M&A-Markt

Kommt jetzt die große Flaute?

Selbst wenn es noch immer reihenweise Milliarden-Deals gibt – insgesamt schrumpft der M&A-Markt seit einigen Monaten. Nach Jahren der Hochkonjunktur bricht damit für viele Kanzleimanager die Stunde der Wahrheit an: Wer hat rechtzeitig an Aufstellung und Kostenstruktur gearbeitet?

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Auch der längste Boom geht einmal zu Ende. Zwar bestimmen immer noch Mega-Deals wie die versuchte Osram-Übernahme oder Spartenverkäufe bei Bayer und anderen Konzernen die Schlagzeilen. Insgesamt aber schrumpfte der M&A-Markt spürbar, zum ersten Mal seit fünf Jahren. Für die ersten drei Quartale 2019 melden die zentralen Datenanbieter Mergermarket und Refinitiv rund zehn Prozent weniger Deals mit Deutschlandbezug als im gleichen Zeitraum 2018, und fast 50 Prozent weniger Dealvolumen.

M&A-Statistik 2015-2019
M&A-Statistik 2015-2019

Restrukturierungs-Deals im Kommen

Das bedeutet noch keine handfeste Rezession im Transaktionsgeschäft – als Anfang des Jahrtausends die Dotcom-Blase platzte, waren diese Zahlen gleich mehrere Jahre in Folge rückläufig, ebenso in der Finanzkrise ab 2007. Doch die Trendwende ist deutlich genug, um viele Anwälte nachdenklich zu machen. „Aktuell spüren wir zwar keinen Rückgang im Transaktionsgeschäft. Aber bei immer mehr Deals spielen Restrukturierungsthemen eine Rolle“, sagt Dr. Andreas Hoger, M&A-Partner bei Hengeler Mueller

Zwar verdienen die Transaktionspraxen im Spitzensegment weiter gut an Großmandaten. Aber die Art der Projekte ändert sich. „Wir beobachten in letzter Zeit einen deutlichen Trend zu ‚defensiven‘ M&A-Deals strategischer Investoren – das können klassische Carve-outs sein, aber auch Tech-Investments, um bei neuen Entwicklungen vorne dran zu bleiben“, sagt Stefan Bruder, seit Frühjahr Corporate-Partner bei Clifford Chance.

Stefan Bruder
Stefan Bruder

Während sich Kanzleien wie Hengeler und Clifford auf enge Verbindungen zu den wichtigsten Konzernen und Private-Equity-Häusern verlassen können, tun sich andere schwerer. Die JUVE-Umsatzstatistik zeigt schon für die vergangenen Jahre eine immer größere Produktivitätslücke zwischen Kanzleien in Reichweite der M&A-Marktspitze und Sozietäten, die vor allem Konzerne bei mittelgroßen Deals begleiten. Zur Gruppe der ‚Transaktionsberater‘ zählen dort insgesamt 25 Kanzleien, darunter Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler, Kirkland & Ellis, Latham & Watkins und Milbank. Diese Kanzleien konnten ihren Umsatz pro Berufsträger (UBT) über die letzten beiden Jahre im Schnitt um 5,6 Prozent von 780.000 auf 824.000 Euro steigern (Medianwert).

Konzernberater tun sich schwer

Ganz anders die Gruppe der ‚Konzernberater‘, in der die Redaktion etwa Baker & McKenzie, CMS Hasche Sigle, DLA Piper, Taylor Wessing und 22 weitere Kanzleien zusammengefasst hat. Diese verbesserten ihren ohnehin weit niedrigeren UBT im Mittel nur um magere 1,5 Prozent, von 520.000 auf 527.000 Euro (Medianwert). Einige Kanzleien innerhalb dieser Gruppe konnten allerdings gegen den Trend kräftig zulegen, oft gerade dank höherwertiger M&A-Mandate. Baker und DLA etwa arbeiteten an ihren Konzernkontakten, verstärkten ihre Transaktionspraxen gezielt mit Quereinsteigern und schafften mehr Anreize zur internen Zusammenarbeit.

Benjamin Parameswaran
Benjamin Parameswaran

Gleichzeitig beschäftigen sich beide intensiv mit dem Faktor, der allein den Zielkonflikt zwischen M&A-Arbeit für namhafte, aber preissensible Konzernmandanten und den Gewinnerwartungen hochkarätiger Partner auflösen kann: die kanzleiinternen Kosten. „Ich bin manchmal erstaunt, wie phantasielos einige Wettbewerber bei der Preisgestaltung sind“, sagt DLA-Deutschlandchef und M&A-Partner Dr. Benjamin Parameswaran. „Es gab in letzter Zeit praktisch kein Transaktionsmandat, bei dem wir nicht für bestimmte Bestandteile Festpreise oder Caps vereinbart haben.“ Und auch die personelle Aufstellung verändert sich. In größeren, internationalen Mandaten kommen zunehmend Nichtjuristen zum Einsatz, die als ‚Client Manager‘ fungieren und die Prozessabläufe steuern.

Mehr zur aktuellen M&A-Konjunktur und zum Corporate-Markt insgesamt lesen Sie im JUVE Rechtsmarkt 11/2019.

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