkung: Die Kanzlei hat ihre Profitabilität mittlerweile auf einen Umsatz pro Berufsträger (UBT) von 690.000 Euro hochgeschraubt. Damit lässt sie jene hinter sich, denen sie seit Jahren nacheiferte: Clifford Chance oder auch Linklaters, von denen sie vor fünf Jahren noch 100.000 Euro trennten.

Gegenbewegung: Big is beautiful

Doch nicht alle Kanzleien der Top 10 sind auf Diät. Es gibt auch eine Gegenbewegung, die heißt: Big is beautiful. Ihr gehören vor allem deutsche Kanzleien wie CMS Hasche Sigle an, die wie kaum eine andere auf Wachstum durch Größe setzt und so ihren Marktanteil erhöht, ebenso wie Noerr. Aber auch Allen & Overy strebt eigentlich Expansion an – auch wenn es nach einigen ungewollten Abgängen umsatzstarker Partner in letzter Zeit nicht so aussah.

Egal, ob die Kanzleien wachsen oder sich verschlanken: Bemerkenswert ist, dass sich die Produktivität bei allen Kanzleien der Top 10 verbessert hat. Von Schwankungen abgesehen, steht im Fünf-Jahres-Vergleich überall ein Plus vor der Veränderung des UBT-Wertes. Auch die traditionell geführten deutschen Kanzleien CMS, Noerr und Gleiss Lutz weisen zweistellige Steigerungsraten auf. Schlank sein ist also kein Wert an sich, die Diäten sind oftmals offenbar nur notwendiges Übel, um wieder beweglicher zu werden.

Denn Kanzleien, die nur auf Verschlankung achten, stehen alsbald vor einem Dilemma. Schlankheit und Effizienz machen einerseits fit und agil und treiben die Produktivität in die Höhe. Doch je komplexer die Mandate werden, desto mehr kann ein bisschen Speck nicht schaden.

Zwischen den Polen Verschlankung und Wachstum hangelt sich Gleiss Lutz seit Jahren still und leise von Erfolg zu Erfolg und ist mittlerweile in den Top 5 angekommen. Mit einem UBT von gut 700.000 Euro haben die Schwaben Kanzleien wie Linklaters, Allen & Overy und Clifford überholt. Das mehr oder weniger gleich große Team arbeitet effizienter und an höchst lukrative Großmandaten von VW bis zur Vertretung von Daimler im Lkw-Kartell, zudem liegt der Erfolg aber auch darin ­begründet, dass die Managing-Partner Prof. Dr. ­Michael Arnold und Dr. Alexander Schwarz die ­Auslastung ihrer Teams im Blick behalten.

Um sich dauerhaft in den Top 10 zu halten, ist offenbar ein Mittelweg am erfolgversprechendsten: nicht zu dick, aber auch nicht dünn. Denn wer sich zu schmal hungert, wird schnell von den Kräftigeren überholt.

Viel mehr Zahlen und Hintergründe zu den 100 umsatzstärksten Kanzleien lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt 10/2017. Alle Umsatzzahlen finden Sie auch online unter www.juve.de.

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